Sport : Wer ist hier der Boss?

Köln gegen Eisbären – das ist auch das Duell von Uwe Krupp mit Don Jackson.

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Berlin - Die Nummer als Smalltalk zu bezeichnen, wäre maßlos übertrieben. Zwei, drei Worte wechselten Uwe Krupp und Don Jackson zuletzt nach den Spielen zwischen ihren Mannschaften, dazu gab’s einen flüchtigen Handschlag. Ordentliches Spiel, weiterhin alles Gute, bis zum nächsten Mal. Der Trainer der Kölner Haie und sein Pendant von den Eisbären haben sich einfach nicht viel zu sagen – nicht in der regulären Saison und erst recht nicht jetzt in den Play-offs um die deutsche Eishockeymeisterschaft. Ihr Umgang miteinander ist freundlich, freundschaftlich ist er nicht. Dabei hätten die beiden im Prinzip das Zeug für eine echte Männerfreundschaft.

Vielleicht aber sind sie sich dafür auch zu ähnlich, vielleicht sind beide zu sehr Chef. Von ihrer Statur her könnten sie auch als American Footballer oder Möbelschlepper durchgehen, wobei Krupp noch ein wenig größer und breiter ist als der stämmige Jackson. Geschichten aus der guten alten Zeit hätten sie sich aber genug zu erzählen. Wie war es damals wohl, als beide in der nordamerikanischen Profiliga verteidigten? Der zuweilen recht rüpelhafte Jackson spielte und siegte mit einem gewissen Wayne Gretzky im Team, zweimal gewann er mit Edmonton den Titel in der NHL. Knapp zehn Jahre später, 1996, schaffte Krupp noch mehr. Er schoss Colorado im Finale zum Stanley Cup. Damit haben beide mehr erreicht als die meisten Spieler, die sie heute trainieren.

Am großen Tag des großen deutschen Eishockeyprofis war der neun Jahre ältere Jackson schon als Assistenzcoach tätig. Viel fehlte damals nicht, und er hätte auch Krupp trainiert, doch als der nach Quebec kam, zog es den US-Amerikaner von dort weg. Im Frühjahr des Jahres 2012 begegnen sich die beiden nun als Trainer, und Jackson sagt über Krupp: „Ich habe Respekt vor dem, was er mit der Nationalmannschaft geschafft und welche Aufholjagd er mit den Haien hingelegt hat.“

Tatsächlich hat der 46 Jahre alte Kölner ein besonderes Talent dafür, scheinbar Unmögliches möglich zu machen. Erst führte er ein deutsches Nationalteam 2010 bei der Heim-WM beinahe bis ganz nach vorne, und vor kurzem coachte er die Haie, als die sich selbst schon im Urlaub wähnten, noch in die Endrunde. Insofern ist Uwe Krupp der richtige Mann für die neue Aufgabe.

Noch nie seit Bestehen der Deutschen Eishockey-Liga hat es eine Mannschaft geschafft, einen 0:3-Rückstand in einer Play-off-Serie noch zu drehen. So klar liegen Krupps Haie im Viertelfinale zurück – bei einem weiteren Berliner Sieg am Mittwoch in Köln (19.30 Uhr) ziehen die Eisbären ins Halbfinale ein. Und trotzdem sagt Krupp: „Wir haben unsere Lektion aus den vergangenen Spielen gezogen.“ Das beste Kölner Spiel wolle er nun zeigen. Aber reicht das auch für die bislang so starken Eisbären?

Der Berliner Trainer hat dazu seine ganz eigene Meinung, lässt er doch jetzt durchblicken, dass er die Spielweise des Gegners für nicht übermäßig schlau hält. „Man muss sich in den Play-offs entscheiden, ob man hartes oder smartes Eishockey spielen lässt“, sagt Jackson. „Und Köln hat im letzten Spiel zum Schluss ganz schön viele unnötige Strafen produziert.“ Jackson stichelt nicht zum ersten Mal in der Serie gegen die Haie, während Krupp eher durch Loblieder für den Kontrahenten auffällt.

Überhaupt unterscheiden sich die Coaches in ihrer Herangehensweise. Die Methoden von Jackson sind eher puristisch – ein bisschen Video, Taktiktafel und Eistraining. Uwe Krupp lässt dagegen schon mal riesige Informations-Booklets an seine Profis verteilen oder kaserniert sie tagelang im Hotel. „Uwe ist noch ein relativ junger Trainer“, sagt Jackson, dessen Trainerkarriere im Verein länger und erfolgreicher ist.

Auch in der aktuellen Entscheidung liegt Jackson in Front. Sein Versuch, der Kölner Härte auf spielerische Weise zu entkommen, hat bisher gut geklappt. Der Coach der Haie jedenfalls sagt: „Gegen die Eisbären musst du bis an die Grenze des Erlaubten gehen.“ Am heutigen Mittwoch sollten seine Profis ihr Limit schon erreichen. Ansonsten wird die Geste am Ende eine bekannte sein. Uwe Krupp gratuliert Don Jackson.

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