Sport : Wer keine Wahl hat

Sven Goldmann

Vor gut sechs Jahren bandelte Borussia Dortmund schon einmal mit Jürgen Röber an. Der Fußballlehrer hat später erzählt, was bei der Kontaktaufnahme so alles besprochen wurde: „Ich wollte meinen Kotrainer Bernd Storck mitnehmen, aber da gab es in Dortmund noch den Matthias Sammer. Na gut, haben die Dortmunder gesagt, dann machen wir mit dem Sammer eben was anderes.“

Diese Anekdote steht für den Stellenwert, den beide damals hatten. Röber war mit Hertha BSC in die Champions League gestürmt und interessant für die großen Klubs. Dortmund war einer dieser großen Klubs und konnte es sich erlauben, den Weltstar Sammer hin und herzuschieben wie ein Hütchen auf dem Trainingsplatz.

Mit einiger Verzögerung haben beide Seiten nun doch zusammengefunden, aber das Renommee von einst ist dahin. Röber wurde in Berlin, Wolfsburg und zuletzt Belgrad entlassen. Aus der Bundesliga ist er lange raus und deshalb schwer vermittelbar. Borussia Dortmund wird von Hans-Joachim Watzke geführt – einem Mann, der den Klub finanziell saniert hat, aber sonst das beliebte Klischee bedient, nach dem erfolgreiche Manager nicht viel von Fußball verstehen.

Es treffen sich also zwei Absteiger, die keine andere Wahl hatten. Dortmund fand keinen ähnlich guten Trainer, der bereit war, ein halbes Jahr lang den Platzhalter für Thomas von Heesen zu spielen. Und für Röber ist Borussia vielleicht die letzte Möglichkeit, sich interessant zu machen für die Bundesliga.

Es gibt bessere Konstellationen für sportlichen Erfolg, aber immerhin ein Problem ist schon gelöst: Bernd Storck geht mit nach Dortmund.

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