Sport : „Wer mich für verrückt hält, hat Recht“

René Weller über seine Rückkehr in den Boxring

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In den Achtzigerjahren war René Weller der prominenteste deutsche Boxer und gewann 1983 die WM im Leichtgewicht – allerdings im unbedeutenden Verband WAA, der sich nach dem Kampf auflöste. Wegen Drogenhandels, Hehlerei und unerlaubten Waffenbesitzes wurde Weller 1999 zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Nach der vorzeitigen Entlassung Ende Januar boxt er am 23. Februar gegen den Berliner Marcel Kemnitz. Im Falle eines Sieges will Weller am 3. Mai gegen den Münchner Levent Cukur um den WMTitel des Verbandes WBF antreten.

Herr Weller, Sie meinen es ernst mit Ihrem Comeback?

Alles ernst gemeint. Die Kämpfe sind realistisch und sicher. Man hat mich angerufen, ob ich boxen will.

Mit 49 zurück in den Ring? Es gibt viele, die Sie für verrückt erklären…

Die haben sicher auch Recht, aber ich will ja nicht wieder richtig mit dem Boxen anfangen. Ich will mich von meinen Fans, die die ganze Zeit so großartig zu mir gehalten haben, mit einer Riesenfete verabschieden. Es wird ein Vorkampf werden. Meine neue CD heißt „Wieder hier“, das ist das Motto.

Sie bekommen so einfach eine Lizenz?

Zwei deutsche Ärzte haben mich für boxtauglich erklärt. Trainer Uli Wegener sagte, ich sei fit. Ich trainiere wie früher jeden Tag drei Stunden. Im Augenblick bin ich zwischen Köln, Hamburg und Berlin unterwegs, um die Defizite im Sparring auszugleichen, weil die Zeit kurz ist. Ich laufe, mache Gymnastik und habe ein hartes Boxtraining am Tag. Im Gefängnis habe ich jeden Tag trainiert, deshalb habe ich keinen großen Rückstand. Die Lizenz kriege ich. Sie gilt ein Jahr, bei mir muss sie nur für zwei Kämpfe gelten.

Und Sie wollen als Weltmeister abtreten?

Das wäre mein Traum. Was kann es Schöneres geben? Nach den Jahren im Gefängnis habe ich endlich wieder dieses Gefühl, dass ich machen kann, was ich will. Das ist ein tolles Gefühl. Im Gefängnis bist du wie entmündigt, alles wird dir vorgeschrieben.

Haben Sie keine Angst vor einem Comeback mit einem blauen Auge und dicker Nase?

Überhaupt nicht. Ich weiß, was ich drauf habe, und deshalb mache ich es auch. Ich fühle mich nicht wie 49, eher wie 28. Mein Gewicht ist nur wenig über dem meiner aktiven Laufbahn . Ich muss vor keinem Gegner Angst haben .

Das Gespräch führte Oliver Trust .

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