Sport : Wer muss weg?

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Stefan Hermanns über den Wutausbruch von Dieter Hoeneß

Dieter Hoeneß hat sich am Mittwoch ziemlich klar und deutlich ausgedrückt. „Wenn’s sein muss, schmeiß ich einen raus“, hat Herthas Manager gesagt. So weit, so deutlich. Und doch so unklar. Wen wird es treffen, wenn es nur einen treffen soll? Vielleicht den Trainer?

Wer Hoeneß kennt und das Verhältnis des Vorsitzenden zu seinem Personalleiter Huub Stevens, der weiß, dass eine solche Deutung Blödsinn ist. Hoeneß hat den Arbeiter aus Limburg zur Hertha geholt, als die Fans noch von einem Grandseigneur auf der Trainerbank träumten. Stevens ist sein Mann, und von dessen Qualitäten ist Hoeneß uneingeschränkt überzeugt. Die Drohung des Managers dient daher vor allem dem Schutz seines Trainers. Indem Hoeneß die Spieler attackiert, lenkt er die inzwischen nicht mehr nur latente Wut des Umfelds von Stevens ab.

Vielleicht sollte Hertha BSC, um die TrainerAblenkungs-Diskussion noch ein bisschen am Laufen zu halten, eine Umfrage im Internet starten: Welcher Spieler muss weg? Das nämlich ist die schwierige Frage. Mitläufer wie Michael Hartmann oder Andreas Schmidt kann Hoeneß nicht gemeint haben. Der Effekt auf die Öffentlichkeit und vor allem die träge Mannschaft wäre gering. Es müsste schon einen großen Namen treffen. Wenn es allein nach Leistung ginge, wäre Niko Kovac der aussichtsreichste Kandidat. Der „Kicker“ führt ihn als bisher schlechtesten aller Mittelfeldspieler dieser Bundesliga- Saison. Aber Kovac ist neu bei Hertha, könnte für sich geltend machen, dass er noch Zeit zur Eingewöhnung brauche. Außerdem würde Hoeneß seine eigene Einkaufspolitik der Kritik aussetzen. Er war es, der Kovac geholt hat; der seine Gewinnermentalität gelobt hat; der die überzogene Erwartung geweckt hat, dass Kovac den Charakter der Mannschaft ändern könne. Vielleicht ist ihm das sogar gelungen. Nur nicht so, wie Hoeneß sich das vorgestellt hat.

Herthas Manager betreibt ein riskantes Spiel. Was passiert, wenn Hertha weiter verliert und Hoeneß seine Drohung tatsächlich wahr machen müsste, um seine Glaubwürdigkeit nicht zu verlieren? Einen Spieler rauszuschmeißen bringt erfahrungsgemäß mehr Unruhe in den Verein als die erhoffte Klarheit. Eine Entlassung zieht in der Regel Klagen und Einstweilige Verfügungen nach sich – mit dem Ergebnis, dass der geschasste Spieler am Ende doch wieder mittrainiert. Gefahrlos rauswerfen kann Hoeneß eigentlich nur einen: den Trainer.

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