Sport : „Wer nicht brennt, entfacht kein Feuer“

Nach dem Pokalaus bei einem Zweitligisten kritisieren die Füchse-Verantwortlichen die Spieler

Hartmut Moheit
171162_3_xio-image-4729268702fba.heprodimagesgrafics8191200701133019324.jpg

Berlin - Es sollte ein Signal sein. Dort, wo die Handball-Nationalmannschaft auf ihrem Weg zum WM-Titel immer wieder Station machte, quartierte Bob Hanning die Füchse Berlin vor dem Pokalspiel bei der HSG Düsseldorf ein. „Besser als im Sportzentrum Kaiserau kann man es nicht haben. Hotel, Essen Trainingsbedingungen – alles vom Feinsten“, sagt der Manager des Erstliga-Aufsteigers. Dann stellt er sich eine Frage, für die er die Antwort auch gleich parat hat: „Und was hat es gebracht? Eine unterirdische Leistung.“ Damit beurteilte Hanning das 27:32 (13:13) seines Teams und damit das Ausscheiden in der dritten Pokalrunde gegen den Zweitligisten, „der leblose Auftritt macht mich sprachlos“. Später, in seinen Erklärungsversuchen, wird er philosophisch: „Nur wer selbst brennt, kann Feuer entfachen.“

Die Erkenntnis, dass selbst das Beste vom Besten in der Vorbereitung nicht ausgereicht hat, die Füchse-Spieler „heiß für das Spiel in Düsseldorf zu machen“, habe ihn nachdenklich gestimmt. Auch Trainer Jörn-Uwe Lommel zerbricht sich den Kopf darüber, warum es mit seiner Mannschaft nicht aufwärts geht: „Ausgerechnet die wichtigen Spieler leisten sich entscheidende Fehler. Wir schaffen es nicht, den Gegner mit körperlich guter Verfassung zu dominieren.“ Und das zu einem Zeitpunkt, an dem in der Bundesliga die Spiele gegen den Abstieg bei Balingen-Weilstetten und gegen Essen anstehen.

Respekt haben die Füchse der Konkurrenz nicht eingeflößt, im Gegenteil. „Gegen dieses Team müssen wir zu Hause gewinnen“, sagt Daniel Brack, der frühere Füchse-Kapitän und -Spielmacher, der in Balingen bisher eine starke Saison spielt. „Ich hatte gedacht, dass die Mannschaft schnell im sicheren Mittelfeld der Bundesliga landen würde.“ Schadensfreude empfinde er nicht, obwohl sein Abschied aus Berlin – zehn Tage vor dem Saisonbeginn – auf Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und den Füchse-Verantwortlichen basierte. „Die Zeit in Berlin hat mich geprägt, ich habe gelernt, mit Druck umzugehen.“ Dass ein Brack den Füchsen heute helfen könnte, gibt Jörn-Uwe Lommel inzwischen zu: „Seine Rolle hat nun Kjetil Strand inne, aber der ist nun mal eher Werfer als Spielgestalter.“

Die Defizite der Füchse Berlin lassen sich an Personalien ziemlich genau erklären. Zum Beispiel an Strand, der kurz vor dem Pokalspiel in Düsseldorf allein 13 Treffer für Norwegen gegen Dänemark warf, bei den Füchsen aber selten so häufig trifft. Oder an Hany El Fakharany, den als Abwehrchef verpflichteten Ägypter, der dem kaum einmal gerecht wird. An Mark Bult, der seine Knieverletzung noch längst nicht überwunden hat und in Düsseldorf nach einer Viertelstunde aufgeben musste. An Frank Schumann, Pavel Prokopec, Sascha Detlof und dem talentierten, aber von Rückenverletzungen geplagte Toni Kern, die keine Erstliga-Qualität aufweisen, oder erst auf dem Weg dahin sind. „Eines darf man aber erwarten“, fordert Hanning, „die Einstellung zum Kämpfen.“ Er möchte deswegen „jetzt auf keinen Fall eine Trainerdiskussion aufkommen lassen“, denn das Signal müsse vom Team kommen.

In der ersten Halbserie ist Hilfe durch Verstärkungen vom Transfermarkt ohnehin ausgeschlossen. „Es suchen doch alle, es ist mehr Geld da als es erstklassige Spieler gibt“, sagt Hanning. Er gibt aber auch zu, das er für die Rückrunde konkrete Pläne hegt. Das Pokalaus wäre letztlich zu verkraften, der Abstieg auf keinen Fall.

0 Kommentare

Neuester Kommentar