Sport : Wer versteht Dick Advocaat?

Stefan Hermanns

über die seltsamen Entscheidungen des Gladbacher Trainers Dick Advocaat ist ein Mensch, der auf öffentliche Anerkennung wenig Wert legt. Er ist stolz darauf, seinen eigenen Weg zu gehen, gegen alle Widerstände. Als Advocaat noch holländischer Nationaltrainer war, hat er mit einer einzigen Auswechslung das ganze Land gegen sich aufgebracht: Bei der EM in Portugal schickte er für den Stürmer Arjen Robben einen defensiven Mittelfeldspieler aufs Feld, um den 2:1-Vorsprung gegen Tschechien zu verteidigen. Holland verlor 2:3, und Advocaats fatale Personalentscheidung ging als De wissel, der Wechsel, in die holländische Fußballgeschichte ein. Diese Erfahrung hat Advocaat am Sonntag nicht daran gehindert, „Der Wechsel, Teil zwei“ zu inszenieren.

Gegen Bochum holte der Trainer von Borussia Mönchengladbach nach einer Stunde den leicht verletzten Stürmer Marcell Jansen vom Platz. Für ihn durfte Marcelo Pletsch ins Spiel, ein derber Verteidiger, von dem Gladbachs früherer Trainer Hans Meyer einmal gesagt hat, dass er ihm das Fußballspielen auch nicht mehr beibringen werde. Pletsch sollte mit seinen Qualitäten lediglich helfen, den 2:0- Vorsprung zu verteidigen, stattdessen stolperte er den Ball in letzter Minute zum 2:2 ins eigene Tor. Die eigentliche Pointe aber ist: Ab sofort muss Pletsch bei den Amateuren trainieren.

Ist das die Rache Advocaats? Gekränkte Eitelkeit? Böser Wille? Wer ihm sonntags gut genug ist für die Bundesliga, hat dienstags nur noch Oberliganiveau. Wer andererseits wie Marek Heinz wochenlang mit den Amateuren trainieren muss, darf plötzlich wieder bei den Profis spielen. Vielleicht ist es besser, Advocaat gar nicht erst verstehen zu wollen. Die Frage ist nur, wie lange Dick Advocaat sich selbst noch verstehen darf.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben