Sport : Wer wird der Löw von Löw?

Welche Probleme der neue Bundestrainer jetzt lösen muss

Stefan Hermanns,Robert Ide

Berlin - Joachim Löw wird nicht viel Zeit bleiben, um sich von der Extremerfahrung WM im eigenen Land zu erholen. Am 16. August bestreitet die Nationalmannschaft mit ihrem neuen Bundestrainer das erste Länderspiel (gegen Schweden in Gelsenkirchen), zwei Wochen darauf beginnt die EM-Qualifikation. Löw hat angekündigt, ein paar Tage Urlaub zu machen und dann die dringendsten Fragen zu klären. Diese wären:

Wie wird sich Löws Stil von dem seines Vorgängers Jürgen Klinsmann unterscheiden?

Joachim Löw wird Klinsmann nicht eins zu eins ersetzen können – dazu sind sie zu verschieden, dazu waren auch ihre Arbeitsbereiche zu deutlich voneinander abgegrenzt. Klinsmann hat sich als Supervisor gesehen, der die Arbeit verschiedener Spezialisten koordiniert. Unter dem neuen Bundestrainer wird es ähnlich sein, auch wenn Löw sein Fachgebiet Training/Taktik wohl behalten wird. Klinsmann war Motivator und strahlender Verkäufer seiner Idee, Löw wird nüchterner auftreten, dafür stärker in die tägliche Arbeit eingebunden sein. Die Beförderung Löws zum Bundestrainer deutet darauf hin, dass das Nachfolgeprojekt auf mehr Nachhaltigkeit ausgerichtet ist als das Projekt 2006, das vor allem kurzfristigen Erfolg bringen sollte.

Wer wird Assistent des Bundestrainers?

Joachim Löw hat es als eine seiner ersten Amtshandlungen bezeichnet, einen Assistenten zu finden, einen Nachfolger für sich selbst sozusagen. Zunächst muss der neue Bundestrainer ein Anforderungsprofil für seinen ersten Helfer erstellen. Wenn Löw seine Kompetenz für Taktik und Trainingsarbeit behält: Was bleibt dann für den Neuen? Es ist kaum vorstellbar, dass Löw jemanden wählt, der ihn dank seiner Aura überstrahlt. Wichtig wird sein, dass beide eine ähnliche Vorstellung vom Fußball haben. Auch das gegenseitige Vertrauensverhältnis spielt eine Rolle. So wie bei Urs Siegenthaler, dem Chefscout des Teams. Als Löw in der Schweiz seinen Trainerschein gemacht hat, war Siegenthaler sein Ausbilder.

Wie wird die Mannschaft aussehen?

Aus dem WM-Kader hat nur Oliver Kahn seinen Rücktritt erklärt. Bei einigen Spielern ist die Zukunft noch offen: Oliver Neuville, 33, Jens Nowotny, 32, und Jens Lehmann, 36. Der Torhüter hat sein Bleiben davon abhängig gemacht, wer Trainer sein wird. Unter Klinsmann hätte er auf jeden Fall weitergemacht. Vermutlich wird er es auch unter Löw tun; Lehmann soll sich für seine Beförderung stark gemacht haben. Die Frage, wer dritter Torhüter wird, stellt sich noch nicht. Zu Länderspielen werden in der Regel nur zwei Torhüter eingeladen, das wären Lehmann und die bisherige Nummer drei Timo Hildebrand. Löw hat schon während der WM gesagt, dass der Kern der Mannschaft zusammenbleiben werde, der Prozess der Erneuerung aber weitergehe. Dass er das Testspiel gegen Schweden zu personellen Experimenten nutzen wird, ist angesichts des nächsten Qualifikationsspiels gegen Irland (am 2. September in Stuttgart) unwahrscheinlich.

Wie stark ist Löws Position im DFB?

Die Bundesliga, die sich mit Klinsmann über dessen Wohnsitz in den USA und die Trainingsmethoden gestritten hat, sieht Löws Engagement wohlwollend. „Wir halten ihn für eine gute Lösung“, sagt der Chef der Deutschen Fußballliga Werner Hackmann. Da Hackmann in die Entscheidungsfindung eingebunden war und auch Klinsmanns Kritiker Uli Hoeneß zufrieden ist, wird der Arbeitskreis Nationalmannschaft zunächst keinen Widerstand leisten. Die Landesverbände, die vorrangig den Breitensport tragen, dürften auch Löw kritisch beäugen. „Der DFB ist keine Aktiengesellschaft, sondern ein gemeinnütziger Verein mit sozialen Aufgaben“, sagt deshalb DFB-Präsident Theo Zwanziger auf Nachfrage. Löw wird wohl nicht jeder Wunsch erfüllt werden. „Einige Privilegien haben sich auch aus Klinsmanns Wohnsitz ergeben“, sagt Zwanziger.

Wie wird das Umfeld der Nationalmannschaft organisiert?

Die von Klinsmann engagierten Fitness- und Spezialtrainer werden weiter für die Nationalmannschaft arbeiten. Auch ein Engagement des Hockeytrainers Bernhard Peters als Berater ist nicht ausgeschlossen. Für die Erarbeitung von Nachwuchskonzepten zeichnet Sportdirektor Matthias Sammer verantwortlich. Für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit steht Oliver Bierhoff. Dessen Vertrag als Teammanager wurde schon vor der WM bis 2010 verlängert. DFB-Präsident Zwanziger sagt: „Oliver Bierhoff ist ein Schutzschild der Mannschaft. Er soll auch Ideen außerhalb des Sportlichen entwickeln.“ Bei einigen Funktionären ist diese Rolle jedoch umstritten. „Hier dürften noch Feinabstimmungen nötig sein“, sagt Ligachef Hackmann. Löw wird darauf achten müssen, dass diese Feinabstimmungen nicht zu Lasten seiner Kompetenzen gehen.

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