Sport : Wer wird Kapitän?

Die wichtigsten Fragen bei Hertha BSC vor dem Saisonstart

Stefan Hermanns

Berlin. 34 Tage sind es noch, bis die Fußball-Bundesliga in ihre 41. Saison startet. Die meisten Vereine haben das Training wieder aufgenommen. Und wenn die letzten Klubs in den nächsten Tagen folgen, hat Hertha BSC die erste Woche bereits hinter sich. Schon heute (16 Uhr, Ernst-Reuter-Sportfeld) bestreitet die Mannschaft gegen Hertha 03 ein Testspiel. Groß werden die Erkenntnisse nicht sein. Einige Fragen aber sind bis zum Saisonstart noch zu klären. Wir sagen, welche.

Wer wird nach Michael Preetz’ Abschied neuer Kapitän bei Hertha?

„Ich finde es nicht so wichtig, wer Kapitän wird“, sagt Trainer Huub Stevens. Bisher hat sich die Frage bei Hertha nie gestellt, weil Preetz’ Legislaturperiode vor jeder Saison automatisch um ein Jahr verlängert wurde. Selbst Stevens hat nach seinem Wechsel zur Hertha nicht daran gerüttelt: „Ich kannte die Mannschaft ja noch nicht.“ In diesem Jahr aber will er seinen Einfluss geltend machen. Er werde im Trainingslager einen Vorschlag unterbreiten, „und dann können die Spieler darüber reden“. Als Kandidaten gelten Nationalspieler Arne Friedrich, der holländische Abwehrchef Dick van Burik sowie die beiden Neuzugänge Fredi Bobic und Niko Kovac. Friedrich, der erst vor seiner zweiten Bundesligasaison steht, hat dem „Kicker“ bereits gesagt: „Ich werde mit Sicherheit nicht Kapitän.“ Bobic fände es ungewöhnlich, wenn ein Neuer gleich die Binde bekäme, das gilt folglich auch für Kovac. Bliebe van Burik.

Verliert Pal Dardai seinen Platz im defensiven Mittelfeld an Niko Kovac?

Das defensive Mittelfeld galt lange als Problemzone, deshalb stand die Verpflichtung einer Nummer 6 ganz oben auf der Wunschliste von Manager Dieter Hoeneß. Ist Kovac diese Nummer 6? Und wird er Dardai, der diese Rolle zuletzt besetzt hat, den Platz streitig machen? Nein. „Niko kann das auch spielen“, sagt Stevens. Aber er ist für diese Rolle nicht vorgesehen. Dardai sei defensiv stärker, Kovac habe offensiv mehr Qualitäten. Hoeneß sagt: „Der eine ist kopfballstark“, Kovac nämlich, „der andere nicht.“ Möglich ist, dass beide im Spiel zeitweise die Positionen tauschen, auf jeden Fall stehen sowohl Dardai als auch Kovac in Stevens’ Wunschelf.

Marko Rehmer hat eine enttäuschende Saison hinter sich. Muss sich der Nationalspieler mit einem Platz auf der Ersatzbank begnügen?

Vor einem Jahr kehrte Marko Rehmer als Vizeweltmeister nach Berlin zurück. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Rehmer kam als verletzter Vizeweltmeister zurück und verpasste deshalb fast die komplette Saisonvorbereitung. In einem solchen Fall „schaffst du es in der Hinrunde nicht mehr, das aufzuholen“, sagt Stevens. Rehmer musste mitansehen, wie Arne Friedrich auf der Position des rechten Verteidigers an ihm vorbeizog. Ihn wieder einzuholen ist fast unmöglich. Rehmer könnte in der Innenverteidigung spielen, doch auch da gibt es zu viele Bewerber für die beiden freien Plätze: Neben Rehmer sind dies Dick van Burik, Josip Simunic, Denis Lapaczinski und Alexander Madlung. Selbst bei einer guten Saisonvorbereitung wird es für Rehmer wohl schwierig werden, einen Stammplatz zu bekommen.

Auch Luizao hat die Erwartungen nicht erfüllt. Muss der Weltmeister auf die Bank?

Für Luizao gilt im Prinzip das Gleiche wie für Rehmer. Auch er hat im vorigen Jahr die Vorbereitung verpasst. Dass er diesmal von Anfang an dabei ist, sollte sich auszahlen. Die Konkurrenz im Sturm ist allerdings genauso groß wie für Rehmer in der Abwehr. Bobic besitzt als Neuzugang einen Bonus, für den Platz neben ihm bietet sich vor allem Artur Wichniarek an. Es sieht also so aus, als würde sich wiederholen, was schon in der vorigen Saison Luizaos Problem war, damals mit Michael Preetz: Bobic und er ähneln sich vom Typ her zu sehr, beide sind Strafraumstürmer. Aber das waren auch Gerd Müller und Uwe Seeler, und doch haben sie bei der WM 1970 erfolgreich zusammengespielt.

Zwei der drei Neuzugänge sind älter als 30. Ist der Verjüngungskurs jetzt gestoppt?

Im Prinzip nein. Manager Hoeneß deutet die Erfolge der Jugendabteilung als Zeichen dafür, „dass die Arbeit sich mehr und mehr auszahlt“. Mit Sofian Chahed, Malik Fathi und Alexander Ludwig haben drei Jugendspieler vor dieser Saison einen Profivertrag bekommen. Und auch wenn dies paradox klingen mag: Vielleicht profitieren gerade die Jungen davon, dass Hertha nur gestandene Profis verpflichtet hat – auch wenn sie kurzfristig einen Schritt zurücktreten müssen. Vor allem für Thorben Marx gilt das, der sich auf seiner Position mit Niko Kovac einem starken Konkurrenten erwehren muss. Aber Konkurrenz hat noch nie geschadet.

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