Sport : Wer zuerst trifft, gewinnt

WM-Serie, Teil 2: Worauf die Fünfkämpferin Lena Schöneborn beim Fechten achtet

Dagny Lüdemann

Am Donnerstag startet in Berlin die Weltmeisterschaft im Modernen Fünfkampf. Sechs Tage lang werden sich die Athleten auf dem Olympiagelände im Schießen, Fechten, Schwimmen, Reiten und Laufen messen. Bis es losgeht, erklärt jeden Tag ein deutscher Fünfkämpfer eine der Disziplinen. Heute: Lena Schöneborn, 21, übers Fechten.

Ursprünglich war Lena Schöneborn Leistungsschwimmerin. „Schießen und Fechten konnte ich am Anfang gar nicht“, erzählt die 21-jährige Berlinerin. Sie kam vor sieben Jahren zum Modernen Fünfkampf, hat die anderen Disziplinen erst neu dazulernen müssen. Heute beherrscht sie alle fünf Disziplinen, Mitte Juli holte sie sich den Titel als Deutsche Meisterin. Sie trainiert inzwischen im Berliner Olympiazentrum und wohnt in Wilmersdorf.

„Fechten ist im Wettkampf mittlerweile sogar meine Lieblingsdisziplin“, sagt Lena Schöneborn. „Es ist nicht so unberechenbar wie das Schießen.“ Anders als die Leistungsfechter, die auf 15 Treffer fechten, müssen die Modernen Fünfkämpfer nur einen Treffer mit dem elektrischen Degen landen, um das Gefecht zu gewinnen. Wer innerhalb von einer Minute als erster trifft, gewinnt. „Deshalb müssen wir das Fechten auch ganz anders trainieren als die Profis“, berichtet Schöneborn. „Wir haben nicht so eine ausgefeilte Taktik und beherrschen nicht so viele verscheidenen Aktionen.“ Nur ein paar Tricks beherrsche sie – „die aber richtig gut“.

Für die Olympischen Spiele in Peking hat sich Schöneborn schon qualifiziert. Deshalb steht sie jetzt bei der WM im eigenen Land nicht unter dem Druck, unter die ersten Drei kommen zu müssen. „Mein Ziel ist es, unter die ersten Zehn zu kommen“, sagt Schöneborn.

Neben ihrem ungewöhnlichen Sport absolviert Schöneborn auch ein umfangreiches Studium: Business Administration. Nach den Ferien kommt sie ins fünfte Semester. „Zum Glück kooperiert meine Uni mit dem Olympiastützpunkt, so dass ich den Stundenplan auf das Training abstimmen kann“, sagt Schöneborn. Um Sport und Studium vereinbaren zu können, hatte sie nach dem Abitur überlegt, zur Bundeswehr in die Sportfördertruppe zu gehen. Dann bekam sie ein Stipendium des Internationalen Olympischen Komitees. Deshalb muss sie nebenbei nicht jobben und kann sich ein kleines Auto leisten, mit dem sie zwischen Reitstall, Schwimmhalle und Vorlesungssaal hin- und herfährt. „Ich muss ja jeden Tag alles dabei haben, vom Badeanzug über die Fechtmaske bis hin zu den Reitstiefeln“, sagt sie. „Das wäre ohne Auto wirklich nervig.“

Morgen: Schwimmen

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