Sport : Werben um Schümann

America’s Cup: Deutsches Team plant die Zukunft

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Valencia ­ Das Ziel ist verfehlt, doch die deutsche America’s-Cup-Mannschaft plant schon für die Zukunft. Während Team Germany in der Herausforderer-Runde zum Segelklassiker America’s Cup eine Niederlage nach der anderen kassiert, hat Skipper Jesper Bank das Nachfolgeprojekt mit dem dreimaligen Olympiasieger Jochen Schümann im Visier. In der Diskussion um einen Wechsel des Sportdirektors der Schweizer Alinghi ins deutsche Team bezog der dänische Doppel-Olympiasieger am Mittwoch klar Stellung: „Wir wünschen uns doch alle, dass Jochen Schümann kommt. Das hier war schon immer seine Kampagne. Ich war doch nur der Stellvertreter.“

Die Frage der Rollenverteilung zwischen den ehemaligen Weggefährten und Soling-Rivalen in einem künftigen Projekt bereitet dem 50 Jahre alten Bank kein Kopfzerbrechen: „Jochen kann Steuermann sein oder Skipper. Egal in welchen Rollen, wir werden das gleiche Ziel haben.“ Schümanns Wechsel nach Ende des 32. America’s-Cup sei jedoch keine Selbstverständlichkeit. „Ich bin nicht sicher, dass er einfach so kommt, nur weil wir das alle wollen“, sagte Bank.

Schümann selbst, der mit den Schweizern die Cupverteidigung anstrebt, will sich zu seinen Zukunftsplänen noch nicht äußern: „Ich habe zunächst bei Alinghi eine wichtige Aufgabe zu erledigen.“ Gleichzeitig hat Schümann nie einen Hehl daraus gemacht, nach fast einem Jahrzehnt Cup-Einsätzen für internationale Projekte gerne einmal ein schlagkräftiges Team unter deutscher Flagge anführen zu wollen.

Rolf Bähr, Präsident des Deutschen Segler-Verbandes (DSV), sagte: „Ich würde es mir auch wünschen. Jochen würde damit das richtige Signal für unsere Jugend geben.“ Teamchef Michael Scheeren räumte indes seine Unzufriedenheit über die Ergebnisse seiner Mannschaft ein, die gemeinsam mit dem chinesischen Team Schlusslicht der Qualifikationsrunde ist. „Wir haben unser Ziel klar verfehlt“, sagte Scheeren. „Uns fehlen einfach fünf bis zehn Prozent, um hier im Weltklassefeld wirklich mithalten zu können.“ Von hartnäckigen Gerüchten einer schlechten Stimmung in der Mannschaft um den autoritären Bank will er nichts wissen.

Die hohe Niederlage der Yacht mit der Segelnummer GER 89 am Sonntag von 3:17 Minuten gegen die US-Mannschaft BMW Oracle Racing, in der der Münchner Tony Kolb an Bord sein Debüt gab, machte den Klassenunterschied zu den etablierten Mannschaften deutlich. Die Cup-Neulinge um Jesper Bank erlebten gegen Teams aus dem Mittelfeld zwar immer engere Regatten – am Ende sahen sie aber außer gegen die krassen Außenseiter aus China nur das Heck der Konkurrenz. „Das ist schon frustrierend, auch wenn wir aufgeholt haben“, sagte Matchrace-Experte Bank. Kleine Veränderungen am Boot wirkten sich positiv aus, doch wenn es knapp wurde, versagten sogar die Strategen im Cockpit der Yacht.

Doch Scheeren hat aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt, führt mit Blick auf die Folgekampagne bereits Gespräche mit potenziellen neuen Teammitgliedern. „Wir suchen vor allem einen guten Sportdirektor, führen Gespräche mit verschiedenen Leuten hier in Valencia.“ In vier Jahren soll die deutsche Kampagne aber nicht mehr mit negativen Schlagzeilen in Verbindung gebracht werden: „Beim nächsten Mal muss die Zielsetzung sein zu gewinnen.“ dpa

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