Sport : Werbung, Quiz und Eishockey

Die Buffalo Sabres besiegen beim Gastspiel der NHL in Berlin die Los Angeles Kings 4:2

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Vorbei an Freund und Gegner: Buffalos Adam (links) erzielt ein Tor und schaut den Los Angeles Kings beim erfolglosen Verteidigen zu. Foto: dapd
Vorbei an Freund und Gegner: Buffalos Adam (links) erzielt ein Tor und schaut den Los Angeles Kings beim erfolglosen Verteidigen...Foto: dapd

Berlin - Es war ein netter Einfall der Los Angeles Kings. Das Team aus Kalifornien trug bei den Aufwärmübungen das Emblem der Berliner Eisbären auf dem Trikot. Zwar hatte der Klub aus der National Hockey-League (NHL) am Sonnabend ein Heimspiel in der Arena am Ostbahnhof, trotzdem waren die Kings nur Gast im eigenen Haus, in dem sonst die Eisbären spielen. Die Amerikaner wollten sich bei den Berliner Fans beliebt machen, es funktionierte nicht. Gegner Buffalo bekam mehr Unterstützung von den 14 300 Zuschauern in der Berliner Arena, die Sabres siegten schließlich 4:2 (0:0, 3:1, 1:1).

Die Idee, in Berlin ein Punktspiel der noch jungen NHL-Saison abzuhalten, war ein kleines Abenteuer. Tatsächlich erwies sich der Abend als ein kulturelles Experiment, in dem das Drumherum für die europäischen Zuschauer so spannend war, wie das von vielen Werbepausen unterbrochene Spiel selbst. Eingeleitet wurde das Ganze mit der US-amerikanischen und deutschen Nationalhymne, gesungen von einer Gospelsängerin. Davor und danach wurde viel krachende Rockmusik gespielt, gab es tolle Checks und scheppernde Banden auf dem Videowürfel zu bestaunen. Aber es wurde auch live Eishockey gespielt – und wieder nicht. Wenn dann das Spiel stoppte und in den USA Werbespots im Fernsehen liefen, wurden die Zuschauer – natürlich auf Englisch – mit einem „Trivia Quiz“ auf dem Videowürfel unterhalten. Frage: Wer war der deutsche Spieler in der NHL mit den meisten Strafminuten? Antwort: Uwe Krupp, 660 Strafminuten.

Wenn die Spieler spielen durften, war es ruhiger als in den Werbepausen. Unterbrochen wurde die für den europäischen Eishockeyfan ungewohnte Stille von „Thomas-Vanek“-Rufen und „let's go Buffalo“. Die vielen Österreicher in der Halle feuerten Thomas Vanek an. Selbst das ORF zeigt wegen ihm Spiele von Buffalo live. Für den Deutschen bei den Sabres, Christian Ehrhoff, fiel der Empfang ruhiger aus. Dabei ist der Mann aus Moers mit zehn Millionen Dollar Jahresgehalt der bestbezahlte und vielleicht sogar beste Verteidiger der NHL.

Ehrhoff hatte vor dem Spiel zugegeben, dass er sehr nervös sei: „Es ist für mich etwas Besonderes, in Deutschland zu spielen, aber das muss ich ausschalten, ich darf nicht übermotiviert sein.“ Tatsächlich spielte Ehrhoff nur sehr solide. Aber was heißt das schon, es war erst das zweite Saisonspiel für die Sabres. Sollte es das gut besetzte Team bis ins Finale der NHL schaffen, dann hat es um die 100 Spiele hinter sich.

In Berlin war die NHL ein bunter Luftballon, was Spiel und Stimmung im Stadion betraf. Als im zweiten Drittel ein paar Eisbären-Fans provokant „Ost-Berlin“, johlten gab es Pfiffe. Ansonsten war es eine unaufgeregte Atmosphäre. Dabei hatte sich Jochen Hecht darauf gefreut, „dass meine Kollegen bei den Buffalo Sabres mal erfahren, wie toll die Stimmung in Deutschland beim Eishockey ist.“ Hecht konnte aufgrund seiner Verletzung nicht mitspielen, später aber den Kollegen aus Buffalo erklären, dass die Stimmung bei Eishockeyspielen in Deutschland eben selten so gedämpft ist, wie gestern. Sondern so gediegen, wie sie am Sonntag in Berlin sein wird, wenn die Eisbären gegen Mannheim spielen.

Am Sonntag ist der Tross aus der NHL längst wieder in Nordamerika, Reisestress gehört für die Profis dazu. Nach Berlin waren die Sabres am Vorabend aus Helsinki angereist, wo sie am Freitagabend ihr erstes Punktspiel gespielt hatten. Thomas Vanek sagte: „Um vier Uhr morgens war ich im Bett.“

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