Werder Bremen - Arminia Bielefeld : Die Torfabrikanten

Werder Bremen musste neun gesperrte, verletzte oder kranke Spieler ersetzen und deklassiert Arminia Bielefeld mit einem auch in dieser Höhe verdienten 8:1.

Frank Hellmann[Bremen]
Werder
Schon wieder jubeln. Die Bremer Profis kamen gegen Bielefeld aus dem Feiern gar nicht mehr heraus. -Foto: dpa

Irgendwann schallte fast zwangsläufig der Klassiker „Oh-wie-ist-das-schön“ durchs Oval. Denn zumindest im Weserstadion ist Werder Bremen auf dem Weg zu alter Spielfreude und Torlaune. Vor 40 120 begeisterten Zuschauern knüpften die Hanseaten eine Woche nach dem furiosen 4:1 gegen den VfB Stuttgart nahtlos an die Leistung an und besiegten nach formidabler Vorstellung Arminia Bielefeld auch in der Höhe verdient mit 8:1 (4:1). Der spektakuläre Offensivfußball, der gekrönt wurde durch Tore von Peter Niemeyer (17.), Hugo Almeida (35.), Boubacar Sanogo (41. und 44.), Per Mertesacker (59.) und Markus Rosenberg (66.), Diego (85.) und Hugo Almeida (88.) bei einem Gegentreffer von Artur Wichniarek (37.), ist zudem bester Mutmacher für das Champions-League-Heimspiel gegen Olympiakos Piräus am Mittwoch.

Allerdings dürften die Griechen ein anderer Prüfstein werden als die völlig überforderten Ostwestfalen, die sich nach der dritten Pleite in Folge Richtung Abstiegsränge zu orientieren haben. Dilettantisch war vor allem das Defensivverhalten der Gäste, die sich selbst im Strafraum einer kaum bundesligatauglichen Zweikampfführung befleißigten.

Was Werder an diesen Nachmittag nur recht war: Bremen musste abermals neun gesperrte, verletzte oder kranke Profis ersetzen. Ein für Trainer Thomas Schaaf schon gewohnter Zustand, der erstmals in dieser Saison Peter Niemeyer in die Startelf brachte. Der 23-Jährige bot im rechten Mittelfeld eine couragierte Vorstellung und keineswegs überraschend erzielte der 1,91-Meter-Mann das 1:0, als er einen abgewehrten Ball aus 17 Metern per Dropkick in die Maschen jagte. Dummerweise konnte sich der Blondschopf über sein erstes Tor im erst fünften Bundesliga-Einsatz nicht lange freuen: Nach einem von ihm selbst initiierten Pressschlag mit Andre Mijatovic mussten beide mit Knieverletzung vom Feld. Für den kommenden Mittwoch wäre Niemeyer ohnehin keine Option gewesen, denn der in Jugendzeiten bei Twente Enschede ausgebildete Spieler ist vor geraumer Zeit in Bremen nicht einmal für genug gehalten worden, um auf der 25 Namen umfassenden Meldeliste für die Champions League aufzutauchen. Man müsse sehen, ob es für unser Niveau reicht, lästerte Sportchef Klaus Allofs damals.

Wer auf jeden Fall den Bremer Kader bereichert, ist der Ivorer Sanogo: Der 24-Jährige war nach Niemeyers Volltreffer an den drei weiteren Toren beteiligt. Erst luchste Sanogo dem indisponierten Matthias Langkamp den Ball ab und bereitete mit seiner Flanke mustergültig das 2:0 von Almeida vor, dann erzielte Werders Nummer 18 binnen vier Minuten per Kopf seine Saisontore vier und fünf. Dabei trat der effektiv wie aufregend spielende Diego in die Rolle des Zuarbeiters, der mit einer Ecke auch das fünfte Tor von Mertesacker auflegte. Werder konnte sich in diesem Spiel gar noch Einwechsel-Experimente erlauben: Clemens Fritz feierte nach langer Verletzungspause sein einstündiges Comeback, Nachwuchsspieler Max Kruse gab sein halbstündiges Debüt und sogleich den Pass, den der für den angeschlagenen Sanogo eingewechselte Rosenberg humorlos zum sechsten Streich vollendete. Diego und Hugo Almeida beendeten die Torfabrikation an diesem Nachmittag.

Doch gegen diesen Gegner war das möglich, denn der Bielefelder Abwärtstrend ist offensichtlich: Nach den erschreckenden Darbietungen bei Schalke und gegen Hannover sind die Ostwestfalen auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Wenn Trainer Ernst Middendorp unlängst von Europapokal-Ambitionen fabulierte, manifestiert die Aussage von Torschütze Artur Wichniarek eher das Leistungsvermögen dieser Mannschaft. „Wir haben keine anderen Ziele als 42 Punkte, wir spielen mit sieben, acht Teams gegen den Abstieg.“ Wohl wahr.

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