Werder Bremen : Carlos Alberto: Kapriolen für Millionen

Trainer Thomas Schaaf und sein Team sind ab heute erneut für acht Tage in einem der besten Hotels der türkischen Riviera abgestiegen. Die Stimmung wäre prima, würde nicht wieder einer fehlen.

Frank Hellmann[Bremen]

Die Bedingungen in Belek sind bestens. Eigentlich wie immer, wenn Werder Bremen im Winter an der türkischen Riviera weilt. Eigentlich fehlt es dem Bundesliga-Zweiten hier an nichts, würde nicht wieder einer fehlen: Carlos Alberto, mit 7,8 Millionen Euro teuerster Einkauf der Klubgeschichte. Nun wurde bei dem 23-Jährigen neben einer Virusinfektion, die ihn im Heimaturlaub ereilte, noch eine Schilddrüsenfunktionsstörung festgestellt. Ergo blieb der Brasilianer in Bremen – und seine Eingliederung ins Team lediglich ein schöner Traum.

„Es macht keinen Sinn“, sagt Trainer Thomas Schaaf genervt – und es ist generell die Frage, ob es mit dem Mann noch Sinn macht, der bislang ganze 43 Bundesliga-Minuten im Werder-Mittelfeld gespielt hat. Stattdessen summiert sich längst eine Liste der Ausfälle und Verfehlungen, Krankheiten und Kapriolen. „Ich versuche immer noch das Positive zu sehen, vielleicht kann er nachreisen“, erklärt Sportchef Klaus Allofs. Doch im Grunde scheint Carlos Alberto seinen Kredit verspielt zu haben.

Schließlich hat der Profi in einem halben Jahr kaum ein Problem ausgelassen – da waren mysteriöse Schlafstörungen, obskure Essstörungen, diverse Sonderheiten und eine Prügelei mit dem Teamkollegen Boubacar Sanogo nebst Suspendierung. Allofs sagt: „Wir haben wirklich eine Engelsgeduld mit ihm gehabt.“ Die Geduld trat der Spieler aber aus Sicht des Klubs mit Füßen, als ihm vergangene Woche ein Taxifahrer vier Minuten vor Trainingsbeginn Sack und Pack in die Kabine schleppte. Statt zum Laktattest ging Carlos Alberto anschließend direkt zum Arzt.

Wer glaubt, Carlos Alberto habe krankheitsbedingtes Pech, der irrt. Es ist in Bremen längst kein Geheimnis, dass sich der Spieler einer für einen Profi nicht unproblematischen Lebensweise hingibt. Er ist in Fastfood-Restaurants ebenso Stammgast wie in der Studentendiskothek Stubu. Deshalb kündigt Allofs unmissverständlich an: „Profis können sich nicht so verhalten wie andere in ihrem Alter. Sie müssen Opfer bringen. Wir werden in den nächsten Wochen ein Auge auf ihn und auf sein gesamtes Verhalten haben.“

Überliefert ist schließlich auch die Begebenheit an einer Bremer Tankstelle, wo sich Carlos Alberto an seinem Geburtstag mit einem Sechserpack Bier, Zigaretten und Kondomen eindeckte. Am Tag danach verließ er Werders Weihnachtsfeier vorzeitig, um mit Freunden zu feiern. Vielleicht unterschätzt er die verheerende Wirkung, die solche Extratouren auf den Betriebsfrieden im grün- weißen Mikrokosmos haben. So etwas konnte sich ein Ailton leisten, der Tor um Tor schoss. Oder es wird geduldet, dass Diego noch in Sao Paulo ein Reha-Programm absolviert, weil der Spielmacher die Liga dominiert.

Carlos Alberto gilt dagegen schon jetzt als größter Flop der Ära Allofs/Schaaf. Eigentlich wollte die sportliche Leitung den fünfmaligen Nationalspieler, der schon bei Corinthians Sao Paulo wegen einer Rauferei aus dem Team geflogen war und dem ein Ruf als Nachtschwärmer anhing, auch zunächst nur für ein Jahr ausleihen. Doch als der Transfer sich Anfang Juli verzögerte, plötzlich der Hamburger SV mitbot, war Werder zum schnellen Handeln gezwungen. Schlussendlich überwiesen die Bremer eine überhöhte Millionen-Ablöse. Allofs denkt nun erstmals laut über einen Weiterverkauf nach: „Das ist im Moment kein Thema, aber es ist klar, dass so etwas mit der Zeit als Option im Raum steht. Das hängt davon ab, wie sich der Spieler verhält.“

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