Werder Bremen : Gestörte Vorbereitung

Werder Bremen will mit einem Pokalsieg gegen Dortmund die vielen Negativ-Schlagzeilen der vergangenen Wochen vergessen machen.

Frank Hellmann[Bremen]
Borowski Foto: ddp
Der Abschied von Tim Borowski ist für Werder nicht das einzige Problem. -Foto: ddp

Es hat viel geregnet die letzten Tage in Norddeutschland. Die Folgen sind in und um Bremen offensichtlich: Überflutete Äcker und Wiesen, übergelaufene Seen. Auch das Trainingsareal von Werder Bremen am Osterdeich, direkt an der Weser, ist nicht von großen Pfützen verschont geblieben: Als Trainer Thomas Schaaf die Spieler auf die Laufrunde schickte, holte sich manch einer nasse Füße. Aber was ist das schon gegen all die Widrigkeiten, mit denen der Tabellenzweite sich für die Rückrunde und das heutige DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund (20.30 Uhr/live in der ARD) präparierte.

Werder soll mit einem Erfolgserlebnis im Pokal die schlechten Nachrichten vergessen machen. Denn ungestörte Vorbereitung ist das Gegenteil dessen, was Werder bisher erlebte. „Es ist wieder einmal ein komisches Gefühl, mit dem wir in eine Halbserie starten“, gibt Abwehrchef Per Mertesacker zu. Das vermeintliche Interesse des FC Bayern an Sportdirektor Klaus Allofs, der Wechsel von Tim Borowski nach München, die Abschiebung von Problemfall Carlos Alberto inklusive eines staatsanwaltschaftlich untersuchten angeblichen Sexskandals in dessen Haus, die neuerliche Verletzung von Torsten Frings, respektive den Zweifeln an der medizinischen Abteilung, und peinliche Testspielpleiten: Werder, sonst Hort unaufgeregter Nachrichten, avancierte zum Schlagzeilenlieferanten.

Dabei ging mitunter die sachliche Bewertung verloren: Etwa dass der Klub für den seit zwei Jahren stagnierenden Borowski das Angebot nicht aufstockte, sondern lieber den längst wichtigeren Daniel Jensen längerfristig band. Und wer im Zusammenhang mit der Frings-Verletzung den fast zeitgleichen Verkauf von Leon Andreasen für fast vier Millionen Euro an den FC Fulham kritisierte, vergaß, dass der 24-Jährige selbst in größter Personalnot kein Stammspieler wurde.

„Wir werden unsere Ziele nicht verändern. Unser Kader gibt vieles her“, hatte Trainer Thomas Schaaf zum Hinrundenausklang betont. „Wir können am Ende vor dem FC Bayern stehen“, sagt auch Diego, „alle haben Spielfreude, wir funktionieren als Mannschaft.“ Wegen Leistenproblemen hat der 22-Jährige bislang in der Vorbereitung erst eine Halbzeit gespielt, aber mit Dortmund noch eine Rechnung offen. Bei der 0:3-Niederlage am fünften Spieltag wurde der filigrane Brasilianer entnervt zur Pause ausgewechselt, er stand in der überharten Partie dicht vor einem Platzverweis.

Die Personalauswahl für die Revanche bleibt wegen der vielen Rekonvaleszenten beschränkt – vor allem im Angriff, weil Boubacar Sanogo wegen des Afrika-Cups fehlt, Hugo Almeida in der Bundesliga noch gesperrt ist und daher auch für den Pokal kein Thema sein soll. So wird wieder Ivan Klasnic auflaufen, der heute seinen 28. Geburtstag feiert. Immerhin: Beim durchwachsenen Test am Freitag bei Hajduk Split (2:2) war der um einen neuen Vertrag kämpfende Klasnic einer der besseren Bremer. Und damit einer der Hoffnungsträger, dass die Mannschaft gegen winterliche Störfaktoren immun bleibt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben