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Werder Bremen - Hertha BSC 2:0 : Hertha schwach, Bremens Hunt stark

Der scheidende Bremer Stürmer erzielte beide Treffer in seinem vorletzten Spiel für die Norddeutschen. Hertha BSC wirkte vor allem nach dem ersten Gegentor planlos - Trainer Luhukay war seine Mannschaft zu naiv.

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Matchwinner in seinem vorletzten Spiel für Werder Bremen: Doppeltorschütze Aaron Hunt.
Matchwinner in seinem vorletzten Spiel für Werder Bremen: Doppeltorschütze Aaron Hunt.Foto: dpa

Die Bremer wussten, was sie wollten. "Ein Recht auf Rausch", forderten einige Demonstranten auf Plakaten. Der "Global Marijuana March Bremen" für die Legalisierung von Cannabis, der am Hauptbahnhof begann, führte jedoch nicht am Weserstadion vorbei. Dort war lange nichts zu sehen von berauschendem Fußball. Bei zugigen zwölf Grad verlor Hertha BSC 0:2 (0:0) vor 42 100 Zuschauern beim SV Werder Bremen, der sich in der zweiten Halbzeit zumindest etwas gesteigert hatte.

"Das ist bitter", sagte Herthas Angreifer Sandro Wagner, "wir hatten schon noch Druck, denn wir wollten uns Platz zehn sichern." Trotzdem werden die Berliner die Niederlage verschmerzen können. Es war zwar das sechste sieglose Auswärtsspiel in Folge, aber der Klassenerhalt ist lange geschafft, ein Heimspiel gegen Dortmund noch, dann ist die letztlich erfolgreiche Saison vorbei. "Da wollen wir unseren Fans noch einmal einen Sieg schenken", sagte Peter Pekarik.

Erste Chancen für Hertha

Die Berliner Gäste waren in Bremen nicht so bekifft-friedlich unterwegs wie die Demonstranten: 100 gewaltbereite Hertha-Fans sollen vor Anpfiff Polizisten angegriffen und sechs Beamte leicht verletzt haben, etwa 40 Anhänger wurden festgenommen. Die Werder-Spieler waren auch keineswegs zahm. Zu Beginn des Spiels machten die Berliner Bekanntschaft mit den Bremer Beinen, die eifrig um sich traten. Ronny musste als Spätfolge humpelnd ausgewechselt werden, eine genaue Diagnose stand zunächst aus.

Hertha hatte die ersten Torchancen, die beste nach zehn Minuten, als Per Skjelbred mit einer Direktabnahme an Raphael Wolf scheiterte. Nach 20 Minuten jubelten die Werder-Fans voreilig, als Theodor Gebre Selassie eine Flanke von Aaron Hunt am zweiten Pfosten vorbei beförderte. Sonst gab es eher weniger zu feiern, beide Teams standen defensiv sicher und hatten sich vorne eher auf langsames Umschaltspiel verlegt. Die Doppelspitze Ramos/Allagui sowie Ronny dahinter standen viel im Deckungsschatten der Gegner herum, die Mitspieler spielten oft einen Pass zu viel statt zu schießen. So dürfte das Vorhaben von Adrian Ramos, noch Torschützenkönig zu werden, ebenso schwer werden wie Sami Allaguis Ziel, diese Saison zweistellig zu treffen.

Bremen zu schnell

Werders Meistermannschaft von 2004, die sich in der Pause zum Jubiläum feiern ließ, erinnerte an spielerisch bessere Zeiten. Die Vorbilder inspirierten offenbar die aktuellen Bremer: Aaron Hunt tauchte vor Herthas Torwart Thomas Kraft auf und hob den Ball in den Winkel. Das 1:0 des Angreifers in seinem letzten Heimspiel für Werder bejubelten die Fans aber nicht lange. Kurz darauf gab es eine Schlägerei im Bremer Block, die umstehenden Fans riefen: "Nazis raus!" Und stöhnten, als di Santo zweimal knapp das Tor verfehlte.

Die Berliner hatten nun Probleme mit dem höheren Tempo der Bremer. In der Nachspielzeit tanzte Hunt nach einem Konter die halbe Berliner Abwehr aus und erzielte das 2:0. Hertha habe "vorne die Durchschlagskraft gefehlt", bemängelte Trainer Jos Luhukay nach dem Spiel, "hinten waren wir zu naiv bei den Gegentoren". Er hatte im Laufe der zweiten Hälfte Wagner, Mukhtar und Ben-Hatira eingewechselt, die für mehr Bewegung sorgen sollten als Ronny, Ramos und Allagui. Das blieb jedoch Wunschdenken, ebenso wie gute Torchancen.

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