Werder Bremen : Keine Einheit, nur Brei

Werder Bremen rutscht immer tiefer in die Krise. Der Leistungsdruck innerhalb der Mannschaft ist unverändert gering. Auch der Versuch, Disziplinlosigkeiten stärker zu ahnden, blieb bislang ohne Erfolg.

Sebastian Stiekel[Bremen]

Für die 1:2-Niederlage gegen Bielefeld fand Werder Bremens Trainer Thomas Schaaf ein schönes Wort: „Einheitsbrei“. Er beschrieb damit die fade Leistung seiner Mannschaft in diesem Spiel, aber auch Werders ganzer Saisonverlauf schmeckt im Großen und Ganzen nicht anders. Werder reiht verlässlich ein schlechtes Spiel an ein gutes. Am Mittwoch noch rangen die Bremer im DFB-Pokal Borussia Dortmund nieder, aber schon vier Tage später war von Tempo und Leidenschaft nichts mehr zu sehen. Vor allem die Spiele gegen die Mannschaften vom Tabellenende der Liga kann man in einem Topf verrühren: Bremen gewann in dieser Saison weder gegen Gladbach noch gegen Bochum, verlor in Karlsruhe und diesmal eben gegen Bielefeld.

Das ist ein Zeichen dafür, dass die Mannschaft ein Einstellungsproblem hat und sich gerne auf ihren individuellen Fertigkeiten ausruht. „Vielleicht sind wir etwas zu zufrieden geworden und haben alles etwas schleifen lassen“, sagte Torsten Frings. Werder ist nur noch Tabellen zehnter – sieben Plätze und zehn Punkte von eigenem Anspruch und Ziel (Cham pions League) entfernt. Nach dem Spiel sagte Sportchef Klaus Allofs, das 1:2 sei zwar ein Rückschlag, Werder dürfe aber „die Aufholjagd noch nicht für beendet erklären und die Flinte ins Korn werfen“. Nach dem 0:1 in Karlsruhe im Dezember hatte er etwas Ähnliches gesagt, so langsam gerät die Bremer Krisenbewältigung genauso zum Einheitsbrei wie das Spiel gegen Bielefeld. Seit September baut Allofs regelmäßig Drohkulissen auf („Wir stellen den Kader auf den Prüfstand“), um danach weitgehend alles beim Alten zu belassen („Wir vertrauen dem Team“).

Im Januar wurde mit dem Griechen Tziolis nur eine Alternative fürs Mittelfeld geholt, während man für den Angriff und die linke Abwehrseite nichts tat. Der Leistungsdruck innerhalb der Mannschaft ist unverändert gering. Auch der Versuch, Disziplinlosigkeiten stärker zu ahnden, blieb bislang ohne Erfolg. Dass Frings in der Vorbereitung die Rote Karte sah und Diego mit 0,8 Promille Alkohol im Blut Auto fuhr, hat diese Debatte noch verstärkt. Allofs und Schaaf stellen sich stets vor ihre Spieler, bekommen von diesem Vertrauen aber nur wenig zurück.

Allofs blieb am Sonntag trotzdem bei seiner Linie: „Wir werden intern weiter hart kritisieren, aber jetzt auch nicht den Trainingsplatz verminen. Wir verfallen nicht in Aktionismus.“ Am Montagabend endete die Transferperiode, bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe sah es nicht so aus, als würde Werder noch einmal tätig. Mögliche Konsequenzen werden also frühestens im Sommer gezogen, aber dann deutet sich ohnehin ein kleiner Umbruch an. Ob Frank Baumann seine Karriere fortsetzt, ist fraglich. Ob Diego und Pizarro in Bremen bleiben, ebenfalls. Sie wollen gern weiter in der Champions League spielen. Und die zu erreichen, wird für Werder immer schwieriger.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben