Werder Bremen : Nebengeräusche im Baulärm

Bremen kämpft mit Disziplinproblemen und leiht Sanogo nach Hoffenheim aus.

Frank Hellmann[Bremen]
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Sanogo

Im Bremer Weserstadion bietet sich derzeit eine Szenerie, die ein bisschen unheimlich wirkt. Selbst für einen Langgedienten wie Trainer Thomas Schaaf. Links und rechts des Platzes stehen Kräne, Arbeiter hangeln sich an Gerüsten und Seilen in luftige Höhen. Die Winterpause wird genutzt, um ein neues Dach mit Photovoltaikanlage zu installieren. Eigentlich ist das Betreten der Baustelle tabu, doch der Cheftrainer hat das Verbot im Sinne seiner Profis außer Kraft gesetzt.

Die Rasenheizung des Trainingsplatzes ist defekt, die beauftragte Firma pleite und so bietet nur das Ausweichen in das Stadion für den Perfektionisten Schaaf die gewünschten Bedingungen. Mit Risiken und Nebenwirkungen, wie der 47-Jährige sagt: „Wir haben ein paar ungewohnte Nebengeräusche durch den Baulärm. Und man schaut schon mal hoch, ob ein Träger richtig sitzt.“ Nicht, dass es noch einen unangenehmen Zwischenfall gibt. Davon hatte Werder Bremen vor dem heutigen DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Dortmund (19 Uhr) wahrlich genug. Neben weiteren Verletzungen wie denen von Aaron Hunt und Daniel Jensen oder den mysteriösen Beschwerden von Naldo zwischen Wade und Achillessehne waren es die Dummheiten und Disziplinlosigkeiten, die dem einstigen Vorzeigeverein eine ungeliebte Aufmerksamkeit zuteil werden ließen. Auch wenn einer der Hauptstörfaktoren, Carlos Alberto, an den brasilianischen Klub Vasco da Gama ausgeliehen und gestern der ebenfalls unangenehm aufgefallene Stürmer Boubacar Sanogo zu 1899 Hoffenheim transferiert wurde, um dort den langzeitverletzten Torjäger Vedad Ibisevic zu ersetzen. Der Angreifer von der Elfenbeinküste wird bis zum 30. Juni ausgeliehen, zudem hat Hoffenheim eine Kaufoption für eine weitere Zusammenarbeit mit dem 26-Jährigen.

Trotzdem ist noch keine Ruhe eingekehrt. Ausgerechnet die Wort- und Anführer Torsten Frings und Diego fielen zuletzt aus der Rolle. Frings handelte sich in der Türkei eine törichte Rote Karte wegen Schiedsrichterbeleidigung ein, Diego ist wegen einer Alkoholfahrt bald den Führerschein los, den er möglicherweise ohnehin unrechtmäßig erhalten hat. Sportchef Klaus Allofs spielte wechselweise den strengen Bestrafer (bei Frings) oder den milden Beschützer (bei Diego). „Vor Jahren sind die Spieler auch zu spät gekommen oder von der Polizei angehalten worden, nur damals hatte das nicht die mediale Aufmerksamkeit wie heute.“

Das mag ja sein, macht die Ausreißer des bald 24 Jahre alten Brasilianers aber nicht besser. Allofs stellte nach einem Einzelgespräch mit Diego klar: „Er steht jetzt unter Beobachtung und in der Pflicht, alles für den Erfolg der Mannschaft zu tun.“ In der Hansestadt greifen einige Automatismen nicht mehr, und für die Rückrunde wird es nicht leichter, weil Diego zwar heute im DFB-Pokal und am 18. Februar im Uefa-Cup gegen den AC Mailand mitspielen kann, aber in der Bundesliga noch bis zum 21. Februar gesperrt ist. Und auch Claudio Pizarro wird am Sonntag zum Bundesliga-Start gegen Arminia Bielefeld wegen seiner Ohrfeige in Karlsruhe fehlen.

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