Werder Bremen : Özil steht zum Verkauf

Werder Bremen lehnt einen Verkauf von Per Mertesacker kategorisch ab – doch bei seinem Nationalmannschaftskollegen Mesut Özil sieht das anders aus.

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Ankommen oder abfahren? Özils Verbleib in Bremen ist weiter fraglich.
Ankommen oder abfahren? Özils Verbleib in Bremen ist weiter fraglich.Foto: Nordphoto

Rechten Arm und linkes Bein strecken und die Balance halten. Dann Oberkörper beugen, Arme abstützen und Spannung aufbauen. Mesut Özil, Per Mertesacker und Tim Wiese mühen sich nach Kräften um die richtige Ausführung. Die Übungen am Rande des Thermenstadions von Bad Waltersdorf gibt Yann-Benjamin Kugel vor, und die drei Nachzügler, die sich um den Fitnesstrainer von Werder Bremen scharen, kennen ihren Vorturner gut. Der Mann war während der Fußball-WM in Südafrika im Betreuerstab der Nationalmannschaft integriert. Nun hat Kugel eine nicht minder verantwortungsvolle Aufgabe: Binnen kürzester Zeit gilt es, die letzten Südafrika-Reisenden der Bremer fit zu machen.

Weil das Weserstadion umgebaut wird, tourt der grün-weiße Tross zurzeit von Trainingslager zu Trainingslager: von Norderney über Donaueschingen ist er nun in der Steiermark angekommen. „Ich freue mich auf den Ball und darauf, wieder kicken zu können. Darauf habe ich drei Wochen verzichtet“, sagt Özil. Als Beleg für diese Aussage jongliert er nach dem Krafttraining erst mit den Socken den neuen Einheitsball der Bundesliga, dann zieht er sich Fußballschuhe an, um einen Freistoßwettbewerb mit Kollegen auszutragen. Der letzte Versuch wird zum Volltreffer. Jubelnd greift er sich Marko Marin und läuft lachend zur Mittellinie.

Dieser eine Trainingstag hat im Grunde wieder bestätigt, was für ein Ausnahmekönner Mesut Özil ist. Für ein Foto in voller Mannschaftsstärke hatte sich der Deutsch-Türke am Montag das neue Designer-Jersey mit der Zick-Zack-Optik übergestreift, was unweigerlich die Frage aufwarf, ob er es diese Saison auch wirklich trage? „Ich habe einen Vertrag und bin hier. Das ist es, was zählt“, antwortete Özil leicht genervt. Solche Satzfetzen wirken längst wie auswendig gelernt. Irgendwie scheint der WM-Held nur auf Durchreise. Was tut dem fragilen Jungstar für die Zukunft gut? Nicht nur Klaus Allofs und Trainer Thomas Schaaf, seit mehr als einem Jahrzehnt die Baumeister des erfolgsverwöhnten Bremer Gebildes, sind überzeugt davon, dass er noch ein oder zwei Jahre die Vorzüge der grün-weißen Wohlfühloase genießen sollte.

Aber kommen solche Botschaften noch an bei einem, der den Ratschlägen seines Agenten Reza Fazeli mehr Gehör schenkt? Alle Versuche zur vorzeitigen Vertragsverlängerung des 2011 auslaufenden Kontraktes sind gescheitert, sodass Werder abwägen muss, seinen Mittelfeldspieler besser jetzt gegen eine Ablöse von rund 15 Millionen Euro zu veräußern. Während beispielsweise ein Verkauf von Per Mertesacker kategorisch ausgeschlossen wird (Allofs: „Er bleibt zu 100 Prozent“), stellt sich bei Özil die Lage anders dar. Sobald ein konkretes Angebot vorliegt, werde verhandelt, erläutert der Klubboss – notfalls sogar noch im Trainingslager. Ungeachtet der Tatsache, dass bereits in zwei Wochen die Champions-League-Qualifikation ansteht. Gegner wie AJ Auxerre oder Sampdoria Genua könnten kommen, und sollte Özil dabei mitwirken, wäre er in der Champions League für andere Klubs nicht spielberechtigt.

Allofs wirkt ungeachtet der vertrackten Situation gelassen. Der Klubboss hat vorgesorgt und in Marko Arnautovic ein österreichisches Sturmtalent mit serbischen Wurzeln gekauft. Der 21-jährige Kraftprotz kostete rund 6,5 Millionen Euro und wird entweder aufgrund seines sportlichen Potenzials oder seines schwierigen Charakters für Schlagzeilen sorgen. Auch der Transfer des 23 Jahre alten brasilianischen Mittelfeldallrounders Wesley vom FC Santos steht wohl bald für eine ähnliche Summe bevor – sofern sich die letzten Hemmnisse beseitigen lassen. Die meisten Sorgen bereiten jedoch die zurückgekehrten drei Nationalspieler, die am Dienstagabend beim 2:0-Sieg im Testspiel gegen Rad Belgrad natürlich noch nicht aufliefen. Allofs sagte: „Vielleicht können sie am Freitag gegen Fulham ein paar Minuten mitmachen. Aber mit einem ordentlichen Trainingsaufbau hat das nicht viel zu tun. Das ist pure Improvisation.“ Diese Umschreibung könnte noch weitergehende Bedeutung erlangen – wenn Mesut Özil den Verein wechselt.

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