Werder Bremen rettet sich : Gestocherte Erlösung

Werder rennt 88 Minuten lang gegen Frankfurt an, ehe das Tor zum 1:0-Sieg den Klassenerhalt der Bremer sichert. Frankfurt dagegen muss in die Relegation gegen Zweitligist Nürnberg.

von
Anthony Ujah war einfach nicht zu halten.
Anthony Ujah war einfach nicht zu halten.Foto: Imago

Grün, grün, grün! Anthony Ujah rannte los, streifte erst sein Trikot ab, dann das Unterhemd in gleicher Farbe, der Bremer Stürmer war einfach nicht zu halten. Eigentlich hatte der Nigerianer gar nicht das Tor erzielt, das dem SV Werder den Klassenerhalt bescherte. Mitspieler Papy Mison Djilobodji hatte den Ball, den Ujah nach 87 Minuten und einem langen Freistoß in die Mitte gebracht hatte, noch zum erlösenden 1:0 (0:0)-Siegtreffer über die Linie gestochert. Werder feierte damit ausgelassen die Rettung, die Frankfurter müssen weiter um den Klassenerhalt in der Bundesliga zittern, ab Donnerstag in der Relegation gegen den 1. FC Nürnberg.

Vor dem Spiel befand sich ganz Bremen war im grün-weißen Fieber. Nicht nur tausende Normal-Bremer zeigten Flagge, auch Bürgermeister Carsten Sieling hatte am Rathaus die Werder-Fahne hissen lassen. Und weil es plötzlich richtig kalt geworden war im Werderland, rannten viele Bremer mit grün-weißen Pudelmützen durch die Straßen der Hansestadt. Es gab kaum ein anderes Thema als das Abstiegsduell zwischen Werder Bremen und Eintracht Frankfurt. 36 Jahre nach dem ersten Abstieg des Traditionsklubs von der Weser bangten die Menschen um den Klassenerhalt. Überall hingen Plakate: „Werder braucht Bremen, Bremen braucht Werder“ war darauf zu lesen. Oder „Mors hoch“ – die Wand steht hinter Werder. Der „Mors“ ist plattdeutsch und bezeichnet den Allerwertesten.

Werder: eine kontrollierte Offensive wie zu Rehhagels Zeiten

Inwieweit die Unterstützung der Fans in der Stadt und der gut 40 000 im Weserstadion geholfen hat, ist schwer zu sagen. Aber sie war beeindruckend und bemerkenswert. Und als Djilobodji in der 88. Minute das spielentscheidenden 1:0 erzielte, da explodierte das Weserstadion geradezu.

Werder konnte mit Ausnahme des gelbgesperrten Fin Bartels in Bestbesetzung antreten. Für Bartels stand überraschend Maximilian Eggestein in der Startelf. Bei der Eintracht saß Alex Meier erstmals nach Monaten als Mutmacher wieder auf der Bank, der Ex-Bremer Ignjovski spielte für den gelbgesperrten Huszti.

Video
Trauer in Stuttgart: VfB steigt erstmals seit 41 Jahren ab
Trauer in Stuttgart: VfB steigt erstmals seit 41 Jahren ab

Schon nach knapp zwei Minuten musste sich Werder-Keeper Wiedwald nach einem Kopfball von Änis Ben-Hatira mächtig strecken, nach sechs Minuten rutscht Pizarro an einer Flanke von Öztunali vorbei. Werder-Coach Viktor Skripnik hatte gewarnt, sein Team dürfe „jetzt nicht nur Harakiri machen“, sonst, so die Befürchtung, würden sie in die Konter der Frankfurter laufen. Werder machte trotz der Warnung das Spiel, eine kontrollierte Offensive – wie zu Rehhagels Zeiten – sollte es sein. Die nächste gute Gelegenheit allerdings hatte Frankfurts Hasebe, dessen Schuss Wiedwald parierte.

Der Eintracht reichte ein Remis zum Klassenerhalt und so spielten die Frankfurter auch, für Werder war es schwer durchzukommen, erst ein Freistoß von Zlatko Junuzovic nach einer halben Stunde brachte wieder Gefahr. Nachdem der VfB Stuttgart zur Pause mit 0:2 zurücklag, war Frankfurt zu diesem Zeitpunkt gerettet, Werder musste in die Relegation. Weil die Bremer genau das natürlich verhindern wollten, versuchten sie nach der Pause den Druck zu erhöhen. Skripnik brachte nach knapp einer Stunde Stürmer Ujah für Mittelfeldspieler Eggestein.

Frankfurts Trainer Niko Kovac ließ seine Mannschaft nun noch defensiver spielen, der Berliner Kroate brachte Zambrano für Ben-Hatira. Frankfurt stand spätestens ab der 70. Minute nur noch tief hinten drin, die Bremer, die nun auch noch Özkan Yildirim für Öztunali gebracht hatten, rannten gegen ein Bollwerk an. Und langsam aber sich liefe den Bremern auch die Zeit davon. Doch dann traf Djilobodji in der 88. Minute zum erlösenden 1:0. Werder brachte de Führung über die Zeit und das Weserstadion sang: „Nie mehr Zweite Liga, nie mehr...“

Folgen Sie der Sportredaktion auf Twitter:

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben