Werder Bremen : Sechs Stunden zu null

Werder fährt defensiv gestärkt nach St.-Etienne: Als ob es nicht genug der Irrungen und Wirrungen bei Werder Bremen gäbe. Nun versuchte sich auch noch Alain Perrin, Trainer des heutigen Uefa-Cup-Gegners AS Saint-Etienne, an einem zwielichtigen Täuschungsmanöver.

Frank Hellmann

Bremen „Wir werden gar nicht versuchen, die nächste Runde zu erreichen, um in der Liga nicht weitere Punkte zu verschwenden. Wenn wir das Uefa-Cup-Viertelfinale erreichen, sind wir in echter Gefahr“, hatte Perrin vor dem Rückspiel (20.30 Uhr, live in der ARD) gesagt. Perrins Mannschaft kämpft in der französischen Ligue 1 gegen den Abstieg. Der einst ruhmreiche Europapokalfinalist ist auf Rang 18 abgerutscht.

Natürlich hat Monsieur Perrin seine unbedachte Äußerung längst widerrufen. „Wir haben alle Chancen und wollen uns beweisen“, sagt er mittlerweile. Werder Bremens Interimsboss Klaus Allofs nimmt Perrins Worte erst gar nicht ernst und erwartet einen Sturmlauf des selbsternannten Außenseiters, trotz des 1:0 im Achtelfinal-Hinspiel gegen harmlose Franzosen werde das kein Spaziergang.

Da trifft es sich gut, dass man gerade rechtzeitig in Bremen das defensive Denken gelernt hat. Werder ist seit mittlerweile exakt sechs Stunden ohne Gegentor – gegen Bayern, in Hoffenheim, gegen Saint-Etienne und zuletzt Stuttgart gelangen den ansonsten hinten so wackligen Werder-Profis die lang ersehnten Zu- Null-Erlebnisse. Ein Novum in einer Saison, in der die einzige Konstante die regelmäßige Anfälligkeit war.

Das ist auch deshalb erstaunlich, weil die Abwehr ständigen Umstellungen unterworfen ist. Naldo war in der Liga zuletzt gesperrt, Per Mertesacker erkrankt, Frank Baumann ist heute im Uefa-Cup gesperrt, Clemens Fritz erkältet und der überall einsetzbare Finne Petri Pasanen zog sich eine Bänderdehnung zu. Am Sonntag beim 4:0 gegen den VfB Stuttgart verteidigte am Ende mit Sebastian Boenisch, Sebastian Prödl, Peter Niemeyer und Dusko Tosic eine Viererkette der Abgestempelten, Ausgemusterten oder Überforderten. Warum stand dann die Hintermannschaft trotzdem so sicher? „Alle kommen schnell hinter den Ball, das ist das ganze Geheimnis“, sagt Torsten Frings, „dann stehen wir hinten auch stabiler.“ Frings entfaltet mittlerweile als zentraler defensiver Mittelfeldspieler wieder seine beste Wirkung, heute im längst ausverkauften Stade Geoffrey-Guichard sollen hinter ihm Naldo und Mertesacker zentral verteidigen, wohl auf den Außenbahnen vom Österreicher Prödl und Boenisch flankiert. Ob diese Besetzung ein Sicherheitsrisiko darstellt? Niemand vermag das so genau zu sagen in einer Spielzeit, die für die Hanseaten so viele Überraschungen bereit hält. Frank Hellmann

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