Werder Bremen : Was kommt nach dem Nichts?

Kein Torschuss gegen den FC Bayern München, nun empfängt Werder Bremen den 1. FC Köln. Für Trainer Robin Dutt geht's um den Job. Bekommt Werder am Freitagabend gegen den Aufsteiger die Kurve?

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Hat unlängst beschlossen, keine Zeitungen mehr zu lesen: Werder-Trainer Robin Dutt.
Hat unlängst beschlossen, keine Zeitungen mehr zu lesen: Werder-Trainer Robin Dutt.Foto: dpa

Robin Dutt hat unlängst beschlossen, keine Zeitungen mehr zu lesen. Man kann das verstehen: Der Trainer von Werder Bremen hätte keinen Spaß an der Lektüre, denn landauf, landab werden in den Medien die Tage des Bremer Übungsleiters gezählt. Werder ist Tabellenletzter, die Schießbude der Bundesliga, Werder mit dem Coach Robin Dutt bringt nach vorne – wie unlängst in München zu sehen – so gut wie nichts und manchmal noch weniger zustande. Nicht einen einzigen Torschuss.

Die Verantwortlichen von Werder Bremen, aber auch die Spieler, stärken dem Trainer vor dem Spiel am Freitag gegen den 1. FC Köln noch den Rücken. Der designierte Aufsichtsratschef Marco Bode verweist auf das intakte Verhältnis zwischen Trainer und Team und sagt: „Wir sind davon überzeugt, dass wir mit Robin die Kurve kriegen.“ Kapitän Clemens Fritz erklärt: „Ich bin überzeugt, dass wir mit ihm da unten rauskommen. Er hat Erfahrung im Abstiegskampf und zeigt keinerlei Anzeichen von Nervosität.“ Und Geschäftsführer Thomas Eichin sagt: „Ich bin überzeugt, dass Robin zu hundert Prozent der Richtige ist, um die Mannschaft weiter zu entwickeln.“

Ganz schön viel Überzeugung angesichts solch wenig überzeugender Darbietungen. Eichin hat Dutt geholt, er hat ihn präsentiert als den Mann, der für das neue Werder stehen sollte, das mit bescheidenen Mitteln wieder zurück an die Spitze wollte. Jetzt ist Werder Bremen Letzter und eine Entlassung fiele auch auf Eichin zurück. Das und auch die finanzielle Belastung im Fall einer Entlassung würden ihn nicht davon abhalten, den Schritt zu gehen, wenn der Erfolg weiterhin ausbleibt. Als Eishockey-Manager in Köln hatte er seine Trainer nicht eben mit Samthandschuhen angefasst.

Werder Bremen: Von Stevens bis Borowka, in den Medien werden bereits potentielle Dutt-Nachfolger durchdekliniert

Dutt hat sich auch nach dem 0:6-Debakel in München vor die Mannschaft gestellt und gleichzeitig betont, dass die Fehler intern „knallhart aufgearbeitet werden“. Man kann sich das eher schlecht vorstellen, wie das ist, wenn der nette Herr Dutt knallhart ist. Auch deshalb wird der Ruf nach einem sogenannten „harten Hund“ immer lauter. Würde Dutt Zeitung lesen, dann wüsste er, dass Huub Stevens, der „Knurrer aus Kerkrade“, via Boulevardpresse seine Bereitschaft erklärt hat, Werder aus dem Sumpf zu ziehen. Unter anderem beim HSV ist ihm das ja schon mal gelungen. Der Name Thomas Tuchel fällt oft, ebenso der von Holger Stanislawski. Der allerdings hat gerade einen Supermarkt übernommen. Werders Ex-Profi Uli Borowka brachte Jens Keller ins Spiel, Werder-Romantiker favorisieren die Lösung Dieter Eilts mit einem Ko-Trainer namens Torsten Frings. Dumm nur, dass Eilts so gar keine Lust mehr auf Profifußball hat. Wenigstens verlangt keiner nach Felix Magath – das hätte ja noch gefehlt.

Werder Bremen war lange gut darin, den Trainern den Rücken zu stärken – wenn die Ergebnisse stimmten wie bei Otto Rehhagel und Thomas Schaaf. Doch in der Post-Rehhagel-Ära standen die Bremer Bosse nicht mehr in Nibelungentreue zu ihren Trainern, ob sie de Mos, Dörner, Sidka oder eben Magath hießen. Aber ihre Entlassungen haben auch gezeigt, dass neue Besen nicht immer besser kehren. Und es stellt sich bei Werder Bremen aktuell die Frage, welcher Trainer diesen Kader besser machen kann. Oder ob schlicht die Qualität fehlt – was weniger auf Dutt, sondern eher auf Eichin zurückfallen würde.

Kassiert Werder Bremen gegen Köln eine Klatsche, dürften Dutts Tage in Bremen gezählt sein

Robin Dutt hat es jedenfalls nicht geschafft, eine klare Handschrift ist nicht zu erkennen. Das spricht gegen ihn. Der Trainer kennt die Spieler, das Verhältnis ist tatsächlich intakt, er selbst strahlt Zuversicht aus; das spricht für ihn. Es wird darauf ankommen, wie sich das Team am Freitag präsentiert. Beim ersten Saisonsieg würde zumindest vorübergehend Ruhe einkehren. Ein Remis nach engagierter Leistung dürfte für Aufschub in der Trainerdiskussion sorgen. Kassiert Werder eine Klatsche, dürften Dutts Tage in Bremen gezählt sein.

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