Werder Bremen : Zu gut für die Mitspieler

Große Bühne Champions League: Das Spiel von Diego war geprägt von großer Ballfertigkeit, Dynamik - es hat den Zuschauer in Verzücken versetzt. Es erinnerte fast an ein Bewerbungsvideo. Jetzt ist der Brasilianer bei Real Madrid im Gespräch.

Thorsten Waterkamp[Madrid]
Diego
Dynamik pur. Werder Bremens Mittelfeldregisseur war trotz der Niederlage gegen Real bester Mann auf dem Platz.Foto: ddp

In der spanischen Sportzeitung „As“ gibt es ein Spielerbewertungsschema, dessen beste Kategorie „perfekt“ heißt. Sie war nach dem 2:1 (1:1)-Sieg Reals über Werder Bremen dem Kapitän des Siegers, Raul, vorbehalten. Das mag einen Grund darin haben, dass der 30 Jahre alte Publikumsliebling nicht nur über einen legendären Ruf verfügt, sondern am Dienstagabend auch sein mittlerweile 57. Champions-League-Tor schoss.

Diego landete in der zweiten Bewertungskategorie, laut „As“ war der Bremer Brasilianer zum Auftakt der Champions-League-Saison 2007/2008 immerhin noch „phänomenal“, und das klingt gut als Zensur in einem Empfehlungsschreiben für die berufliche Zukunft. Die könnte in Madrid, im Estadio Santiago Bernabeu liegen, die Arbeitsprobe auf einem der wichtigsten Fußballplätze der Welt jedenfalls gelang dem Brasilianer. „Er hat eine Balance, eine Schnelligkeit, eine Ballkontrolle, das ist toll“, sagte Ruud van Nistelrooy, am Dienstag Siegtorschütze von Real. „Das kann man nicht nur auf der Tribüne genießen, sondern auch auf dem Platz.“

Diego allerdings hatte auch die nötigen Freiheiten. Er verfügte über mehr Raum, als man nach den Ankündigungen von Reals Trainer Bernd Schuster hatte befürchten müssen. Ihn auszuschalten, sei die taktische Notwendigkeit, um Werders Spiel zu unterbinden, war sich Schuster sicher gewesen. Das größte Hemmnis des Abends waren aber weniger Diegos Gegner als vielmehr der Mangel an geeigneten Anspielstationen in der eigenen Mannschaft. Manchmal war Diego zu gut für seine Nebenleute.

So lag ein kleines Gedankenspiel nahe: Diego nicht im grünen Werder-, sondern im weißen Real-Trikot. Diese Vorstellung ist längst eine Begehrlichkeit bei dem spanischen Weltklub. Real flirtet mit Diego. Allen voran Schuster, auch wenn der sein Buhlen noch ein wenig einschränkte: „Ich bin vorsichtig. Wenn ich sage, das ist einer für uns, heißt es gleich, dass wir ihn sofort verpflichten. Das ist aber nicht der Fall.“ Also sagte er stattdessen, Diego sei jung, er habe eine gute Zukunft, und dass ihm die deutsche Schule sicherlich helfe weiterzukommen. „Warum soll es nicht irgendwann klappen mit Real Madrid?“, fragte der frühere Weltklasse-Regisseur Schuster. „Die Qualität hat Diego schon.“

Noch bis Sommer 2010 ist der gerade mal 22-Jährige bei Werder unter Vertrag, kürzlich erst sprach Sportdirektor Klaus Allofs davon, dass er sich eine Verlängerung wünsche, aber: „Wenn wir das angehen, dann im Rahmen unserer Möglichkeiten und unseres Gehaltsgefüges.“ Diese Hürde ist allerdings jetzt schon sehr hoch: Diego bezieht aktuell rund dreieinhalb Millionen Euro jährlich.

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