Sport : Werder dreht das Spiel in zehn Minuten

Nach einem 0:2-Rückstand siegen die Bremer gegen den FSV Mainz 05 noch mit 4:2

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Eine bessere Einstimmung für die traditionelle Grün-Weiße Nacht von Werder Bremen hätte es am gestrigen Samstag nicht geben können. Bevor sich 2000 Gäste im Bremer Kongresszentrum bis tief in die Nacht zum Sonntag vergnügten und im großen Saal zum Tanz auftraten, hatten Werders Profifußballer allerbeste Unterhaltung geboten. Beim 4:2 (3:2) gegen den FSV Mainz 05 offerierte der Gastgeber den 37 717 Zuschauer im Weserstadion eine der aufregendsten Halbzeiten dieser bislang nicht unbedingt sonderlich niveauvollen Bundesliga-Saison. „Nach einem schlechten Start haben wir noch ein richtig gutes Spiel gemacht“, sagte Thomas Schaaf, ehe der Bremer Trainer seinen grauen Kapuzenpullover gegen den dunklen Klub-Anzug tauschte.

Ohne jede Partygelüste verließ der Verlierer die Hansestadt. Grund: Torwart und Kapitän Dimo Wache, gerade erst von einer Meniskusoperation genesen, verletzte sich bereits in der elften Minute bei einem Luftkampf schwer am Knie. „Es hat geknallt: Ich habe das Gefühl, alles ist kaputt“, erklärte Wache, bei dem Verdacht auf Innenband- und Kreuzbandriss besteht. „Die Niederlage ist nicht unser größtes Problem, sondern diese Verletzung“, sagte Trainer Jürgen Klopp, wenn auch Waches Stellvertreter Christian Wetklo großes Vertrauen genießt.

Dabei hatte das Duell für die Mainzer so gut begonnen: Keine 17 Sekunden dauerte es, da hatte Mohamed Zidan, der von Bremen nach Mainz ausgeliehene Ägypter, die Gäste in Führung geschossen. „Wenn er sich weiter gut benimmt, wird er im Sommer wieder für uns spielen“, sagte Sportdirektor Klaus Allofs, der durchaus registrierte, dass der von Klopp gebändigte Freigeist Zidan gar nicht wusste, ob er sich denn über den Treffer gegen seinen alten Arbeitgeber freuen sollte. „Das war ein ganz komisches Spiel für mich“, sagte der Ägypter. Doch für die Mainzer sollte es noch besser kommen: Als Otto Addo den überforderten Belgier Jelle van Damme aussteigen ließ und Niclas Weiland die Vorlage verwertete, führten sie nach einer Viertelstunde gar 2:0.

„Wir haben die ersten 20 Minuten verschlafen“, gab Torsten Frings später zu. Wach wurde Werder erst durch zwei Dinge: Zum einen nahm Schaaf den schlafmützigen Verteidiger Naldo für Daniel Jensen vom Feld, beorderte Frank Baumann in die Abwehr und Frings als Antreiber davor. Zum anderen zog sich der Mainzer Nikolce Noveski so schwere Platzwunden an Kinn und Auge zu, dass der Mazedonier mehr als zehn Minuten lang hinter dem Tor genäht wurde. „Hätte ich gewusst, dass das so lange dauert, hätte ich gewechselt“, räumte Klopp später ein. „Bis dahin hatten wir Bremen doch im Griff“, befand Manager Christian Heidel. In Unterzahl kassierten die Mainzer in der 39. Minute das Anschlusstor durch Nelson Valdez. Noveski kehrte zwar aufs Feld zurück, „aber wir haben nie wieder zu unserem Spiel zurückgefunden“, stellte Manuel Friedrich ernüchtert fest. Wie im Schockzustand sahen die Mainzer zu, wie Johan Micoud und Ivan Klasnic in der fünfminütigen Nachspielzeit das Spiel noch vor der Pause drehten. „Da haben wir unsere Qualitäten gezeigt“, sagte Frings, „die Tore waren eine Frage der Zeit.“

Von diesem Rückschlag sollten sich die Mainzer nicht mehr erholen; das 4:2 durch den starken Valdez war die logische Folge. Am Ende erkannte der Außenseiter die Bremer Übermacht an. „Weil sich Bremen in den normalen Angriffsrausch gespielt hat, ist der Sieg klar verdient“, resümierte Klopp. Werder-Sportdirektor Allofs war trotzdem nicht ganz zufrieden. „Gegen Mainz kann man solche Nachlässigkeiten noch wettmachen – gegen Bayern oder Juve funktioniert das nicht.“ Allofs vermisst bis heute eine Verbissenheit, „keine Chance und kein Gegentor zuzulassen“. Vielleicht ist es auch gut so, dass Werder sich diese Eigenschaft noch nicht angeeignet hat: Für den Bremer Vereinsball sind nämlich Spiele wie gestern außerordentlich stimmungsfördernd.

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