Werder empfängt Hertha : Die Spitzenverteidiger aus Berlin

Nach Schalke 04 hat Hertha BSC die beste Abwehr in der Bundesliga. Am Sonnabend treten die auswärtsstarken Berliner bei den kriselnden Bremern an.

Claus Vetter
Hertha BSC Berlin - Hannover 96
Immer am Mann. Herthas Verteidiger Stein bedrängt Hannovers Krebs.Foto: dpa

Wenn Lucien Favre darauf angesprochen wird, was ihm an seiner Mannschaft besonders gefällt, dann muss der Trainer von Hertha BSC nicht lange überlegen. Besonders an der Abwehrarbeit seiner Spieler hat der Trainer aus der Schweiz wenig auszusetzen. Die Null stand bei Hertha BSC in dieser Saison schon fünf Mal als frustrierender Arbeitsnachweis für gegnerische Mannschaften am Spielende auf der Anzeigetafel. Zehn Gegentore haben die Berliner erst geschluckt, nur Schalke 04 hat da einen besseren Wert vorzuweisen.

Tore gegen Hertha zu erzielen, wird immer schwerer seit dem Amtsantritt von Favre. In der letzten Saison vor dem Schweizer hatten die Berliner noch 55 Treffer kassiert, vergangene Spielzeit waren es unter Favre bereits elf weniger. Schon in seiner Heimat hatte der Schweizer mit dem FC Zürich 2006/2007 die wenigsten Gegentreffer aller Teams hinnehmen müssen. Favre ist ein Trainer, der auf Ordnung in der eigenen Hälfte setzt. Dabei hat er bei Hertha auch schon herumprobiert, Dreierkette oder Viererkette: Zuletzt blieb er letzterer Variante treu. Sofia Chahed und Marc Stein außen, Arne Friedrich und zuletzt mit Kaka für den verletzten Josip Simunic – das funktionierte blendend. Das Verständnis sei eben da, sagt Mannschaftskapitän Arne Friedrich. „Wir stehen sehr kompakt und lassen wenig zu.“ Natürlich dürfe nicht übersehen werden, dass die Defensivarbeit vor dem eigenen Strafraum beginne.

Hertha hat in fünf von zehn Spielen kein Gegentor kassiert

Tatsächlich hat Hertha einem Gojko Kacar da wohl auch sehr viel zu verdanken, der Serbe grätscht schon mal den einen oder anderen Ball weg. So kommen gegnerische Offensivbemühungen auch oft nicht zur Entfaltung. Dazu kommt, dass Hertha von allen Mannschaften einige der niedrigsten Fehlpassquoten der Liga hat. Fehler im Spielaufbau gibt es relativ selten - ein großer Fortschritt bei den Berlinern in dieser Saison. Und im Tor steht mit Jaroslav Drobny ein ehrgeiziger Vertreter, der allerdings sagt: „Es ist ja schön, dass wir so oft ohne Gegentor bleiben. Aber zum Beispiel beim 3:0 gegen Hannover haben wir auch großes Glück gehabt, dass die nicht getroffen haben.“

Dieter Hoeneß glaubt nicht, dass der Glücksfaktor bei Hertha eine große Rolle spielt. Der Manager findet, dass das Team insgesamt reifer geworden ist. „Besonders Arne Friedrich ist zu einer Führungspersönlichkeit geworden“, sagt er. Es habe lange gedauert, „aber Arne hat sich sehr entwickelt“. Auf Dauer sieht er auch einen Kacar stark genug für die Rolle des Anführers. „Aber du brauchst nicht viele Häuptlinge, wenn du einen guten hast.“ Was die Abwehrabteilung angeht, haben die Berliner also ihren Anführer – im Sturm gibt es mit Marko Pantelic und Andrej Woronin nun mindestens zwei Profis, die um die Führungsrolle streiten.

Das 3:0 gegen Hannover war der höchste Saisonsieg unter Favre

Hertha kann es egal sein, wenn die Tore weiter so fallen wie gegen Hannover. Das 3:0 gegen die Niedersachsen war der höchste Bundesligasieg unter Favre. „Das macht mich stolz“, sagt der Trainer. Was spricht dafür, dass Favre auch am Sonnabendabend nach dem Auftritt bei den angeschlagen Bremern (Beginn 15.30 Uhr) stolz ist? Werder hat immerhin schon 22 Gegentore auf dem Konto, als Tabellenzehnter rangiert der Champions-League-Teilnehmer fünf Plätze schlechter als die Berliner.

Natürlich hat Bremen „eine gute Mannschaft“, wie Favre sagt, aber auch ein Team, in dem wie zuletzt bei der 0:2-Niederlage gegen Bayer Leverkusen wenig funktioniert. „Wir sind nicht gut genug, um unsere hohen Ziele auf realistische Weise zu erreichen“, sagt Werders Manager Klaus Allofs. Es müsse endlich mal ein Sieg her. Was für die Bremer spricht, ist ihre Offensive, 23 Treffer haben sie bereits erzielt. Es könnte also im Weserstadion ein wütendes Anrennen auf das Berliner Tor geben – aber das haben auch schon Leverkusen ohne (0:1 gegen Hertha) und Dortmund mit mäßigem Erfolg (1:1) gegen Hertha hinter sich. Auswärts haben die Berliner bislang nur gegen Bayern München verloren. Zudem kann Josip Simunic nach überstandener Oberschenkelverletzung in Bremen wohl wieder spielen – Herthas Innenverteidigung sollte noch stabiler sein.

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