Sport : Werder ist wieder Werder Die Bremer schlagen Freiburg 5:3

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Thomas Schaaf freute sich. Wer den Trainer des SV Werder kennt, der weiß, dass das höchst selten in ausschweifenden Jubelarien ausartet. Nach dem 5:3-Sieg seines Teams über den SC Freiburg freute sich Schaaf zunächst einmal für die Bremer Anhänger: „Das ist doch toll für die Fans, dass sie solch ein Spektakel geboten bekommen.“ Dann machte er eine kleine Pause, schnaufte einmal kurz durch und sagte: „Für mich hätte es schon ein bisschen ruhiger und klarer laufen können.“ Seine persönliche Freude hielt sich in Grenzen. Er hatte fünf Treffer seines Teams gesehen, aber auch viel, was ihm so gar nicht gefallen wollte: „Wir haben es uns selbst schwer gemacht. Ich habe mich lange Zeit ärgern müssen.“

Dabei begann Werder fast wie Werder in früheren Zeiten, zielstrebig und kombinationssicher. Die Bremer wollten ein schnelles Tor – und bekamen ein schnelles Gegentor. Weil zu Werders Hurra-Fußball fast immer auch eine löchrige Abwehr gehört. Daran hat sich nichts geändert. Nachdem die Bremer mit dem zurückgekehrten Topstürmer Claudio Pizarro in den ersten Minuten vorne stark aufspielten, gerieten sie hinten in Schwierigkeiten. Bremens Zugang Lukas Schmitz leistete allenfalls freundlichen Begleitschutz, als Johannes Flum zur Flanke ansetzte. Und in Werders Innenverteidigung wusste der eine nicht, was der andere tat. Papiss Demba Cissé drückte den Ball unbedrängt aus wenigen Metern über die Linie.

„Die Gegentore haben richtig wehgetan“, sagte Werders Clemens Fritz. Und Kollege Marko Marin stellte fest: „Wir haben ziemlich risikoreich gespielt und hatten dadurch hinten große Lücken.“ Der Trainer bemerkte, dass Werder die Balance zwischen Offensive und Defensive noch nicht gefunden habe. Das ist allerdings nicht gerade ein neues Problem.

Aber wenigstens schießen sie wieder Tore – im Gegensatz zur verkorksten vergangenen Saison. Clemens Fritz erinnerte sich offenbar daran, dass er seine Karriere als Stürmer begonnen hatte und köpfte nach einer halben Stunde in Mittelstürmermanier den 1:1-Ausgleich. Kurze Zeit später schlug Claudio Pizarro zu. Er degradierte Freiburgs Abwehrchef Oliver Barth zum Statisten und schob überlegt ins lange Eck ein. Die Rückkehr des Peruaners tut Werder gut. „Mit Claudio haben wir gleich eine andere Präsenz“, sagte Marko Marin.

Doch dann passierte erneut genau das, was man von Werder kennt. Dem sehenswerten Sturmlauf folgten üble Fehler in der Abwehr. Schmitz ließ diesmal Daniel Caligiuri flanken, wieder stand Cissé ganz allein vor dem Werder-Tor und erzielte drei Minuten nach der Halbzeitpause den Ausgleich.

Zu diesem Zeitpunkt auf einen Sieger zu wetten, wäre ein riskantes Unterfangen gewesen. Werder schaffte die erneute Führung durch den eingewechselten Marko Arnautovic. Aber weil die Kollegen hinten noch einmal in den kollektiven Tiefschlaf fielen, durfte Stefan Reisinger den Ausgleich für die Freiburger erzielen. Verdient, wie SC-Trainer Marcus Sorg fand: „Wir wollten mutig spielen, und das ist uns auch über weite Strecken gelungen.“ Aber der neue Trainer der Breisgauer wusste auch, „dass du in der Schlussphase gegen Werder immer noch einen Treffer kassieren kannst“. Es wurden schließlich zwei. Aaron Hunt verwandelte einen Foulelfmeter und in der Nachspielzeit traf Wesley nach einem Konter zum 5:3-Endstand. „Man hat gesehen, dass man bis zur letzten Minute mit uns rechnen kann“, sagte Thomas Schaaf. Und darüber freute er sich nun auch ganz persönlich.

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