Sport : Werder jubelt nicht

Die Bremer erkämpfen sich ein 1:1 in Enschede, Torhüter Tim Wiese verletzt sich am Knie

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Einer gegen zwei. Claudio Pizarro (l.) war der beste Bremer in Enschede. Foto: dpa
Einer gegen zwei. Claudio Pizarro (l.) war der beste Bremer in Enschede. Foto: dpaFoto: dpa

Noch nie war eine Dienstreise in der Champions League so kurz für den SV Werder Bremen wie die 214 Kilometer lange Bustour in das grenznahe Enschede. Noch aber sind die Hanseaten nach drei Spieltagen in der Königsklasse weit weg vom Erreichen des Achtelfinales. Nach einer starken kämpferischen Leistung reichte es aber immerhin zu einem 1:1 (0:0) beim FC Twente, den in der Ehrendivision noch ungeschlagenen Niederländischen Meister. Den Führungstreffer von Theo Janssen eine Viertelstunde vor Schluss glich mit Marko Arnautovic ausgerechnet der im Twente-Talentschuppen ausgebildete österreichische Kraftprotz aus, dessen Einwechslung mit wüsten Pfiffen begleitet worden war. Im wenig ansehnlichen deutsch-niederländischen Duell schied Nationaltorwart Tim Wiese mit einer Knieverletzung nach 35 Minuten aus.

Für Wiese feierte der erst 21-jährige Sebastian Mielitz sein Debüt und muss womöglich Wiese auch länger vertreten, da der eigentliche Vertreter Christian Vander sich wegen einer Schambeinentzündung seit Monaten auch schon im Krankenstand befindet. Mielitz, so viel vorweg, traf am Twente-Tor keine Schuld, er musste sich in dieser Szene erst im Nachschuss geschlagen geben. Es passte zum irgendwie kuriosen Spielverlauf, dass schließlich Mielitz gegen den frei vor ihm auftauchenden Janssen das wichtige Remis rettete.

Thomas Schaaf hatte abermals Taktik und Personal getauscht – der 49-jährige Cheftrainer ist in seiner zwölften Saison ein Suchender wie nie zuvor. Der Rochade fielen diesmal Dribbelkünstler Marko Marin und Marko Arnautovic zum Opfer – der in Enschede ausgebildete Österreicher drückte an diesem kühlen Abend nur einen der roten Stühle der Reservisten. Es war die Symbolik, dass Werder im Studentenviertel von Enschede, wo sich das Stadion befindet, nicht auf Sturm und Drang, sondern Zurückhaltung und Abgeklärtheit setzte. Selbst der wiedergenesene Stürmer Claudio Pizarro half mehr hinten aus, als dass der Peruaner vorne zu finden war.

Logische Folgeerscheinung: Bis auf eine gute Möglichkeit von Hugo Almeida (32.) brachten die Bremer in der Offensive kaum etwas zustande, da sich auch immer wieder Ballverluste einschlichen. Immerhin brannte auch in der Defensive wenig an, obwohl Vorstandsboss Klaus Allofs den grün-weißen Protagonisten ja die Fähigkeit abspricht, torlose Resultate zu bewerkstelligen, „das können wir gar nicht.“ Diese Grundausrichtung war aber spätestens notwendig, als wie erwähnt Wiese das Feld im „De Grolsch Veste“ räumen musste. Denn Mielitz konnte seine Nervosität nie verbergen: Gleich den ersten Schuss von Marc Janko ließ der Ersatzmann vom Ersatzmann abklatschen, bei Flanken versuchte er erst gar nicht, den glatten Ball zu fangen, was mitunter ulkig aussah.

In der zweiten Halbzeit bemühte sich das Schaaf-Team um mehr Spielkontrolle, was aber immer wieder durch unpräzise Flanken und Zuspiele behindert wurde – vor allem Wesley und Aaron Hunt waren zu keinem Zeitpunkt die geforderten Strategen. Auch die Hereinnahme von Arnautovic für den schwachen Almeida verhieß wenig Besserung. Zumal der Österreicher nach 73 Minuten die beste Chance verschluderte: Bei einem erstklassigen Zuspiel von Hunt brachte Arnautovic die Kugel nicht unter Kontrolle. Doch ausgerechnet Arnautovic war es dann, der ein feines Zuspiel von Pizarro im zweiten Versuch mit Vehemenz ins Tor trat. Dass er den Torjubel verweigerte, verriet zudem, dass es sich um einen ganz besonders wertvollen Treffer für ihn handelte.

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