Sport : Werder schaut zu

Bremen ist beim 0:3 in Tottenham chancenlos und scheidet aus dem Europapokal aus

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Weit, weit weg. Werders Sandro Wagner hält Abstand zu Wilson Palacios. Foto: AFP
Weit, weit weg. Werders Sandro Wagner hält Abstand zu Wilson Palacios. Foto: AFPFoto: AFP

Die gute Nachricht ließ sich so zusammenfassen: Werder Bremen musste an der Londoner White Hart Lane am Mittwochabend nur drei Tore hinnehmen. Die 0:3 (0:2)-Niederlage bei Tottenham Hotspur bedeutete trotzdem das vorzeitige Ausscheiden aus der Champions League für die Bremer, die nach dem fünften Spieltag als Gruppenletzter feststehen und damit auch die Europa League nicht mehr erreichen können. Dass die Bremer lediglich drei Tore kassierten, war noch das Beste an der deprimierend einseitigen Partie.

Den tückischen Feierabendverkehr im Nordosten der britischen Hauptstadt hatte die norddeutsche Reisegruppe wohl nicht eingeplant, der Mannschaftsbus kam erst eine halbe Stunde vor Spielbeginn an. Eigentlich hätte man anstatt des grünen Gefährts bequem auch drei schwarze Londoner Taxis nehmen können: Bremen fehlte wegen Verletzungen eine halbe Mannschaft. Kurzfristig erwischte es mit Hugo Almeida noch einen elften Spieler: Der Stürmer hatte sich am Spieltag eine Oberschenkelzerrung eingefangen. Für ihn stand Sandro Wagner auf dem Platz. Mit Felix Kroos, 19, und Dominik Schmidt, 23, standen außerdem notgedrungen zwei Amateure in der Startformation. Bei Tottenham fiel der ehemalige Hamburger Rafael van der Vaart wegen einer Knöchelverletzung aus.

Es dauerte nicht lange, bevor den schlechten Vorzeichen böse Gewissheiten folgten. Einer vom walisischen Wunderknaben Gareth Bale herausgespielten Ecke schloss sich eine weitere an, Aaron Lennon kam danach am rechten Flügel an den Ball und wurde von Daniel Jensen netterweise in den Strafraum durchgewunken. In der Mitte standen vier Werderaner und übten sich in der Kunst des „ball watching“, wie man solche elementaren Versäumnisse auf der Insel nennt: Sie orientierten sich allesamt am Spielgerät, anstatt Younes Kaboul zu bedrängen. Der Franzose knallte Lennons halbhohe Flanke locker unter die Latte. Gerade sechs Minuten waren da gespielt.

Thomas Schaafs Männern war zugute zu halten, dass sie sich nicht gänzlich ihr Schicksal fügten. Vor allem Marko Marin hielt dagegen, mehr als ein paar verunglückte Schüsse brachten die Gäste trotz reichlich Ballbesitz aber nicht zustande. Spurs-Keeper Heurelho Gomes musste keinen einzigen Ball halten. Der Brasilianer konnte es sich wie seine Vordermänner in der eigenen Überlegenheit gemütlich machen.

Von den Grünen kamen aber auch einige zwingende Aktionen – von den grünen Schuhen Bales, um genau zu sein. Der 21-Jährige rauschte immer wieder an Clemens Fritz vorbei und fand mit seinen scharfen Flanken oft sein Ziel. Zum Glück für Werder hatte der englische Nationalstürmer Peter Crouch mit der Ballverarbeitung mehr Probleme als mit seinem Gegenspieler Per Mertesacker. Die erste Hälfte schien fast schon überstanden, als Roman Pawljutschenko im Strafraum einen Kopfball gegen den Bremer Kapitän gewann. Kollege Sebastian Prödl wurde von Luka Modric einfachst düpiert, Tim Wiese konnte nur zusehen, wie der Kroate aus kurzer Distanz das Netz fand.

Auch nach der Pause tat Tottenham nur das Nötigste gegen die furchtbar harmlosen Bremer, das reichte bei weitem. Kroos bot Modric zehn Minuten nach Wiederanpfiff im Sechzehnmeterraum sein ausgestrecktes Bein an, der Spurs-Spielmacher nahm die Einladung dankend an, fiel hin und bekam den Elfmeter. Wiese bewies immerhin Champions-League-Niveau: Er parierte Bales Strafstoß gekonnt und konnte wenig später auch noch gegen Jermaine Defoe klären, bevor Crouch auf 3:0 erhöhte. Dann war die Tortur vorbei. „Thomas Schaaf, du bist der beste Mann“, sangen die mitgereisten Werder-Fans. Ob dass der Klub-Vorstand auch so sieht, dürfte langsam fraglich sein.

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