Sport : Werder siegt, weil Wiese hält

Der Bremer Torwart pariert zwei Elfmeter beim 3:0-Sieg im Uefa-Cup-Spiel gegen SC Braga

Ist es das neue violette Torwarttrikot? Oder der Vorsatz des Familienvaters, gewisse Dinge im neuen Jahr etwas anders zu machen? Auf jeden Fall trug Tim Wiese gestern ein Großteil dazu bei, dass Werder Bremen die Zwischenrunde im Uefa-Cup überstehen sollte. Beim 3:0 (2:0)-Heimsieg gegen den portugiesischen Vertreter SC Braga brachte der 26-jährige Torwart das Kunststück fertig, drei Tage nach seiner Strafstoßparade im Spitzenspiel beim FC Bayern München gleich zwei Elfmeter zu parieren. Wiese ist es also hauptsächlich zu verdanken, dass die Norddeutschen nach Toren von Naldo, Daniel Jensen und Hugo Almeida nun dem Rückspiel im Estadio Municipal de Braga nächsten Donnerstag recht gelassen entgegen sehen können. Kein Wunder, dass die Fans inbrünstig „Wiese-für-Deutschland“ forderten. Ein Thema, dass der Torwart aber eingedenk der Nicht-Berücksichtigung im vergangenen Jahr nach eigener Aussage „abgehakt“ hat.

Wieses Taten sind umso erstaunlicher, da der selbstbewusste Rheinländer bislang an der Weser nicht gerade als Elfmeterkiller aufgefallen war. Vor dem Bayern-Spiel hatte der Keeper zehn Strafstöße nicht gehalten – nun entschärfte er gleich drei Strafstöße binnen vier Tagen. Beide gestrigen Elfmeter waren im Gegensatz zu dem von Luca Toni bestens geschossen: Beim ersten scheiterte Roland Linz mit einem scharfen Rechtsschuss, nachdem der Österreicher den Pfiff des griechischen Referees Georgios Kasnaferis mit einem Einfädeln gegen Frank Baumann geschickt provoziert hatte. Beim zweiten faustete Wiese den hart getretenen Ball aus seiner linken Ecke, diesmal gegen Jorginho (36.), nachdem er selbst gegen Matheus regelwidrig zu Werke gegangen sein soll. Eine umstrittene Entscheidung: Zuvor war Matheus an Wiese gescheitert und hatte kurioserweise auf dem Bremer Torhüter gelegen, als der Elfmeterpfiff ertönte.

Unstrittig war, dass sich Werder den Sieg mit den größeren Spielanteilen und den zwingenderen Chancen verdiente. Bereits nach vier Minuten bejubelten die 25 690 im Weserstadion das 1:0 durch Naldo, dessen Freistoß-Aufsetzer aus 28 Meter in die Maschen rauschte. Bragas Tormann Paulo Santos schien noch nie etwas von den Schussqualitäten des brasilianischen Abwehrrecken gehört zu haben; seine Reaktion erfolgte reichlich spät. Machtlos war Santos, als Daniel Jensen nach Flanke von Hugo Almeida freistehend das 2:0 erzielte.

Sein erstes Pflichtspiel über 90 Minuten seit dem 19. Mai vergangenen Jahres bestritt Patrick Owomoyela, der den verletzten Petri Pasanen ersetzte, aber auf die Position des linken Verteidigers rückte, weil zugleich Clemens Fritz auf der rechten Seite ein passables Comeback gab. Trainer Thomas Schaaf hatte eine weitere Überraschung parat: Für den zuletzt pomadigen Tim Borowski spielte der agilere Aaron Hunt. Nach 74 Minuten nahm Schaaf sogar Regisseur Diego vom Feld nahm und verhalf Neuzugang Mesut Özil zum Heimdebüt. Die Bremer konnten sich die Rochaden auch deshalb leisten, weil sich Braga nicht wirklich als Gegner auf Augenhöhe erwies. Hugo Almeida gelang per Handelfmeter mit dem 3:0 in der Nachspielzeit noch eine echte Vorentscheidung.

Am Samstag trifft Werder auf den 1. FC Nürnberg. Das Team des neuen Trainers Thomas von Heesen tritt erst heute bei Benfica Lissabon an. Den Franken bleiben anschließend keine 40 Stunden Vorbereitungszeit, um sich in Bremen besser zu präsentieren als Braga.

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