Sport : Werder steht sich im Weg

1:2 gegen Frankfurt: Bremen ohne Titelchance

Frank Hellmann[Bremen]

Clemens Fritz? Schlug die Hände vors Gesicht und sank niedergeschlagen auf den regengetränkten Rasen. Tim Wiese? Schüttelte nur den Kopf und starrte fassungslos in die Wolken. Thomas Schaaf? Verzog keine Miene und stapfte apathisch in die Katakomben des Weserstadions. Die Reaktionen von Spielern und Trainer von Werder Bremen unmittelbar nach dem Schlusspfiff von Schiedsrichter Markus Merk taugten gestern Nachmittag vortrefflich, um die Stimmungslage zu beschreiben. Bremen am Boden, Bremen bedröppelt: Zum wiederholten Male stand sich Werder in der Rückrunde selbst im Wege und kassierte gegen Eintracht Frankfurt eine 1:2 (1:1)- Niederlage, die den Hanseaten alle Chancen auf die Meisterschaft raubte.

„Wir haben uns in der zweiten Halbserie zu viele Aussetzer erlaubt“, konstatierte Sportchef Klaus Allofs enttäuscht, „dann reicht es halt nicht, um Deutscher Meister zu werden.“ Man müsse das Team jetzt nicht „auf die Couch legen“, doch Trainer Thomas Schaaf wird immense Aufbauarbeit leisten müssen: Seine Elf wirkte zu keiner Minute dem Druck gewachsen. Erst nach dem Auslaufen waren die Protagonisten zu dürren Stellungnahmen fähig. Kapitän Frank Baumann fiel nichts besseres ein, als auf den Kräfteverschleiß durch den Uefa-Cup zu verweisen. „Uns fehlt die Frische und die Spritzigkeit – das ist das Hauptproblem.“ Doch eingedenk des konfusen, bisweilen gar kopflosen Auftritts gegen die gut organisierten Hessen, die sich mit dem frenetisch bejubelten Erfolg aller Abstiegssorgen entledigten, waren solche Erklärungen fehl am Platze. Wenigstens die Wortführer redeten Tacheles. „Wir waren in der Rückrunde nicht so dominant wie erhofft: Eigentlich haben wir uns nur rumgeschleppt“, sagte Miroslav Klose. Und Torsten Frings mäkelte: „Ich habe in der Winterpause noch gesagt, wir können uns leider nur selber schlagen. Leider ist es so gekommen.“

Die Partie hatte aus Bremer Sicht bereits denkbar schlecht begonnen: Nach 13 Minuten verschätzte sich Petri Pasanen bei einem langen Schlag von Patrick Ochs, Ioannis Amanatidis erzielte gekonnt die verdiente Frankfurter Führung. Denn die Hessen waren das taktisch flexiblere und läuferisch stärkere Team, das mit schnellen Kontern die merkwürdig lethargischen Gastgeber in Verlegenheit stürzte. Zwar glückte Aaron Hunt in seiner einzigen guten Szene der Ausgleich (34. Spielminute). Doch wer gedacht hätte, Werder würde nach der Pause einen Sturmlauf entfachen, der irrte: Diego fand im verdichteten Mittelfeld nie eine Lücke, Hunt und Frings agierten gehemmt, im Sturm war Klose einmal mehr ein Totalausfall. So kam, was kommen musste: Bei einem Konter flankte Albert Streit zu Michael Fink, dessen Ballannahme missriet, doch weil sich auch Torwart Tim Wiese verschätzte, gab Fink den Ball in die Mitte, wo der bis dahin fehlerlose Bremer Innenverteidiger Naldo einen missglückten Rettungsversuch fabrizierte. Ein Eigentor gut 20 Spielminuten vor Schluss, das als Symbolszene taugte und kollektiven Bremer Schockzustand auslöste. „Wir haben nie zu unserem Spiel gefunden und keinen Druck aufgebaut“, sagte Schaaf. „Die Leistung entsprach nicht dem, was die Mannschaft in der Woche vorbereitet hat.“ Außer diesen Worten sah der Trainer von Strafmaßnahmen ab – bis Dienstag ist bei Werder trainingsfrei.

Auch in Frankfurt wird die nächsten Tage nur noch reduziert trainiert. „Von einem Sieg in Bremen konnte man nicht unbedingt ausgehen“, sagte Trainer Friedhelm Funkel, „jetzt darf ruhig ein bisschen gefeiert werden.“

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