Sport : Werder überspielt sich

Bremen wirkt nach zwei schweren Niederlagen in Folge durcheinander, gibt sich aber nach außen kämpferisch

Oliver Trust[Stuttgart]

Am Tag danach bemühte man sich bei Werder Bremen um Normalität. Pflege für die Stammspieler und leichtes Training für die Reservisten – so wie immer nach einem Spiel in der Fußball-Bundesliga. „Wir werden weiter unseren Weg gehen, wir haben diese Saison noch einiges vor“, sagte Werder-Trainer Thomas Schaaf. „Wir legen uns nicht hin und geben auf.“ Es gilt eben Grundsätzliches klar zu stellen in Bremen, wo bei zwei Niederlagen in Folge einiges durcheinander geraten ist. Innerhalb von einer Woche könnte vieles verspielt worden sein. Im Uefa-Cup mit dem 0:2 bei den Glasgow Rangers, in der Meisterschaft mit einem 3:6 beim VfB Stuttgart. Tabellenführer Bayern München hat jetzt sieben Punkte Vorsprung auf Werder. Und es ist schon eine Weile her, dass die Bremer einmal sechs Gegentore in einem Spiel hinnehmen mussten. Das letzte Mal hätte man sie nach einer Alkoholkontrolle noch auf dem Rasen für arbeitsunfähig erklären können. Es war im Mai 2004, als das Team 2:6 gegen Bayer Leverkusen verlor, weil die Meisterschaft bereits feststand.

Diesmal waren die Gefühle und Empfindungen andere. Per Mertesacker fehlten die Worte. Restlos bedient lag er auf der Behandlungsbank. Am Tag zuvor hatte er sich in der 89. Minute das Trikot über den Kopf gezogen und war nach dem ersten Platzverweis seiner Karriere wortlos davon marschiert. Er stammelte etwas vom „untersten Tiefpunkt“ und davon, „dass ich nichts sagen kann“. Viele waren sprachlos.

Manager Klaus Allfos hatte im ersten Frust schon einiges an Bremer Gedankenspielen vorgeliefert. Nach sechs Gegentoren verbot er sich, weiterhin von der Meisterschaft zu sprechen. Und: „So spielt keine Spitzenmannschaft. Wir haben uns auf des Gegners Platz auskontern lassen.“

Die Bremer hatten allerdings auf Spielmacher Diego und Mittelfeldarbeiter Frings verzichten müssen. Zumindest Diego könnte am Donnerstag zum Rückspiel gegen die Glasgow Rangers wieder fit sein, am Sonntag ist er zum letzten Mal in der Bundesliga gesperrt, wenn Werder zu Hause gegen den VfL Wolfsburg antritt. Auch Mertesacker wird nur im Uefa-Cup spielen dürfen, wo es die 0:2-Niederlage aufzuholen gilt.

Allofs wollte sich sofort nach der Rückkehr in die Heimat zusammen mit Trainer Schaaf an die Aufarbeitung der ernüchternden Niederlage machen. Da sieht vor allem Allofs dringenden Handlungsbedarf. Taktisch hatte sich die Mannschaft anfängerhaft verhalten. Ins Detail wollte der Manager bei seiner Analyse aber nicht gehen. „Wir haben Erklärungen, die sind nicht für die Öffentlichkeit bestimmt“, sagte er.

„Die“, sagte Klaus Allofs und meinte die Glasgow Rangers, „saßen wie die Stuttgarter in der Kabine und fragten sich, warum sie führen“. Jetzt muss Werder im Gegenzug die Frage beantworten, warum man zum zweiten Mal in dieser Woche ein überlegen gestaltetes Spiel aus der Hand gab.

Vieles, was auf die Bremer niederprasselte, ist nicht ganz einfach zu verstehen. Torwart Tim Wiese patzte diesmal, anders als beim 0:2 in Glasgow, nicht. Dafür war die Abwehr um Per Mertesacker selten so indisponiert wie in Stuttgart. Von den besten sechs Mannschaften in der Bundesliga haben die Bremer die meisten Gegentore kassiert – 34.

Schaaf hatte die Spielweise seines Teams „naiv“ genannt. „Ich habe in der Kabine nachgeschaut, ob der VfB heute ein Jubiläum feiert. Zu solchen Spielen lädt man Gegner wie uns ein, damit die Zuschauer Spaß haben“, sagte er. Manager Klaus Allofs brachte schließlich auf den Punkt, was noch wichtiger erscheint als das Weiterkommen gegen die Glasgow Rangers am Donnerstag: „Für uns geht es nun vor allem darum, den zweiten Platz und die Champions League zu sichern.“

Danach zog sich der Bremer Tross in den Teambus zurück, es war das Ende einer unerquicklichen Dienstreise. Draußen stand nur noch Werders Klubchef Jürgen L. Born und bat darum, „diese Woche doch zu streichen“. Vielleicht, so vermutete er, „waren in der Schlussphase doch einige platt. Wir wollen das aber nicht auf die Spielfrequenzen schieben und eine Entschuldigung suchen.“

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