Sport : Werder wankt, fällt aber nicht

Auch gegen starke Leverkusener gerät Bremen in Rückstand – und gewinnt dann doch noch 2:1

Frank Hellmann[Bremen]

Gedankenverloren schlenderte Rudi Völler gestern um 17.30 Uhr durch die Katakomben des Weserstadions. Der Sportdirektor von Bayer Leverkusen wusste noch nicht, ob er nun die gute Vorstellung seiner Mannschaft belobigen oder lieber das aus seiner Sicht fürchterliche Resultat beklagen sollte. 1:2 (1:1) hatte Leverkusen die unterhaltsame Bundesliga-Begegnung bei Werder Bremen verloren – und war doch über lange Zeit das bessere Team. Als Klaus Allofs den ratlosen Völler im Gang erspähte, trat Bremens Sportchef zu ihm, legte dem Kollegen den Arm über die Schulter, dann plauschten die zwei sichtlich entspannt über ein seltsames Spiel. „Ich habe ihm gesagt, dass er eine spielerisch hervorragende Mannschaft hat“, klärte Allofs später auf, „aber das war nicht als Trost, sondern als Anerkennung gemeint.“

Die Worte müssen geholfen haben. „Wir haben zwei tolle Bundesligaspiele gemacht – das zeigt, dass unsere hervorragende Rückrunde kein Zufall war“, sagte er. Kurzfristig könne er niemand einen Vorwurf machen, mittelfristig wolle man den Abstand zu den ersten Vier verkürzen und „da sind wir auf einem guten Weg“. Ein Umstand, der nicht so recht den Schmerz der Niederlage zu lindern vermochte. „Wir hatten die Partie doch schon im Sack“, sagte der frühere Bremer Simon Rolfes enttäuscht, „wir haben einen Titelfavoriten klar dominiert und verlieren doch – das ist bitter.“ Und der kurzfristig für den verletzten Bernd Schneider in die Anfangself gerückte Paul Freier sagte: „Wir sind von einer kaltschnäuzigen Mannschaft kalt erwischt worden.“

In der Tat schoss Werder durch den eingewechselten Hugo Almeida das Siegtor exakt in jener Phase, als Leverkusen das Spiel bestimmt und der starke Sergej Barbarez freistehend nur den Pfosten getroffen hatte. Der 22-jährige Portugiese, vom FC Porto ausgeliehen, nutzte zehn Minuten später eine Vorlage des Bremer Spielmachers Diego – wie schon in Hannover musste Almeida den Ball nur noch aus weniger als einem Meter Entfernung über die Linie drücken. „Was Almeida wirklich kann, wissen wir auch noch nicht so richtig“, sagte Allofs, „auf jeden Fall hat er einen Torriecher.“ Und Allofs hat mit der Verpflichtung des hünenhaften Leihstürmers offenbar auch wieder das richtige Näschen bewiesen.

Einen noch besseren Eindruck hinterließ Almeidas ehemaliger Klubkollege Diego, der neben einem abermals riesigen Laufpensum einige Szenen zu bieten hatte, die es in der Liga höchst selten zu bestaunen gibt. Etwa eine Hackenvorlage auf Miroslav Klose oder einen Fallrückzieher, bei dem sich der 21-jährige Brasilianer den Ball selbst vorlegte und den Leverkusens Torwart Hans-Jörg Butt nur mit Mühe parierte. Irgendwie logisch, dass Diego auch den Ausgleich von Miroslav Klose mit einer raffinierten Freistoß-Hereingabe vorbereitete. Zuvor hatte Paul Freier die Gäste mit einem berechtigten Foulelfmeter (Petri Pasanen grätschte Stefan Kießling um) in Führung gebracht.

Der Leverkusener Trainer Michael Skibbe glaubt nicht, dass das Bremen-Erlebnis nun nachhaltige Schäden anrichtet: „Wir werden mit so einem Spiel weiter wachsen.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben