Sport : Werders Lebensversicherung

Dank Spielmacher Diego zieht Bremen in die Champions League ein

Frank Hellmann[Zagreb]

Es war ein gehöriger Schreck, der Klaus Allofs da in die Glieder gefahren war. Passiert ja auch nicht alle Tage, dass eine gewaltige Armbanduhr geflogen kommt, die krachend gegen die schützende Plexiglasummantelung der Ersatzbank fliegt und ein faustgroßes Loch reißt. „Nicht auszudenken, wenn da was passiert“, sagte Allofs später. Schließlich saß der Sportchef von Werder Bremen im Maksimir-Stadion von Zagreb genau an der Stelle, wo die von einem Fan geworfene Uhr einschlug.

Doch am Ende hatten die Bremer gut lachen: Dank des 3:2-Erfolges bei Dinamo Zagreb am Mittwoch sind sie das vierte Male in Folge für die Champions League qualifiziert. Allofs wusste, bei wem er sich zu bedanken hatte: bei Spielmacher Diego. „Er hat sensationell gespielt“, sagte Allofs. Und Trainer Thomas Schaaf befand: „Diego hat viel von seinen Qualitäten gezeigt: Man kann ihm nur gratulieren.“

Der 1,74-Meter-Mann ist derzeit die Lebensversicherung eines gewiss nicht formvollendeten Ensembles. Der 22-Jährige verwandelte zwei Elfmeter nervenstark, holte einen selbst heraus und leitete das Tor von Boubacar Sanogo ein. So waren die Tore von Ognjen Vukojevic und Luka Modric (Foulelfmeter) für den Gastgeber letztlich wertlos.

In Abwesenheit verletzter Leistungsträger wie Torsten Frings, Tim Borowski und Clemens Fritz schwingt sich Diego zum Taktgeber auf. Seine Frühform ist erstaunlich, diente doch die Teilnahme im Sommer an der Copa America nicht als motivierende Maßnahme. Nach einer schlechten Halbzeit ließ ihn Nationaltrainer Carlos Dunga fallen. Zu Unrecht, wie Diego in Bremen beweist: Er ist als einziger immer anspielbar, immer unterwegs, immer präsent, immer gefährlich – er ist das brasilianische Perpetuum mobile einer morbiden Mannschaft. „Ihm gebe ich gerne den Ball“, sagt Nebenmann Daniel Jensen. Weil Diego das Spielgerät beherrscht und behauptet wie kein zweiter. Überragend seine Technik, unerreichbar seine Finesse. Allofs möchte sich „nur nicht ausmalen, wenn er uns mal fehlt“. Doch der Junge scheint – trotz der vielen Fouls gegen ihn – unverwüstlich.

Wie lange kann Werder einen wie Diego, vertraglich bis 2010 gebunden, halten? Der Einzug in die Champions League, sagt Allofs, sei letztlich das entscheidende Argument. Bei diesem Wettbewerb schaue ganz Europa und halb Brasilien hin – „da will er sich zeigen“. Fragt sich nur, in welchen Schuhen: Zur Auseinandersetzung zwischen Adidas und Nike zählt nämlich, dass Adidas kürzlich Diego mit einem lukrativen Exklusivvertrag köderte, obwohl Diego eigentlich bis 2011 an Nike gebunden war. Nike hat Diego erfolgreich verklagt – jede Zuwiderhandlung soll ihn künftig 50 000 Euro Konventionalstrafe kosten. Seit dem Rechtsstreit weiß man, was Diego verdient. 300 000 Euro. Im Monat. Doch die Rechtfertigung erübrigt sich nach Vorstellungen wie am Mittwochabend.

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