Sport : Wertvoller Wechsel

Handball-Torwart Bitter und sein Aufstieg in Magdeburg

Klaus Rocca

Berlin. Für seine 21 Jahre wirkt er schon erstaunlich abgeklärt, fast stoisch, wenn er zwischen den Pfosten steht. Kürzlich jedoch, beim Spiel in der Flensburger Campushalle, rannte er wütend aus seinem Tor, trat vehement gegen die Bande und zog sich damit den Zorn der einheimischen Zuschauer zu. „Da habe ich auf eine krasse Schiedsrichter-Fehlentscheidung reagiert“, sagt Johannes Bitter. „Manchmal gehen sie eben auch mit mir durch.“

Bitter ist Torwart beim Handball-Bundesligisten SC Magdeburg. Und auf dem besten Weg, einer der ganz Großen seines Fachs zu werden. „Er hat fast schon alles, was ein Klassetorhüter braucht“, sagt Bundestrainer Heiner Brand. „Im Moment sehe ich keinen Grund, über einen Torwartwechsel nachzudenken.“ Bis Athen baut er weiter auf Henning Fritz und Christian Ramota. „Irgendwann wird der Bundestrainer nicht an mir vorbeikommen“, sagt Bitter, und aus seinen Worten spricht eine gehörige Portion Selbstbewusstsein. Mit seinem Wechsel im Vorjahr vom Wilhelmshavener HV zum damaligen Champions-League-Sieger SC Magdeburg ist der 40-fache Junioren-Nationalspieler ins Rampenlicht gerückt.

Dabei gab es erhebliche Probleme, ehe Bitter aus seinem bis 2004 laufenden Vertrag aussteigen konnte. Beim Vertragsabschluss mit dem Wilhelmshavener HV war Bitter zugesagt worden, er könne den Verein verlassen, wenn er in Wilhelmshaven nicht so studieren könne, wie er wolle. Nur blieb es bei der mündlichen Zusage, schriftlich wurde nichts festgehalten. Als er dann in Magdeburg ein Management-Studium beginnen wollte und gleichzeitig ein Angebot vom SCM vorlag, kam es zum Eklat. Die Sache landete vor dem Arbeitsgericht, das den Vertrag für rechtsunwirksam erklärte. Schließlich einigten sich beide Klubs darauf, dass der Wilhelmshaven als Entschädigung 25 000 Euro erhielt. Bitter legte noch mal 5000 Euro drauf.

So viel war ihm der Wechsel wert. Und er hat sich ausgezahlt. Johannes Bitter hat erheblichen Anteil daran, dass Magdeburg derzeit in Champions League, Bundesliga und Pokal ganz oben mitspielt. Schon mit seinen 203 Zentimetern Körperlänge, womit er das Handballtor überragt, ist Bitter für die gegnerischen Angreifer Respekt einflößend. „Gegen ihn muss man auch anders werfen als gegen andere Bundesliga-Torhüter“, sagt Flensburg-Handewitts Däne Lars Christiansen, nachdem Bitter allein in der ersten Halbzeit des Champions-League-Spiels vier Siebenmeter gehalten hatte. Verhindern konnte er damit das Debakel beim 20:30 nicht. Am Sonntag (15.10 Uhr, live in der ARD) sind damit beim Halbfinal-Rückspiel die Chancen der Magdeburger äußerst gering. „Vielleicht zehn Prozent, eigentlich sind wir schon draußen“, sagt Bitter. Und Meister werde der SC Magdeburg auch nicht, „das schaffen wieder die Kieler“. Heiner Brand wird ihn dennoch im Visier behalten.

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