Wettbetrug : Kuriose Kurse

Fußballspiele mit ost- und südosteuropäischen Teams gelten schon lange als manipulationsanfällig. Das Duell Bezanija - Besa Kavaje soll verschoben worden sein. Die Uefa hat eine ominöse Liste mit verschobenen Spielen.

Frank Bachner

Berlin - Dirk Paulsen hatte damals schon einen Verdacht, Anfang Juli, als der estnische Fußballklub Tallinn im UI-Cup im Rückspiel zu Hause gegen das finnische Team Honka Espoo spielte und 2:4 verlor. Paulsen aus Berlin ist Profiwetter, seit 17 Jahren setzt er viel Geld auf Fußballspiele, an normalen Wochenenden in einer Saison kommen rund 100 000 Euro zusammen. Und bei diesem Spiel, sagt er, „waren die Kursentwicklungen absurd. Da haben wir nur noch gelacht.“ Absurde Kursentwicklungen, das sind Hinweise auf mögliche Manipulationen.

Tallinn gegen Espoo gehört zu den 26 Partien, die dem Europäischen Fußballverband (Uefa) wegen Manipulationsverdachts aufgefallen sind. Alle fanden in europäischen Wettbewerben statt. Transa Narva (Estland) gegen Helsingborg (Schweden) in der Uefa-Cup-Qualifikation zum Beispiel und Bezanija (Serbien) gegen Besa Kavaje (Albanien) im Uefa-Cup. Auch Makedonija Skopje (Mazedonien) gegen Tscherno More (Bulgarien) im UI-Cup soll verschoben worden sein. Dass vor allem finnische, ost- und südosteuropäische Teams im Verdacht stehen, wundert Paulsen nicht: „Man weiß, dass dort viel manipuliert wird. Deshalb spiele ich dort nicht mehr.“

Bei Tallinn gegen Espoo wurden bei den Kursen beide Teams zuerst als gleichstark eingeschätzt; Espoo hätte ein Unentschieden zum Weiterkommen gereicht. Aber plötzlich wurde viel Geld auf einen Sieg der Finnen gesetzt, der Kurs auf einen Sieg von Espoo sank von 2,5 auf 1,4. Und auf dem asiatischen Markt wurde es noch turbulenter. Gleich fünf Mal wurde das so genannte Handikap geändert, am Ende wurde viel Geld darauf gewettet, dass Espoo mit zwei Toren Unterschied gewinnt. Endergebnis: 4:2 für Espoo. „Das zeigte uns, dass wahrscheinlich manipuliert wurde“, sagt Christian Plenz, Paulsens Partner. Eine estnische Zeitung warf einem Verteidiger von Tallinn Arbeitsverweigerung vor, mehrere Wettanbieter offerierten nach den Turbulenzen das Spiel nicht mehr. Auch bei Trans Narva gegen Helsingborgs bemerkte Plenz „ungewöhnliche“ Kursentwicklungen, anders als bei den beiden weiteren Spielen, die noch im Gespräch sind.

Warnsignale für Plenz sind verlockend hohe Kurse, die der Spielstärke einer Mannschaft nicht entsprechen, „aber auch, wenn viel auf ein ungewöhnliches Ereignis gesetzt wird“. Vor dem Uefa-Cup-Spiel Athen gegen Tiflis gab es einen Kurs von 33:1 für die Konstellation: Tiflis führt zur Halbzeit, Athen gewinnt am Ende. Dann sackte der Kurs auf 4, Zeichen dafür, dass viel Geld auf diesen ungewöhnlichen Spielverlauf gesetzt wurde, vor allem aber dafür, dass er eintreten wird. Plenz: „Das war superauffällig.“ Resultat: Tiflis führte zur Halbzeit 1:0, Athen gewann das Spiel 5:2. Das war schon im Dezember 2004, damals ermittelte die Uefa auch, ohne Ergebnis.

Häufig sind solche seltsamen Kurse in der ersten oder zweiten UI-Cup-Runde, wenn Teams von eher unbedeutenden Verbänden spielen. „Die haben kaum eine Chance, in den Uefa-Cup zu kommen. Die verlieren freiwillig oder einigen sich mit dem Gegner“, meint Paulsen. Er vermutet, dass Spieler einer Außenseitermannschaft sogar selbst auf ihren Gegner wetten. Hinter dem Ganzen wird die asiatische Wettmafia vermutet.

Am Sonntag machte Paulsen die nächste seltsame Beobachtung, diesmal aber in der Schweiz, bei Locarno gegen Chiasso. Der Kurs auf einen Sieg des Außenseiters Chiasso fiel von 6,0 auf 2,0. „Diese Kursentwicklung ist absurd“, sagt Paulsen. Chiasso siegte 5:1.

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