Sport : Wetten, dass ...?

Die Konkurrenz gratuliert Vettel schon vor dem Rennen in Singapur zum Titel

Karin Sturm[Singapur]
Noch ’ne Runde. Sebastian Vettel kann schon in Singapur seinen Weltmeistertitel verteidigen. Foto: dpa
Noch ’ne Runde. Sebastian Vettel kann schon in Singapur seinen Weltmeistertitel verteidigen. Foto: dpaFoto: dpa

Viele seiner Fahrerkollegen halten es für wahrscheinlich, dass Sebastian Vettel in Singapur schon den Weltmeistertitel holen wird – einer hat sogar darauf gewettet: Timo Glock. Der Formel-1-Pilot feuert deshalb seinen hessischen Landsmann schon kräftig an: „Ich hab’ Geld auf dich gesetzt, also jetzt streng’ dich auch an!“ Dabei grinste er den designierten Doppelweltmeister an. Welche Rennstrategie er verfolgt, will Vettel nicht verraten. Er weiß nur, dass „es dumm wäre, zu viel zu riskieren. Wir müssen cool bleiben, das ist das Allerwichtigste.“

Vettel selbst will sich jedenfalls außerhalb der Rennstrecke nicht hetzen lassen. Mag er sich auf ein Datum festlegen, wann es denn mit dem Titel so weit ist? „Ich wette grundsätzlich nicht!“ Ist ihm ein vorzeitiger Titelgewinn wirklich nicht wichtig? „Mir ist nur wichtig, dass es überhaupt passiert.“ Dementsprechend wird er auch das Nachtrennen in Singapur nicht anders angehen als alle anderen auch: „Wir wollen hier wieder den bestmöglichen Job machen und gewinnen.“ Wer hätte das gedacht?

Die Konkurrenz ist da schon weiter und übermittelt bereits vorzeitige Glückwünsche. Selbst Rivale Fernando Alonso, hinter Vettel wohl derzeit der Stärkste im Feld, stimmte eine Lobeshymne auf ihn an: „Sebastian fährt fantastisch, er hat dieses Jahr keine oder zumindest fast keine Fehler gemacht.“ Die Anerkennung des Spaniers immerhin rührte Vettel dann doch, Lob aus dem Munde des Rivalen, mit dem er sich gerade erst in Monza ein heißes Überholduell außen herum in der Curva Grande geliefert hatte, ist dem deutschen Star viel wert. „Fernando ist einer der Fahrer, die ich mit am meisten respektiere. Zu hören, dass man respektiert wird, bedeutet einem sehr viel.“

Hinter dem so hoch respektierten Vettel haben es die anderen deutschen Fahrer schwer. Sicher, vor allem Michael Schumacher und Nico Rosberg bekommen – auch in ihrer Rolle als Mercedes-Piloten – noch ein bisschen was vom PR-Kuchen ab. Aber die anderen? Da ist es schon eine gute Idee, wenn sich Timo Glock mit so etwas wie der Vettel-WM-Wette ein bisschen ins öffentliche Interesse schiebt. Denn so lange er mit dem chancenlosen Virgin unterwegs ist – und das wird auch im nächsten Jahr so sein – hat er kaum Aussichten, sich durch gute Ergebnisse ins Blickfeld zu rücken.

Zumindest aber hat Glock seinen Platz sicher; Adrian Sutil dagegen muss fürchten, nach dem bereits Ende August von Renault gegen Bruno Senna ausgewechselten Nick Heidfeld der nächste Deutsche zu sein, der sein Cockpit verliert. In Singapur klang er jedenfalls reichlich frustriert, was die eigene Zukunft angeht. „Ich muss einfach abwarten, wie sich Force India entscheidet – Gespräche mit anderen Teams gibt es nicht.“ Die Situation bei Force India ist verzwickt: Paul di Resta scheint für 2012 gesetzt. Die Entscheidung über den zweiten Fahrer wird zwischen Sutil und einem anderen Deutschen, dem talentierten Nico Hülkenberg, fallen.

Solche Sorgen hat Sebastian Vettel schon lange nicht mehr. Er ist in der bequemen Lage, sich an Wetten auf seinen Sieg zu stören.

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