Sport : Wetten ohne Gewinn

Vorwärts immer, rückwärts nimmer. Was in früheren Zeiten mal als Parole für den unaufhaltsamen Fortschritt des Sozialismus ausgegeben worden war, hilft noch heute dem einen oder anderen bei der Bewältigung von Krisen. Getreu dem Motto "Es wird schon irgendwie weitergehen!" lassen sich auch im Berliner Sport einige nicht davon abhalten, ihr Tun bar jeglicher wirtschaftlicher Vernunft weiterzutreiben. Das langsame Sterben des Eishockey-Vereins Berlin Capitals ist da nur ein schlechtes Beispiel von vielen.

Ob sich jemand trotz aller Rettungsversuche tatsächlich vorwärts oder doch eher rückwärts bewegt, ist immer auch eine Frage der Perspektive. Etwa bei der Trabrennbahn Karlshorst. Vor der Jahreswende noch aus der wirtschaftlichen Not des Berliner Trabrennvereins heraus abgewickelt und von den Fans des Pferdesports symbolisch zu Grabe getragen, ist die Bahn inzwischen wieder zu vollem Leben erblüht. Scheinbar jedenfalls. Mehr als 2000 Zuschauer kamen zum Saisonstart am Mittwochabend nach Karlshorst und wetteten fleißig. 130 000 Mark wurden am Ende in den Kassen gezählt. Das ist beachtlich für einen Renntag mitten in der Woche.

Und dennoch ist der Saisonauftakt in Karlshorst kein wirkliches Signal der Besserung. Denn das Kernproblem ist nicht gelöst. Die Unterhaltskosten für zwei Bahnen in Berlin sind zu hoch. Nur die Schließung einer Rennbahn kann das baldige Ende des Trabrennvereins verhindern. Dass der sich zunächst für Mariendorf entschieden hatte, lag an der besseren Substanz in Mariendorf, ließ sich allerdings sportpolitisch nicht durchsetzen. Der Verein knickte ein und schwenke um. Ergebnis ist ein Kompromiss, der nicht gerade eine blühende Zukunft verspricht.

Der öffentliche Druck in Karlshorst hat erst einmal ein Ventil gefunden. Doch die kurzzeitige Jetzt-erst-recht-Bewegung wird bald wieder abebben. Damit wäre der Fortschritt ein Rückschritt, und die Diskussion ginge wieder von vorne los. Zu Lasten des Berliner Trabrennsports.

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