Wetterlotterie : Biathlon: Früh gewinnt

UPDATE Glücksspiel im Männersprint über 10 Kilometer: Chancen hatten nur die Athleten mit einer Startnummer zwischen 1 und 10. Leider war keiner der vier deutschen Starter darunter. Olympiasieger wurde überraschend Vincent Jay aus Frankreich.

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Den Durchblick behalten. Vincent Jay gewinnt Gold über im Biathlon-Rennen über 10 Kilometer. -Foto: AFP

Irgendwann in der Mitte des Rennens verzweifelte auch der Stadionsprecher im Whistler Olympic Park. Der Schneeregen vor seinem Fenster wurde immer dichter, die ersten Zuschauer flüchteten von der VIP-Tribüne, als er in sein Mikrophon rief: „Wir versuchen weiter, Sie auf dem Laufenden zu halten, aber wir können nichts mehr sehen.“ Das stimmte nicht ganz, denn das, was er vor seinen Fenster beobachten konnte, war ohnehin das Entscheidende an diesem seltsamen olympischen Biathlon-Sprintrennen der Herren über zehn Kilometer: der Schneeregen.

Wenige Minuten nach dem Start hatte erst starker Regen, dann dichtes Schneetreiben eingesetzt. Nur die ersten zehn Starter konnten bei ansprechenden Bedingungen ins Ziel laufen. „Danach hättest du einen Strich machen können“, sagte Bundestrainer Frank Ullrich. Es siegte Startnummer 6 vor Startnummer 10 vor Startnummer 4. Der Franzose Vincent Jay, der Norweger Emil Helge Svendsen und der Kroate Jakob Fak hatten diese olympischen Glücknummern am Vorabend zugelost bekommen. „Das war eines der verrücktesten Rennen, die ich jemals erlebt habe“, sagte Frank Ullrich, „heute hast du absolutes Losglück gebraucht.“ Das hatte keiner der deutschen Biathleten.

Michael Greis, dreifacher Olympiasieger von Turin, ging mit der Nummer 31 auf die Strecke – und war chancenlos. „Die erste Runde war noch schnell, dann war ich voll drin im Schneetreiben“, sagte er, „da hast du keine Chance mehr.“ Weil beim zweiten Schießen auch noch das Visier vereist war, kam er insgesamt auf drei Strafrunden und belegte Platz 21. Bester Deutscher war Christoph Stephan auf Platz 19. Er war mit der Nummer 58 gestartet und musste nur eine Strafrunde absolvieren. Andreas Birnbacher, Startnummer 70, kam ebenfalls nach einem Schießfehler auf Rang 23. Arnd Pfeiffer, Startnummer 34, belegte nach zwei Strafrunden nur Rang 37. „Im Schneetreiben hat jeder pro Runde 20 bis 30 Sekunden auf der Strecke verloren“, sagte Bundestrainer Frank Ullrich, „Michael Greis und Arnd Peiffer hat es am Heftigsten erwischt.“

Auch Favorit Björndalen weit abgeschlagen

Auch der Altmeister Ole Einer Björndalen sah sich dem Wetter hilflos gegenüber und kam nur auf Platz 17. Allerdings hatte sich der fünffache Olympiasieger aus Norwegen auch vier Schießfehler geleistet. „Das waren meine Fehler“, sagte er, „aber als der Schnee einsetzte, waren die Bedingungen hoffnungslos.“

Eigentlich hatten die deutschen Herren mit einer Medaille geliebäugelt. Michael Greis fühlte sich gut in Form, der 22 Jahre alte Arnd Pfeiffer hatte sich bei seinen ersten Olympischen Spielen ebenfalls Hoffnungen gemacht. „So habe ich mir mein erstes olympisches Rennen nicht vorgestellt“, sagte der Bundespolizist. Bei jeder Abfahrt fuhr er plötzlich 20 Meter kürzer als vorher, weil die Ski nicht auf den nassen Schnee vorbereitet worden waren. „Du arbeitest und machst, aber du hast keine Chance mehr. Mein Anzug ist immer enger geworden.“ Einige Biathleten kamen so durchnässt ins Ziel, dass sie sich sofort ins Trockene retten mussten. „Ich muss mich umziehen, ich erfriere“, rief der Österreicher Daniel Mesotitsch.

„Es ist schade, dass die äußeren Bedingungen so ein Rennen entscheiden“, sagte Michael Greis. Es dürfte aus seiner Sicht sogar noch bedauerlicher sein, dass der Schneeregen womöglich sogar zwei Rennen entscheidet. Beim Verfolgungsrennen am Dienstag über 12,5 Kilometer haben die deutschen Starter bereits einen so großen Rückstand, dass sie kaum noch Chancen auf eine Medaille haben dürften. Michael Greis wird 1:48,2 Minuten nach dem Franzosen Vincent Jay starten. „Da müssen die Führenden schon grobe Fehler machen, wenn da noch etwas passieren soll“, sagte Michael Greis. Zu diesem Zeitpunkt strahlte die Sonne wieder über den Whistler Olympic Park, als sei nichts geschehen.

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