Wettkampf des Tages : Bronze ist nicht genug

Tino Edelmann hat durch seinen Sturz Gold im Teamwettbewerb verspielt, Björn Kircheisen die Medaille gerettet – im letzten Wettbewerb der Kombinierer wollen beide angreifen.

Gregor Derichs[Whistler]
Vancouver 2010 - Nordische Kombination
Startbereit. Björn Kircheisen ist Mitfavorit im letzten Wettbewerb der Kombinierer. -Foto: dpa

Ob er lieber diese verflixte Schanze oder diese verhexte Loipe noch einmal sehen will vor dem abschließenden Wettkampf, wusste Tino Edelmann noch nicht so genau. Bevor er sich mit der Vorbereitung auf die letzte Nordische Kombination im Olympic Park in Whistler beschäftigen wollte, hatte der 24-Jährige noch allen Grund, sich ausgiebig mit der vorletzten zu beschäftigen. Die Wettkampfstätten im Callaghan Valley behagen Edelmann nicht. Schlecht gesprungen, gut gestürzt – nach diesem Motto hatte er den Teamwettbewerb bestritten. Sollte in den Olympia- Bilanzen nach Pechvögeln in der deutschen Mannschaft gesucht werden, dann hat der Sportsoldat aus dem Erzgebirge seine Bewerbung eingereicht. Dabei hatte der Kombinierer mit seinen Kollegen am Dienstag die Bronzemedaille gewonnen. „Ich muss mich jetzt freuen“, sagte Tino Edelmann mit bitterer Miene und Bundestrainer Hermann Weinbuch konstatierte nüchtern: „Wenn er nicht gestürzt wäre, dann hätte es Gold sein können.“

Schon nach dem Einzelwettbewerb von der Normalschanze am ersten Olympia- Wochenende hatte Edelmann seinen 18. Platz als unbefriedigend empfunden. In der Mannschaft sollte nun mehr gelingen, viel mehr. Bei den Olympischen Spielen 2006 und 2002 gewannen die deutschen Teams jeweils Silber, nun liebäugelte die Mannschaft mit Gold. „Eigentlich waren unsere Erwartungen höher, aber wir müssen mit Bronze zufrieden sein“, sagte Eric Frenzel. Hinter Österreich und, das war die große Überraschung, den USA.

Eigentlich hatte auch alles ganz gut ausgesehen. Tino Edelmann bildete – nach einer starken Aufholjagd des deutschen Teams von Platz sechs nach dem Springen – mit dem Österreicher David Kreiner und dem US-Amerikaner Todd Lodwick die Spitze. Und dann dieser Sturz. Ein seltenes Missgeschick: Mit dem eigenen Stock brachte sich Edelmann bei einem Anstieg zu Fall. „Das ist mir mit zwölf Jahren vielleicht das letzte Mal im Wettkampf passiert“, sagte er. Im Ziel dachte Edelmann, er hätte alle Chancen verspielt. Tatsächlich holten weder Eric Frenzel noch Björn Kircheisen als Schlussläufer der 4-mal-5- Kilometer-Staffel das Spitzenduo ein.

Immerhin reichte es noch zu Bronze für das junge Team

Trotzdem erfüllten sich die schlimmsten Befürchtungen des Pechvogels Edelmann nicht. „Ich habe mein Gesicht vergraben. Das hätte mich Jahre beschäftigt“, sagte Edelmann. „Ich habe wirklich die Hölle durchgestanden, weil ich dachte, durch meine Blödheit werden wir nur Vierter.“ Er brachte es noch auf die drittbeste Laufzeit in seiner Gruppe. „Ich habe zwei Fehler gemacht, denn ich bin auch schlecht gesprungen“, schilderte er den ersten Teil des Wettkampfs. Bei 123 Metern drückte ihn die Erdanziehung auf den Hang, 129 Meter sprang Johannes Rydzek, Frenzel setzte bei 129,5 Metern auf, Kircheisen kam auf 132 Meter.

Immerhin reichte es noch zu Bronze für die mit einem Durchschnittsalter von 22 Jahren mit Abstand jüngste Mannschaft am Start. Japan, der Weltmeister von 2009, und Norwegen, Weltmeister von 2008, wurden ebenso geschlagen wie Finnland, das nach dem Springen geführt hatte. Und ein letzter Wettbewerb bleibt ja noch: Am Donnerstag findet die letzte Kombination in Whistler statt: Das Springen von der Großschanze und die 10-Kilometer-Verfolgung. Bundestrainer Weinbuch wünscht sich dafür vor allem reguläre Bedingungen, die allen Teilnehmern die gleichen Chancen bieten. „Es klingt abgedroschen, aber beim Springen haben wir Pech gehabt. Alle anderen Nationen haben viermal Aufwind gehabt, nur wir nicht“, sagte der ehemalige Weltmeister.

Johannes Rydzek wird im abschließenden Wettkampf pausieren, und dafür wird Georg Hettich, 31 Jahre alt und Olympiasieger von 2006, noch einmal zum Einsatz kommen. Die Ergebnisse des Schwarwälders waren zuletzt nicht besonders gut, doch Hettich bereitete sich gut vor und will noch einmal angreifen. Frenzel, der den letzten Weltcup in Seefeld gewann, und vor allem Kircheisen gehören hingegen zu den Mitfavoriten. Wie gut Kircheisen in Form ist, zeigte er im Team-Wettkampf, als er im Springen den weitesten Satz der Deutschen machte. Auch in der Loipe sah er nicht schlecht aus. Und Edelmann? Ihm wird schon lange der große Triumph zugetraut. Seine letzte Chance bei diesen Spielen will er nutzen. Dazu muss er den ungeliebten Whistler Olympic Park dann aber doch noch mal betreten.


Nordische Kombination, 19 Uhr und 22 Uhr.

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