Wettkampf des Tages : Nur beim Tennis vorn

Susanne Riesch kämpft im Slalom um eine Medaille. Sie möchte nicht nur abseits der Skipiste aus dem Schatten ihrer Schwester treten.

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Nicht bloß bei der Haarfarbe unterschiedlich. Maria Riesch (l.) ist erfolgreicher und populärer als ihre Schwester Susanne.Foto: dpa

Selbstverständlich ist Susanne Riesch besser als ihre Schwester, das sieht doch jeder. Da muss man nur die Spiele des TC Grainau verfolgen, Bezirksklasse 2, Damen. Anfang Mai beginnt die neue Tennis-Saison. „Die Susanne hat mehr Talent als Maria“, sagt Siegfried Riesch, Vater und Zweiter Vorsitzender des TC Grainau in Personalunion. Die Töchter sind als Spielerinnen im Einsatz.

Es reden ja alle davon, dass Susanne Riesch im Schatten ihrer drei Jahre älteren Schwester steht. Das stimmt natürlich, aber vor allem auf der Skipiste. Doch das altbekannte Bild hat Risse bekommen, Susanne Riesch wird inzwischen auch als eigenständige Sportlerin wahrgenommen. Beim Slalom in Zagreb, Anfang Januar, strahlte die 22-Jährige auf dem Podium, auf Platz drei, während Maria Riesch Vierte wurde. Zum ersten Mal lag Susanne Riesch vor der Schwester. Auch in Are wurde die Jüngere Dritte, in Levi und Aspen jeweils Vierte.

Susanne vor Maria Riesch, so kann’s natürlich auch heute kommen, beim Slalom. Susanne Riesch sagt es in Whistler auch: „Da können viele gewinnen, ich auch. Ich habe mal davon geträumt, Olympiasiegerin zu werden.“ Pause. „Na ja, träumen darf man ja.“

Trainer Berthold glaubt: "Bei Susanne ist alles möglich"

Klar darf man träumen. Vor allem, weil Frauen-Cheftrainer Mathias Berthold auch sagt: „Bei Susanne ist alles möglich.“ Zweifellos. Nur eines ist nicht möglich: dass sie schnell komplett aus dem Schatten von Maria Riesch tritt. Dafür fehlt Susanne Riesch die Nervenstärke, die Wettkampfhärte, dieser bedingungslose Ehrgeiz ihrer Schwester.

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Gute Technikerin mit schwachen Nerven. Susanne Rieschs Probleme liegen im Mentalen.Foto: dpa

Der Gedanke, dass die Riesch-Schwestern bald auf Augenhöhe über die Pisten jagen werden, den hatte es schon im November 2006 gegeben. Da fuhr die sehr gute Technikerin Susanne Riesch in ihrem zweiten Weltcup-Slalom auf Rang fünf. Der Rest war ein Aufenthalt im Durchschnitt. Verletzungen, unprofessionelles Leben, mangelhafter Trainingsfleiß, das alles kam zusammen. Susanne Riesch wurden im Schatten ihrer Schwester immer konturenloser. „Der Erfolg kam zu früh“, sagt Berthold.

In diesem Sommer blieb sie verletzungsfrei, sie trainierte so hart wie noch nie, aber das betrifft nur die Physis. Ihre Nerven sind noch nicht so strapazierfähig, dass sie dauerhaft gute Leistungen liefern kann. Beim Slalom in Flachau Mitte Januar lag sie nach dem ersten Durchgang haushoch in Führung. Sie durfte im zweiten Durchgang als Letzte starten, direkt hinter ihrer zweitplatzierten Schwester. Als beide oben standen, führte die Österreicherin Marlies Schild. Maria Riesch machte einen groben Fehler, und im Starterhäuschen brüllte ein österreichischer Betreuer: „Die Riesch hat gepatzt, Marlies bleibt vorne.“ Susanne Riesch stand daneben und versuchte sich zu konzentrieren. Es war ein Bruch der Fair-Play-Regeln, im Starthaus herrscht normalerweise Ruhe. Ob es Fahrlässigkeit war oder der bewusste Versuch, die Deutsche zu irritieren, wurde nie geklärt. Klar ist aber, dass Susanne Riesch nach ein paar Toren ausschied. Ihre Schwester blieb Zweite.

Susanne Riesch möchte als eigenständige Person anerkannt werden

Aber das Ziel der Jüngeren ist gar nicht die schnelle Augenhöhe mit der Älteren, sie will bloß erst mal als eigenständige Person dauerhaft anerkannt werden. „Schlimm war es in der vergangenen Saison“, sagt die 22-Jährige. „Da ist Maria meist vorne gefahren, und ich bin oft ausgeschieden.“ Sie musste sich lösen von der Schwester, nicht bloß sportlich. Die 22-Jährige zog in ihre eigene Wohnung und gab auch öffentlich Signale, dass sie anders ist als die Schwester. „Mit so PS-starken Autos, wie Maria sie fährt, kann ich nichts anfangen“, sagt sie. Und dass die Schwester ihre Klamotten stets Kante auf Kante legt, das ist auch nicht ihre Vorstellung von Ordnung.

Aber so eine Abgrenzung hat ihre Grenzen. Menschlich harmonieren sie sowieso, aber es gibt auch einen ganz banalen Punkt, der sie verbindet. „Wenn ich Pfannkuchen mache“, sagte Susanne Riesch beim Weltcup in Maribor grinsend, „kommt die Maria immer vorbei. Weil sie meine Pfannkuchen so mag.“

Slalom Frauen, heute 19 Uhr und 22.30 Uhr.

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