Wettkampf des Tages : Rückwärts in der Loipe

Nach dem enttäuschenden Abschneiden der Langläuferinnen hat Bundestrainer Jochen Behle Veränderungen angekündigt. Der Teamsprint könnte für einige die letzte Medaillenchance bei olympischen Spielen sein.

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Die Uhr tickt. Claudia Nystad und Evi Sachenbacher-Stehe haben in Vancouver vielleicht ihren letzten großen Auftritt....Foto: dpa

Jochen Behle nimmt Großereignisse gerne als Anlass für eine Generalkritik. Während der Nordischen Ski-Weltmeisterschaften in Liberec 2009 hat der Langlauf-Bundestrainer den damaligen Frauen-Cheftrainer Ismo Hämälainen demontiert. Er kritisierte öffentlich mehrere Entscheidungen des bei den Läuferinnen beliebten Trainers, und tatsächlich ist der Finne nach Saisonende abgesetzt worden. Bei den Winterspielen 2010 war es am Freitagnachmittag erneut so weit.

„Wir müssen nach der Saison einen Schnitt machen und versuchen, mit einer jüngeren Truppe einen langfristigen Aufbau zu starten“, sagte Behle. Die deutschen Langlauffrauen um Evi Sachenbacher-Stehle und Claudia Nystad haben ihre besten Zeiten offenbar schon hinter sich. Die Olympischen Spiele 2002 mit Gold in der Staffel und einmal Einzel-Silber sowie die Weltmeisterschaften 2003 in Val di Fiemme mit Gold in der Staffel und zweimal Einzel-Silber bilden offenbar den sportlichen Höhepunkt der aktuellen Generation. Seitdem fehlen die Ergebnisse, wie gegenwärtig in Whistler. Rang elf für Evi Sachenbacher-Stehle in der Doppelverfolgung war bislang das beste Ergebnis. „Die anderen Nationen haben sich weiterentwickelt“ sagt Jochen Behle, „wir aber sind stehen geblieben, es geht sogar eher in die andere Richtung.“

Der Bundestrainer will nun mit einer verjüngten Mannschaft in die Winterspiele 2014 gehen. Einige der deutschen Läuferinnen haben daher in Whistler die letzte Chance, eine olympische Medaille zu gewinnen. Am ehesten könnte das im Teamsprint am Montag (19.45 Halbfinale und 22 Uhr Finale) gelingen. „Wir werden um die Medaillen mitkämpfen, auch bei den Damen“, verspricht der Bundestrainer. Er hatte Claudia Nystad in der 15-Kilometer-Doppelverfolgung für den Teamsprint geschont. „Claudia ist diejenige, die im Finale über sich hinausgehen kann“, sagte er. Die 32 Jahre alte Langläuferin wird zusammen mit Evi Sachenbacher-Stehle an den Start gehen.

Behle übt Generalkritik

In seiner Generalkritik bemängelte der Bundestrainer vor allem die konditionellen Mängel seiner Läuferinnen. „Da können wir nicht mithalten“, sagte Jochen Behle, „die 150 bis 200 Trainingsstunden, die andere mehr haben, machen sich bemerkbar.“ Zwar zögen alle deutschen Läuferinnen in den Trainingslagern gut mit. Allerdings hätten sie vorher ihre Hausaufgaben nicht ausreichend gemacht. „An den Grundlagen muss man noch arbeiten“, sagte er, aber das moniere er schon seit drei Jahren. „Was soll man machen“, sagte Behle, „wir sind keine Diktatur.“

Wie genau er sich den personellen Umbruch vorstellt, wollte Behle noch nicht sagen. Aus dem Juniorinnenbereich kommt kaum etwas nach. „Wir haben im Damenbereich durchgehend ein Problem“, sagte Jochen Behle. Zuletzt musste er Miriam Gössner, eine Biathletin, für Vancouver nominieren. Und bis Samstag stand weiterhin ein Einsatz von Biathlon-Olympiasiegerin Magdalena Neuner in der Langlaufstaffel am Donnerstag zur Debatte.

Eines hat sich aber doch geändert seit Liberec. Dem neuen Frauentrainer Janko Neuber will Behle keine Schuld am Stillstand geben. „Ich habe keinen Anlass, am Trainer zu rütteln“, sagt Jochen Behle, „er kommt bei der Analyse zum gleichen Ergebnis wie ich.“ Immerhin einer scheint offenbar seinen Platz in der Langlauf-Mannschaft 2011 schon sicher zu haben.

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