Sport : Wettlauf mit Juristen

Der Olympiaskandal um Kenteris und Thanou wartet in Griechenland immer noch auf seine Aufklärung

Torsten Haselbauer[Athen]

Es klang wie eine positive Meldung für die beiden umstrittensten griechischen Sportstars. Die griechische Staatsanwaltschaft wollte am Dienstag den Prozess gegen Konstantinos Kenteris und Ekaterini Thanou sowie ihren Trainer Christos Tsekos noch nicht eröffnen. Die beiden Sportler sollen sich einen Tag vor der Eröffnung der Olympischen Spiele durch einen fingierten Motorradunfall einer Dopingprobe entzogen haben. Falschaussagen, Irreführung der Behörden und kriminelles Verhalten werden allen Beteiligten an dem größten Skandal der Spiele vorgeworfen. Doch die Verschiebung des Prozesses bedeutet keine Entwarnung für die beiden Sprinter.

Die griechische Staatsanwaltschaft teilt den Prozess lediglich in zwei Verfahren auf. Juristen gehen davon aus, dass er in den nächsten Monaten vor Gericht kommt. Kenteris würde das begrüßen: „Eine Gerichtsverhandlung bedeutet, dass der Fall geklärt wird. Ich möchte bis zum Ende gehen und dann werden wir sehen, wer Recht hat.“ Der Olympiasieger über 200 Meter von Sydney betont weiterhin die Richtigkeit seiner Angaben. „Der Unfall hat stattgefunden, wir haben bei der Krankenhaus-Einlieferung beide geblutet“, sagt Kenteris.

Allerdings mehren sich die Indizien, die Kenteris und Thanou mit Doping in Verbindung bringen. So ergab der Prozess gegen das kalifornische Dopinglabor Balco in den USA neue Erkenntnisse über die beiden griechischen Sprinter. Nach Informationen der „San Jose Mercury News“ soll es schriftliche Hinweise geben, dass Kenteris und Thanou die Designerdroge THG erhalten haben. Kenteris und Thanou pflegten seit einigen Jahren ein Versteckspiel mit den internationalen Dopingfahndern.

Jahrelang hatten sie in der kleinen Nation außerhalb jeglicher Kritik gestanden, doch inzwischen hat sich die Stimmung in Griechenland gegen seine Sportstars gewendet. Bereits während der Spiele hängte ein Sponsor die Werbeplakate mit dem Konterfei Kenteris ab. Anschließend wurde der auf ihn getauften Superfast-Fähre sein Name wieder entzogen. Nach neuesten Umfragen wünschen sich 84 Prozent der Griechen eine konsequente Untersuchung im Fall Kenteris.

Doch es geht in diesen Tagen nur vordergründig um Kenteris. Die seit März neu im Amt stehende konservative griechische Regierungspartei „Nea Dimokratia“ will mehr als nur ihn und Ekaterini Thanou abstrafen, die für ihre Vergehen bis zu zwei Jahren im Gefängnis landen könnten. Die Regierung scheint es ernst zu meinen mit ihren Ankündigungen, „den Augiasstall der griechischen Leichtathletik endlich kräftig auszumisten“, wie es der Regierungssprecher Theodoros Roussopoulos formulierte. Dafür soll nun sogar dem ehemaligen Sportminister der sozialdemokratischen Partei, George Lianis, die Immunität entzogen werden. Ihm wird zum Vorwurf gemacht, gemeinsam mit dem „finsteren Tsekos“, wie die Zeitung „Eleftherotypia“ schrieb, und dem nicht minder zwielichtigen Trainer der griechischen Gewichtheber, Christos Iakovou, an einem Staats-Dopingplan gebastelt zu haben.

Gegen eine staatliche Zuwendung von 1,5 Millionen Euro soll Trainer Tsekos, von dem sich Kenteris mittlerweile getrennt hat, das Versprechen gegeben haben, „über 100 international höchst wettbewerbsfähige griechische Athleten aufzubauen“. Als zukünftiges Trainingszentrum, wo die griechischen Medaillenträume reifen sollten, wurde der ehemalige Athener Nachtklub Fantasia auserkoren. Mit welchen Mitteln Tsekos, bei dem bei einer Durchsuchung während der Spiele Dopingmittel gefunden worden waren, arbeiten wollte, schien niemanden ernsthaft zu interessieren. Wenn sich nur der Erfolg zu den prestigeträchtigen Olympischen Spielen 2004 im eigenen Land einstellte.

Es ist dann doch anders gekommen.

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