Sport : Wettlauf nach Olympia: Die Bewerber

Berlin

Einwohner: 3 383 182.

Was gibt es schon? Olympiastadion, Velodrom, Schwimmhalle an der Landsberger Allee, Max-Schmeling-Halle. Das Olympiastadion wird derzeit umgebaut.

Pläne: Bisher wurde viel geredet und wenig geplant. Das soll nach Auffassung des Senats noch mindestens bis zum 3. November so bleiben. Dann will das Nationale Olympische Komitee entscheiden, ob es eine deutsche Bewerbung für 2012 überhaupt gibt. Wenn die Entscheidung positiv ausfällt, will der Senat über eine Bewerbung nachdenken. Die potenzielle Regierungspartei Bündnis 90/Die Grünen war vor der Wahl dagegen, schließt aber eine Bewerbung inzwischen nicht mehr aus. SPD und FDP hatten sich vor der Wahl positiv geäußert.

Kosten der Bewerbung: 2 Millionen Mark.

Prominente Fürsprecher: Bislang Fehlanzeige. Dafür gibt es einen prominenten Gegner. Der Chef des Deutschen Sportbundes, Manfred von Richthofen, hat sich gegen Olympia 2012 in Berlin ausgesprochen.

Pro: Berlin ist die bekannteste deutsche Stadt und kann als Hauptstadt werben.

Eine Umfrage des Instituts Sport und Markt ergab, dass sich die meisten Deutschen Berlin als Austragungsort wünschen.

Contra: Berlin hat sich mit seiner verpatzten Bewerbung für 2000 blamiert.

Bisher gibt es im Vergleich zu den anderen nationalen Mitbewerbern kein durchdachtes Konzept. Das Konzept von 2000 müsste überarbeitet werden.

Die wirtschaftlichen Probleme der Stadt lassen eine Ausrichtung der Spiele kaum finanzierbar erscheinen.

Unter Berlinern ist die Bewerbung umstritten.

Hamburg

Einwohner: 1 713 099.

Was gibt es schon? AOL-Arena.

Pläne: Herzstück der Spiele wäre der Hafen. In dessen unmittelbarer Umgebung sollen das Olympische Dorf, der Olympiapark, das Medienzentrum und das Schwimmstadion entstehen. Das neue Olympiastadion soll 100 000 Besucher fassen. Die Spiele sollen jedoch nicht ausschließlich in Hamburg stattfinden. Auch in Bremen, Rostock, Lübeck und Kiel könnten die Athleten um Medaillen wetteifern.

Prominente Fürsprecher: Die Regierungschefs der fünf norddeutschen Bundesländer: Ole von Beust (Hamburg), Harald Ringstorff (Mecklenburg-Vorpommern), Sigmar Gabriel (Niedersachsen), Heide Simonis (Schleswig-Holstein) und Henning Scherf (Bremen). Die Bürgerschaft gab am Mittwoch bei ihrer ersten Sitzung unter dem neuen Bürgermeister Ole von Beust grünes Licht für das Projekt.

Kosten der Bewerbung: Rund 12 Millionen Mark.

Pro: Die Metropole besitzt die nötige Infrastruktur, zudem stehen Wirtschaft und Politik hinter der Bewerbung.

Hamburg hat bereits mehrfach bewiesen, dass es internationale Großveranstaltungen austragen kann.

Die Stadt steht mit der Bewerbung nicht allein da. Auch die benachbarten Bundesländer wollen sich an den Spielen beteiligen.

Contra: Die meisten olympischen Sportstätten müssten noch gebaut werden.

Rhein-Ruhr-Region

Einwohner: in der gesamten Region Rhein-Ruhr 10 Millionen.

Was gibt es schon? Kölnarena, Westfalenstadion, Arena Auf Schalke, CHIO-Gelände Aachen.

Pläne: Zwölf Städte mit Düsseldorf als Zentrum sollen die Wettbewerbe 2012 ausrichten. Auf zwei Milliarden Mark schätzt Ministerpräsident Wolfgang Clement die Kosten für Umbau und Neubau der Arenen. Das Olympiastadion soll 80 000 Zuschauer fassen und direkt am Düsseldorfer Messegelände entstehen. Geplant ist der Neubau einer Multifunktionshalle, die 50 000 Besuchern Platz bieten wird. Es sollen weitere Arenen entstehen: für Baseball in Köln und Bonn, eine Beachvolleyball-Spielstätte in Düsseldorf, für Softball in Köln sowie eine Schwimmhalle in Essen.

Kosten der Bewerbung: 45 Millionen Mark.

Prominente Fürsprecher: Henry Maske, Frank Busemann, Heike Henkel, Sabine Braun.

Pro: Für die Region spricht vor allem die hervorragende Infrastruktur. Eine Fülle olympiareifer Sportstätten ist bereits vorhanden, auch die Verkehrswege in dem Ballungsraum sind hervorragend ausgebaut.

Breite Zustimmung in Wirtschaft und Politik.

Contra: Einziges Manko ist, dass die Region Rhein-Ruhr international kaum ein Begriff ist.

Frankfurt am Main

Einwohner: 649 639 (Frankfurt), 5 Millionen (Region).

Was gibt es schon? Waldstadion, Bieberer Berg, Frankfurter Messe.

Der Plan: Mit Hilfe der Agentur Jourdan & Müller und der Unternehmensberatung Arthur Anderson, die bereits die Olympischen Spiele in Sydney konzipiert hat, haben die Frankfurter ein detailliertes Konzept vorgelegt. Zwei Olympische Parks sind geplant. Einer im Norden mit Schwimmhalle, Olympischem Dorf und einem Leichtathletikstadion für 90 000 Zuschauer. Im Süden entsteht ein weiterer Schwerpunkt rund um das Waldstadion, das bis spätestens 2005 zu einem Fußballstadion umfunktioniert wird. Verbunden werden beide Komplexe mit der S-Bahn. Ein Drittel der Wettkämpfe sollen im Umland ausgetragen werden.

Kosten der Bewerbung: 12 Millionen Mark.

Prominente Fürsprecher: Roland Koch, Harald Schmid.

Pro: Der internationale Ruf als Bankenmetropole.

Das detaillierte Verkehrskonzept. Sämtliche Sportstätten werden bequem zu erreichen sein. Frankfurt ist dank seines Großflughafens gut erreichbar.

Wirtschaft und Politik stehen hinter der Olympia-Bewerbung Frankfurts.

Contra: Frankfurt fehlt die Erfahrung mit den ganz großen Sportereignissen.

Stuttgart

Einwohner: 551 670.

Was gibt es schon? Gottlieb-Daimler-Stadion, Hanns-Martin-Schleyer-Halle.

Pläne: Stuttgart wirbt mit Olympischen Spielen der kurzen Wege. Das Gottlieb-Daimler-Stadion - das im Jahre 2012 mehr als 80 000 Besucher fassen soll - und die Hanns-Martin-Schleyer-Halle sind Stützen der Stuttgarter Bewerbung. Zudem ist mit der Robert-Bosch-Halle (15 000 Zuschauer) eine weitere Arena geplant. Der zweite Schwerpunkt der Olympia-Bewerbung ist die Landesmesse auf den Fildern, die direkt neben dem Stuttgarter Flughafen gelegen ist.

Kosten der Bewerbung: 15 Millionen Mark.

Prominente Fürsprecher: Lothar Späth, Roman Herzog, Jürgen Klinsmann, Heike Drechsler.

Pro: Direkt am Olympischen Dorf wird ein neuer ICE-Halt entstehen. Auch die übrigen Sportstätten sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen.

Stuttgart profitiert von der enormen Wirtschaftskraft der Region, ein finanzielles Risiko wäre Olympia 2012 hier nicht.

Contra: Stuttgart ist keine Weltstadt mit internationalem Renommee.

Die Olympia-Euphorie in der Stadt hält sich in Grenzen.

Leipzig

Einwohner: 492 453.

Was gibt es schon? Zentralstadion, Neue Messe.

Pläne: Wo genau das neue Olympiastadion stehen wird, ist noch unklar. Neben den Flächen an der Neuen Messe ist auch eine neue Arena in zentraler Lage möglich. Auch für das Olympische Dorf ist noch kein Standort festgelegt. Dennoch können die Leipziger auf viele olympiataugliche Sportstätten zurückgreifen, etwa das Zentralstadion und die Hallen bei der Neuen Messe. Zudem ist geplant, weitere Wettkämpfe im Freistaat Sachsen auszutragen. Chemnitz, Riesa und Dresden bieten olympiataugliche Arenen.

Kosten der Bewerbung: 7 Millionen Mark.

Prominenter Fürsprecher: Kurt Biedenkopf.

Pro: Erste Olympische Spiele in Ostdeutschland.

Contra: Die sportliche Infrastruktur müsste erheblich ausgebaut werden.

Leipzig ist keine reiche Stadt. Die Ausrichtung der Olympischen Spiele ist finanziell nur schwer zu bewältigen.

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