Sport : Wettlauf nach Olympia: Proletensport für den Kohlenpott

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Die Missfits beschreiben das Panorama so: "Alles, was du siehst, ist Oberhausen." Doch die Wahrnehmung der Kabarettistinnen aus dem Ruhrgebiet ist nicht ganz richtig. Vom Dach des Gasometers, jenem 100 Meter hohen Stahltrumm, mit dessen Ausstellungen sich die Revierstadt Glanz verleiht, sieht man auch Duisburg, Essen oder Mülheim. Bei klarem Wetter sogar Gelsenkirchen. Düsseldorf sieht man nicht. "Wer wohnt schon in Düsseldorf?", fragt Herbert Grönemeyer aus Bochum. Im SLK-Cabrio über die Königsallee - damit kann der Reviermensch nichts anfangen. Trotzdem soll die reiche Stadt am Rhein das Ruhrgebiet olympisch machen. Im Sommer 2012 sollen im neuen Düsseldorfer Olympiastadion die Spiele der Rhein-Ruhr-Region eröffnet werden. "Es wäre ein Armutszeugnis, wenn wir uns mit unserer Bewerbung hinter Düsseldorf verstecken", hat Oberhausens Oberbürgermeister Burkhard Drescher vor einem Jahr gesagt. Dann hat man den Ruhrgebietlern beigebogen, dass die Inspekteure vom Internationalen Olympischen Komitee mit Reisezielen wie Duisburg oder Dortmund wenig anfangen können. Dagegen Düsseldorf. Davon singt nicht nur Grönemeyer, davon singt Randy Newman ("In Germany before the war, in 1934, in Dussldoof"). Nach kurzem rheinisch hegemonialen Gezerre reihte sich sogar Köln in die Bewerbung ein. Bis nach Aachen reicht nun die Region. Dort steht ein schickes Reitstadion. Dem Kohlenpott bleibt der Proletensport: Fußball auf Schalke und Boxen in Oberhausen.

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