Wettmanipulation : Betrug in der Bundesliga?

Hat die asiatische Wettmafia Spiele der Bundesliga manipuliert und den WM-Achtelfinalsieg Brasiliens verschoben? Neue Vorwürfe lassen Profiwetter hellhörig werden.

Frank Bachner
Laut «Spiegel» Verdacht auf Manipulation bei WM 2006
Falsches Spiel? Brasiliens Ronaldo und Ghanas Mensah bei der WM 2006.Foto: dpa

Haben die Skandale um manipulierte Fußballspiele eine qualitativ neue Ebene erreicht? Der „Spiegel“ schreibt in seiner neuesten Ausgabe, der malayische Wettpate William Bee Wah Lim soll Ende 2005 ein Bundesliga- und ein Zweitligaspiel verschoben haben. Auch das Achtelfinalspiel Brasilien gegen Ghana bei der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland soll von einem asiatischen Wettsyndikat verschoben worden sein.

Bei den Bundesligaspielen soll es sich um die Partien Hannover 96 gegen den 1. FC Kaiserslautern am 26. November 2005 und die Zweitligapartie Karlsruher SC gegen Sportfreunde Siegen am 7. August 2005 gehandelt haben. Kaiserslautern verlor 1:5, Karlsruhe gewann 2:0. Lim, der 2007 wegen versuchter Manipulation von Spielen in der Regionalliga und in Österreichs erster Liga zu einer Haftstrafe verurteilt wurde, soll bei beiden Spielen insgesamt mehrere Millionen Euro durch Wetten verdient haben. Er soll persönliche Kontakte zu Spielern von Kaiserslautern, Karlsruhe und Siegen gehabt haben. Alle betroffenen Spieler beteuern ihre Unschuld.

Klare Torchancen vergeben

Beim angeblich manipulierten WM-Spiel beruft sich der „Spiegel“ auf Informationen eines kanadischen Journalisten. Nach dessen Informationen sollen Zocker gewettet haben, dass Ghana mit mindestens zwei Toren Differenz verliert. Ghana unterlag 0:3. Auffällig war der Umstand, dass Ghana mehrfach klare Torchancen vergab.

Dirk Paulsen ist beim Namen Kaiserslautern hellhörig geworden. Denn das Spiel Kaiserslautern – Eintracht Frankfurt am 14. Dezember 2005, nur drei Wochen nach der fraglichen Partie der Pfälzer gegen Hannover, steht bei dem Berliner Profiwetter unter Manipulationsverdacht. „Die Kurse waren zu auffällig“, sagte Paulsen dem Tagesspiegel. Der Kurs auf einen Sieg von Kaiserslautern lag bei 2,2, so als wären die Gastgeber klarer Außenseiter gewesen. „Der angemessene Kurs wäre 1,86 gewesen“, sagt Paulsen. Er setzt dennoch 10 000 Euro auf einen Sieg von Kaiserslautern, „weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass bei einem deutschen Bundesligaspiel manipuliert wird“. Doch schon vor der Partie habe die Wetter-Szene angesichts der Kurse über das Spiel und eventuelle Manipulationen diskutiert. Zudem sei Kaiserslautern in dieser Zeit in der Wettszene im Zusamenhang mit möglichen Manipulationen wiederholt genannt worden. Nach dem 2:0-Sieg von Frankfurt wurden die Diskussionen intensiver. Es gab aber keinen Beweis für Unregelmäßigkeiten.

DFB hat keine Anhaltspunkte

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) haben bislang keine Anhaltspunkte für eine Manipulation. Das teilten DFL-Präsident Reinhard Rauball und DFB-Chef Theo Zwanziger gestern mit. Sportrechtlich hätte eine Manipulation dieser Bundesligaspiele auf jeden Fall keine Konsequenzen. Die kann es es nur geben, wenn Vorwürfe bis Ende einer jeweiligen Saison strafrechtlich verfolgt worden sind. Vom 1. FC Kaiserslautern war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

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