Wettskandal : Bei alten Bekannten

Unter den im Wettskandal Festgenommenen sollen auch die Brüder Ante und Milan S. aus Berlin sein, die bereits in die Manipulationen um Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer vor fünf Jahren verwickelt waren. Milan S. gehört das "Café King".

Claus-Dieter Steyer

Der Aufkleber auf dem Motorroller vor dem Lokal klingt zweideutig: „Café King: Wetten, Ihnen gefällt es“. Doch wer der Einladung in den vermeintlichen Dreh- und Angelpunkt des neuen Fußball-Wettskandals an der Charlottenburger Rankestraße folgt, wird erst einmal enttäuscht. In dem Restaurant kann man vieles machen, aber wetten kann man hier nicht. Jedenfalls nicht im großen Gastraum. Der entpuppt sich als ziemlich bieder, ein großer Tresen in der Mitte, schwarze Sitzecken aus Leder. Aus den Lautsprechern dröhnt laute Musik von „Kiss FM“, auf zwei der drei Flachbildschirme läuft die kroatische Ausgabe von „MTV“.

Das dritte Gerät zeigt einen deutschen Nachrichtensender, ohne Ton. Auf den bewegten Bildern erkennen sich einige der an einem Tisch sitzenden Männer wieder. Sie unterhalten sich auf Kroatisch. Die mehrfach wiederkehrenden Aufnahmen zeigen Bilder vom letzten Wettskandal im Jahre 2005, dazu aktuelle Außenansichten des Restaurants, das inzwischen fast schon zu einer Touristenattraktion aufgestiegen ist.

Das Café in der Nähe des Kurfürstendamms war vor knapp fünf Jahren die Zentrale der Spielmanipulationen der drei kroatischen Gebrüder S. Bei einer Razzia am 28. Januar 2005 fanden die Polizisten hier Auszahlungsbelege für Sportwetten in Millionenhöhe. Im bis dahin größten Wettskandal in der Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ging es um 23 Spiele im DFB-Pokal, der zweiten Bundesliga und in den Regionalligen. Sie waren so manipuliert worden oder sollten so beeinflusst werden, dass Ante, Milan und Filip S. hunderttausende Euro verdienten. Das Trio hatte auf den Ausgang bestimmter Partien gewettet. Ante S., der Drahtzieher des Skandals, wurde zu zwei Jahren und elf Monaten, seine Brüder Milan und Filip zu Bewährungsstrafen verurteilt. Heute steht Milan S. nach wie vor als Eigentümer an der Eingangstür. Wie sein Anwalt Stefan Conen der Deutschen Presse-Agentur bestätigte, wurde Ante S. am Donnerstag festgenommen. Er sitzt in Bochum, wo die Ermittlungen geleitet werden, in Untersuchungshaft. Laut Medienberichten soll auch sein Bruder Milan in Untersuchungshaft sein.

Die am Freitagmorgen im Café King eintreffenden Stammgäste machen sich einen Spaß aus der Berühmtheit. Manch einer bestellt einen „Mafia-Espresso“. Angesprochen auf die Vorgänge und eine mutmaßliche Verwicklung der Café-Besitzer, zucken sie mit den Schultern. Man sei Fußballfan, mehr nicht. Mit einem Nicken weisen sie auf die Souvenirs an den Wänden. Hinter Glas hängt dort ein Trikot des englischen Nationalhelden David Beckham, das er nach dem 1:0-Sieg seiner Elf bei der Weltmeisterschaft 2002 gegen Argentinien signiert hat. Das Bild des kroatischen Fußballprofis Ivan Klasnic, der bei Werder Bremen einst seine großen Erfolge feierte, ist nur auf dem Weg zu den Toiletten auszumachen. Dafür sind in einer Vitrine allerlei Souvenirs mit der gelben zackigen Krone auf blauem Grund, dem Symbol für das Café, ausgestellt. Vordergründig deutet nichts darauf hin, dass man hier wetten kann.

Verdächtig wirken nur einige Gäste, die nach einem kurzen Gruß Richtung Kellner in dem hinteren Bereich des Lokals verschwinden. Dieser Teil ist für die anderen Gäste tabu. Möglicherweise kann man also doch im Café wetten. Auf Nachfragen gibt es dazu keine Antwort.

Doch irgendwo hier muss der inzwischen lebenslang gesperrte Robert Hoyzer seine Geschäfte abgewickelt haben. Hoyzer, ein Bundesligaschiedsrichter aus Spandau, hatte die Brüder S. in dem Café kennengelernt. Später gestand er, 67 000 Euro für die Manipulation von Spielen der Saison 2004/05 erhalten zu haben. Das Landgericht Berlin verurteilte ihn zu zwei Jahren und fünf Monaten Haft. Seine Auftraggeber waren die drei Kroaten gewesen. mit jul

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