Wettskandal : Bloß kein Eigentor schießen

Wie Fußballspiele manipuliert werden.

Berlin - An dieser Stelle sei noch einmal an Vlado Kasalo erinnert. Auf der Autogrammkarte des Fußballprofis vom 1. FC Nürnberg stand: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“ Im Frühjahr 1991 erzielte der jugoslawische Nationalspieler beim 0:1 gegen den VfB Stuttgart ein Eigentor. Und in der Woche darauf gleich noch eines, als er beim 0:2 beim Karlsruher SC den Ball vehement am eigenen Torwart Andreas Köpke vorbei ins eigene Tor köpfte. Kasalo, der Stammgast in Spielcasinos war und hohe Schulden hatte, wurde suspendiert, der DFB entzog ihm die Spiellizenz. Die Manipulation der Spiele konnte ihm aber nicht nachgewiesen werden. Schließlich wurde er wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und der Beteiligung an illegalem Glücksspiel zu sechs Monaten Haft verurteilt. Und spielte, was inzwischen undenkbar erscheint, später noch für den FSV Mainz in der Zweiten Liga.

Heute werden Spiele unauffälliger manipuliert. Wie das gehen kann, hat Declan Hill, der Autor des Enthüllungsbuchs „Sichere Siege“, der Deutschen Presseagentur beschrieben. Man müsse keine Eigentore schießen oder Elfmeter verursachen. „Der Schlüssel ist die Unterlassung“, sagt Hill. Ein Torwart, der ein Spiel manipuliere, positioniere sich einfach schlecht. Verteidiger agierten weniger solidarisch, was bedeutet, dass sie eine kleine Lücke in der Abwehr vielleicht nicht ganz schließen. Mittelfeldspieler spielten viele riskante Pässe oder oft nach hinten. Es gebe eine „Choreographie“ der Manipulation.

Bei manipulierten Spielen gebe es weniger Elfmeter, weniger Eigentore und weniger Rote Karten. „Wenn Spieler ein Ergebnis manipulieren, gibt es weniger Platzverweise, weil die Leidenschaft geringer ist“, sagt Hill und nennt andere Eigenschaften verschobener Spiele: „In sauberen Spielen fallen in den letzten 15 Minuten mehr Tore. Bei den schmutzigen sinkt die Trefferquote in diesem Zeitbereich.“ Viele Tore fallen nach Hills Erkenntnissen in manipulierten Spielen zu Beginn der 1. Halbzeit oder in den ersten zehn Minuten der zweiten Halbzeit.

Hill sprach nicht davon, dass ihm Fußballgucken Spaß macht. klapp

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