Wettskandal : Ex-Schiri Hoyzer muss hinter Gitter

Robert Hoyzer muss doch ins Gefängnis. Der Bundesgerichtshof in Leipzig bestätigte die Urteile des Landgerichts Berlin im Fußball-Wettskandal.

Leipzig - Der 27-Jährige muss wegen Beihilfe zum Betrug für zwei Jahre und fünf Monate in Haft. Drahtzieher Ante Sapina (30) muss wegen Betruges in zehn Fällen zwei Jahre und elf Monate hinter Gitter. Die Revisionen des Ex-Referees und der kroatischen Brüder Sapina blieben damit vor dem 5. Strafsenat in Leipzig erfolglos. Neben Sapinas Brüdern waren der frühere Unparteiische Dominik Marks (31) und Ex-Fußballprofi Steffen Karl (36) verurteilt worden. Für sie bleibt es nach dem BGH-Urteil bei Bewährungsstrafen.

Damit folgten die Leipziger Richter nicht dem Antrag von Bundesanwalt Hartmut Schneider, der in der mündlichen Verhandlung vor zwei Wochen überraschend einen Freispruch beantragt hatte. Anders als der Bundesanwalt hatten die BGH-Richter keinen Zweifel an einem Betrugstatbestand. Die Beteiligten dürften bei Sportwetten davon ausgehen, dass der Vertragspartner keine vorsätzliche sittenwidrige Manipulation des Vertragsgegenstandes vorgenommen habe, begründeten die Richter ihre Entscheidung. Es handele sich um ein stillschweigendes Abkommen zwischen den Geschäftspartnern.

Nach Auffassung der Leipziger Richter ist der Sportwettenanbieter Oddset als unmittelbar betroffenes Unternehmen dabei gar nicht der Hauptbetroffene des Wettskandals. Schaden genommen hätten vielmehr Fußballvereine, deren Fans sowie das Ansehen des deutschen Fußballsports. "Außerdem wurde das Vertrauen von Millionen Zuschauern in den Fußballsport und in die Unparteilichkeit von Schiedsrichtern enttäuscht", betonte der Vorsitzende Richter Clemens Basdorf.

Der finanzielle Schaden des Wettskandals liegt nach dem BGH-Urteil darin, dass durch die Manipulationen der Spiele das Wettrisiko ganz erheblich zu Ungunsten der Wettveranstalter verschoben wurde. Der von Ante Sapina gezahlte Wetteinsatz entsprach deshalb laut Urteil nicht mehr der eingeräumten Gewinnchance. "Der Wettende bekommt eine bessere Chance, als er sie mit der festgesetzten Quote bezahlt hat", erläuterte Basdorf. "Die Wettchance wurde zu billig eingekauft."

DFB: Es war schwerer Betrug

Das Urteil sorgte für Erleichterung. Erwin Bugar vom DFB- Kontrollausschuss rannte noch während der Urteilsverkündung aus dem Gerichtssaal, um den Verband per Handy zu informieren. "Das Urteil bestätigt die Auffassung des DFB, dass es sich bei den Manipulationen nicht um einen Bubenstreich oder eine Gaunerei sondern um schweren Betrug gehandelt hat", sagte er.

Die Verteidiger verfolgten mit betretenen Mienen die Ausführungen des Gerichts. "Das Urteil ist bitter für unseren Mandanten", sagte Hoyzer-Anwalt Thomas Hermes. "Die Freiheitsstrafe bleibt bestehen, und Robert Hoyzer muss ins Gefängnis." Hermes ging davon aus, dass der Ex-Schiedsrichter Weihnachten erst im kommenden Jahr seine Strafe antreten muss.

"Begriffe wie Sieg, Niederlage oder Enttäuschung sind nicht angebracht. Jetzt ist klar, wie in solchen Fällen in Zukunft Recht gesprochen wird", sagte Bundeswalt Schneider. Seiner Ansicht nach handelte es sich bei den Manipulationen um keine Täuschung. Die bestehenden Paragrafen im Strafgesetzbuch gäben keine Verurteilung her, hatte er argumentiert.

"Schlag ins Gesicht"

Dabei hatte sich Schneider auf ein Urteil des 5. BGH-Strafsenats aus dem Jahr 1961 im Fall von Pferdewetten gestützt. Schneiders Interpretation hatte in der Fußballwelt Empörung ausgelöst. DFB- Präsident Theo Zwanziger sprach von einem "Schlag ins Gesicht". Die Richter folgten nun nicht der Interpretation Schneiders, sondern stützen sich auf eine Entscheidung des 3. Senats aus dem Jahr 1979 zu Pferdewetten mit bestochenen Jockeys. Den Fall von 1961 hielten sie für nicht vergleichbar mit dem aktuellen Wettskandal.

Angesichts des Ausmaßes der Manipulationen bezeichnete der BGH die Strafen für Hoyzer und Co. als relativ milde. "Hoyzer wurde hervorragend beraten, indem er den Weg des Geständnisses gegangen ist", sagte Basdorf. Es seien durchaus höhere Strafen möglich gewesen. Dies gelte insbesondere auch für Ante Sapina, der einen Schaden von insgesamt zwei Millionen Euro verursacht habe. (tso/dpa)

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