Wettskandal : Hoyzer bald ein freier Mann?

Der ehrliche Fan wundert sich: Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer, der mehrfach Spiele bewusst manipuliert hat, um dadurch Fußballwetten zu seinen Gunsten zu beeinflussen, könnte mit etwas Glück bald ein freier Mann sein.

Leipzig - Der Leipziger Senat des Bundesgerichtshofes (BGH) verhandelt am Dienstag über die Revision der Urteile gegen Hoyzer und Co. Rein rechtlich wäre dies durchaus drin, sagt Oberstaatsanwalt Hartmut Schneider, der in Leipzig die Bundesanwaltschaft vertreten wird. Grund dafür ist die recht unklare Lage. Ein etwaiger Freispruch würde auch für Hoyzers Mitangeklagte gelten.

Trotz Haftstrafe auf freiem Fuß

Nach dem Richterspruch des Berliner Landgerichtes im November 2005 hatten alle sechs Verurteilten Revision eingelegt. Der einstige DFB-Schiedsrichter Hoyzer war wegen Beihilfe zum Betrug zu der relativ harten Strafe von zwei Jahren und elf Monaten Haft verurteilt worden. Der 27-Jährige ist aber nach wie vor auf freiem Fuß, weil das Urteil noch nicht rechtskräftig ist. Wegen Wettbetrugs wurde Ante Sapina zu zwei Jahren und elf Monaten Haft verurteilt. Seine zwei Brüder Milan und Filip, Spieler Steffen Karl und Schiedsrichter Dominik Marks erhielten Bewährungsstrafen. In Leipzig stehen die Urteile gegen alle Angeklagten auf dem Prüfstand.

"Ich glaube, es wird eine spannende Sache", sagt Oberstaatsanwalt Schneider über den bevorstehenden Revisionsprozess. Die Bundesrichter müssen grundsätzlich entscheiden, ob in den Fällen der Wettmanipulation tatsächlich eine Täuschung und damit die Voraussetzung für einen Betrug vorlag oder nicht. Im deutschen Strafrecht gibt es keinen Paragraphen zu Wettbetrug, und die Rechtssprechung des BGH hierzu ist äußerst widersprüchlich.

In einem bereits Jahre zurückliegenden und ähnlich gelagerten Fall von manipulierten Pferdewetten durch einen bestochenen Jockey lag nach Ansicht der BGH-Richter ein Betrug vor. In einem anderen Fall wurde allerdings ein Pferde-Wetter vom Bundesgericht freigesprochen. Er hatte die Ergebnisse des Rennens vor dem Wettanbieter erfahren und noch schnell auf das richtige Pferd gesetzt.

Die Rechtslage ist kompliziert

Da der Wettveranstalter im Fall Hoyzer in seinen Teilnahmebedingungen nicht ausschließlich die Beeinflussung der Fußballspiele verboten hatte, ist die Rechtslage Schneider zufolge kompliziert. Geklärt werden muss auch die schwierige Frage, ob dem Wettveranstalter ein Vermögensschaden entstanden ist, und wenn ja, zu welchem Zeitpunkt.

Gespannt ist auch Hoyzers Anwalt Thomas Hermes. Er hoffe, dass das Urteil gegen seinen Mandanten vor dem BGH keinen Bestand hat und verweist ebenfalls auf die zwei widersprüchlichen früheren BGH-Urteile zu Wettmanipulationen. Nach dem Fall Hoyzer habe der betroffene Wettanbieter seine Teilnahmebedingungen geändert, um Manipulationen wie diese auszuschließen. Würden die Angeklagten tatsächlich freigesprochen, könnten noch zivilrechtliche Schadenersatzorderungen des Wettanbieters und des DFB auf sie zukommen. Aber auch das könnte Hermes zufolge schwierig werden, da der Wettanbieter erst einmal seinen entstandenen Schaden nachweisen müsste. "Und das ist nicht so offensichtlich", betonte der Anwalt.

Was oberflächlich betrachtet wie ein klarer Fall von Betrug erscheint, ist in der Wirklichkeit der deutschen Rechtsprechung eine harte juristische Nuss, die es nun zu knacken gilt. Bei dem Revisionsverfahren vor dem 5. Leipziger BGH-Senat werden die Angeklagten aller Voraussicht nach nicht anwesend sein. Das Urteil könnte noch am selben Tag gesprochen werden. (Susann Huster, ddp)

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