Sport : Wettskandal in Brasilien

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Rio de Janeiro Jetzt hat auch der brasilianische Fußball einen Wettskandal. Schiedsrichter sollen laut Recherchen des Nachrichtenmagazins „Veja“ in dieser Saison viele Spiele der Ersten Liga und auch des südamerikanischen Champions-Pokals Copa Libertadores manipuliert haben. Unternehmer und andere Personen hätten bei den Referees Ergebnisse bestellt, um bei Internet-Fußballwetten zu gewinnen, schreibt das angesehene Wochenblatt unter Berufung auf Ermittler der Bundespolizei und der Staatsanwaltschaft der Metropole São Paulo.

Verwickelt in den mutmaßlichen Betrug sind den Angaben zufolge mindestens zwei Schiedsrichter: Fifa-Referee Edilson Pereira de Carvalho sowie Paulo Danelon. Die Bundespolizei sei kurz davor, die Bande zu zerschlagen, die mit den abgekarteten Spielen Gewinne von mehr als einer Million Real (370000 Euro) erzielt habe. Man gehe davon aus, dass Carvalho mindestens 25 Begegnungen manipuliert habe. Die beiden Schiedsrichter hätten pro Spiel umgerechnet 3700 bis 5550 Euro erhalten.

Um die Manipulation so unauffällig wie möglich zu gestalten, habe die Bande auf favorisierte Teams gesetzt. Die Aufgabe der gekauften Schiedsrichter: den Sieg der Favoriten zu garantieren. Auf den Sieg von Favoriten werden zwar gewöhnlich sehr niedrige Prämien ausgezahlt. Um respektable Gewinne zu erzielen, habe die Bande aber jeweils hohe fünfstellige Summen gesetzt. „So wurden auffällige Überraschungssieger vermieden“, erklärt Staatsanwalt José Guimaraes.

Die Sicherheit der Schiedsrichter kannte offenbar keine Grenzen. So habe Carvalho einem Unternehmer in einem abgehörten Telefonat gesagt, er könne „sogar Autos“ auf das zu manipulierende Spiel setzen. Der 43 Jahre alte Carvalho, der eine Mietwagen- und eine Spielzeugfirma besitzt, genoss in Brasilien jahrelang einen guten Ruf. Laut Staatsanwaltschaft werde Carvalho wegen Betrugs und Bandenbildung angezeigt. Haftbefehle gegen die mutmaßlich Verwickelten könnten schon in den nächsten Tagen ausgestellt werden, schreibt „Veja“. dpa

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