Wettskandal : Osnabrück und Ulm: Der nächste Schock

Spiele des VfL Osnabrück und des SSV Ulm sollen sich unter den 32 manipulierten Partien befinden.

Dominik Bardow
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Richtig angestrengt? Das Osnabrücker Spiel in Augsburg soll zu den manipulierten Zweitligapartien zählen. Foto: p-a/dpadpa

Berlin - Der deutsche Fußball wird wieder von einem Wettskandal erschüttert. 32 der mindestens 200 manipulierten Spiele haben in Deutschland stattgefunden, das hat die Staatsanwaltschaft Bochum mitgeteilt. Die „Neue Osnabrücker Zeitung“ berichtet, dass zwei Zweitligaspiele des VfL Osnabrück darunter seien, die „Süddeutsche Zeitung“ meldet, es gebe den Verdacht, dass ein Freundschaftsspiel des Regionalligisten SSV Ulm gegen Fenerbahce Istanbul (0:5) manipuliert worden ist. Der Landesligist Würzburger Kickers gab bekannt, dass einer seiner Spieler in Untersuchungshaft sitzt.

Laut der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sind die Osnabrücker Auswärtsspiele beim FC Augsburg (0:3) am 17. April 2009 und beim 1. FC Nürnberg (0:2) am 13. Mai Gegenstand der Ermittlungen. Ein 34-Jähriger aus Lohne in Südoldenburg soll hohe Summen auf die Tordifferenz in beiden Spielen gesetzt haben und am Donnerstag festgenommen worden sein. Laut der Zeitung wettete er für das Augsburg-Spiel beim asiatischen Anbieter „Sbobet“ 150  000 Euro darauf, dass die Gastgeber mit drei Toren Unterschied gegen den VfL gewinnen. Aus abgehörten Telefonaten gehe hervor, dass der Verdächtige Kontakt zu einem Profi des VfL Osnabrück aufgenommen habe, der in dem Spiel mitwirkte. Bei Marcel Schuon, letzte Saison VfL-Profi, fand eine Hausdurchsuchung statt, teilte der Manager seines jetzigen Vereins SV Sandhausen mit, einen Haftbefehl gebe es aber nicht. Nach Information von „Welt online“ sollen zudem die Profis Thomas Reichenberger und Thomas Cichon unter Verdacht stehen. Reichenberger spielt immer noch für Osnabrück. Cichon ist mittlerweile nach Südafrika gewechselt. Gestern beteuerte er seine Unschuld.

Der damalige VfL-Trainer Claus-Dieter Wollitz sagte, er sei am Boden zerstört: „Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen, weil man jede einzelne Szene durchgeht.“ Paul Thomik, der in beiden Spielen für Osnabrück auf dem Platz stand, sagte dem Tagesspiegel: „Das ist ein Schock, mir ist ganz mulmig bei dem Gedanken.“ Der heute vereinslose Profi berichtet, er habe nichts von Absprachen mitbekommen, habe aber auch davon gehört, dass einige Spieler ein Wettproblem gehabt haben sollen. „Spieler tippen eben auch mal auf andere Mannschaften in anderen Ligen“, sagt Thomik. Er hofft nun auf schnelle Aufklärung: „An dem Abstieg hing die Zukunft vieler Spieler.“ Osnabrück stieg 2008/09 in die Dritte Liga ab.

Am Freitag teilten die Würzburger Kickers mit, ihr verhafteter Spieler sei schon einmal in einen Manipulationsversuch verwickelt gewesen: Im Auftrag eines asiatischen Wettbetrüger habe er einen Mitspieler gebeten, „bewusst schlecht zu spielen“, was dieser abgelehnt habe. In Ulm besteht laut „Süddeutscher Zeitung“ der Verdacht, mehrere Spieler des SSV 1846 hätten für ihre Bereitschaft zu verlieren einen niedrigen fünfstelligen Betrag erhalten. „Wir werden bei der Staatsanwaltschaft Akteneinsicht bekommen und fristlose Kündigungen aussprechen, wenn Spieler von uns daran beteiligt sein sollten“, sagte Ulms Geschäftsführer Markus Lösch dem Tagesspiegel.

Manfred Paula, damals Trainer des SSV Ulm, ist „völlig überrascht von den Vorwürfen“. Das Ergebnis gegen Fenerbahce Istanbul (0:5) am 14. Juli habe zum Spielverlauf gepasst und deute deshalb nicht auf Manipulation hin. „Wir hatten gut begonnen, dann fielen in einem kurzen Zeitraum drei Gegentore“, sagte Paula dieser Zeitung. „Wir haben Fehler gemacht, Distanzschüsse, die nicht abgeblockt wurden, weil erst die Kondition und dann die Konzentration nachließ.“ Gerold Knehr, Sportreporter von der „Südwest Presse“, hat das Spiel live gesehen und sagt: „Bei ein, zwei Gegentoren aus weiter Entfernung hat der Torhüter schlecht ausgesehen.“ Die Ulmer lagen zur Halbzeit 0:1 zurück, in der zweiten Hälfte fingen sie sich vier Gegentreffer durch Distanzschüsse ein, die letzten drei innerhalb von zehn Minuten. Ulms Torhüter wurde zweimal mit Hebern von der Strafraumgrenze überwunden, beim 0:3 ließ er den Ball vor die Füße von Fenerbahce-Stürmer Sentürk prallen.Seiten 1 und 2

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